Forvia: Hella-Mutter will 10.000 Stellen abbauen
Die erhofften Einsparungen bezifferte Forvia auf rund 500 Millionen Euro pro Jahr ab 2028. Den Angaben zufolge sollen vor allem frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt werden.
„Der Plan bedeutet nicht, dass nun 10.000 Mitarbeiter entlassen werden“, sagte Forvia-Finanzchef Olivier Durand. „Er heißt vielmehr, dass wir sicherstellen müssen, nur die Leute einzustellen, die wir unbedingt brauchen.“ Alle europäischen Standorte sollen betroffen sein, wenngleich nicht alle von ihnen im gleichen Umfang.
Die Forvia-Gruppe entstand im Februar 2022 nach der mehrheitlichen Übernahme des deutschen Licht- und Elektronikspezialisten Hella durch den französischen Zulieferer Faurecia. Die Unternehmen kooperieren seitdem gemeinsam unter der Dachmarke, agieren dabei allerdings rechtlich weiter unabhängig voneinander.
Vor der Übernahme von Hella hatte Faurecia weltweit etwa 111.000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach der Übernahme ist die Anzahl unter dem Dach von Forvia auf mehr als 150.000 Beschäftigte in über 40 Ländern angestiegen. Die Zahl hat sich seitdem kaum verändert.
Viele Autozulieferer streichen derzeit Jobs
Betroffen von dem Sparprogramm sind allerdings nur die gut 75.000 Mitarbeiter in Europa. Bei Forvia hieß es, man verhandle nun mit den Arbeitnehmervertretern über die Sparpläne. Ein Ergebnis sei in den kommenden Monaten zu erwarten.
Bereits zur Übernahme gab es bei Hella Befürchtungen, dass Forvia mit dem Heben von Synergien Arbeitsplätze beim deutschen Zulieferer abbauen könnte. Forvia-Chef Patrick Koller hielt damals die Bedenken für unbegründet: Es gebe viel Optimierungsmöglichkeiten, ohne Stellen abzubauen, sagte er damals.
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Wie viele Arbeitsplätze bei Hella nun betroffen sein werden, ist nicht bekannt. Aktuell streichen zahlreiche Autozulieferer Jobs. Bosch, weltweit die Nummer eins der Branche, will mehr als 3000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen.
Bei ZF stehen hierzulande laut Arbeitnehmervertretern bis 2030 etwa 12.000 Jobs auf der Kippe und damit knapp jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland. Continental wiederum hat angekündigt, weltweit mehr als 7000 Stellen in der Autosparte streichen zu wollen, 1750 davon in der Entwicklungsabteilung.
Forvia will wettbewerbsfähiger werden
Das Management will Forvia mit dem Sparprogramm wettbewerbsfähiger machen. Zudem will das Unternehmen für die Transformation der Branche zur Elektromobilität fit werden und stärker in die Digitalisierung investieren, insbesondere in Technologien rund um Künstliche Intelligenz (KI).
Das Unternehmen verfolgt mit dem Stellenabbau schließlich auch das Ziel, profitabler zu werden. Die Gewinnmarge soll den Angaben zufolge auf das Vor-Corona-Niveau von sieben Prozent gehievt werden von 2,5 Prozent im Jahr 2023.
Den Umsatz konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 27,25 Milliarden Euro steigern. Das lag insbesondere am Anstieg der weltweiten Autoproduktion, was sich direkt auf das Geschäft des Zulieferunternehmens niederschlägt.
Marktanteile konnte Forvia nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr vor allem in China dazugewinnen. Für das laufende Jahr strebt das Unternehmen Umsätze von 27,5 bis 28,5 Milliarden Euro an. Für 2023 meldete Forvia einen Nettogewinn von 222 Millionen Euro, nach einem Verlust von 382 Millionen Euro im Vorjahr.
Forvia-Chef Koller hatte jüngst im Interview mit dem Handelsblatt die Hella-Übernahme als Erfolg bezeichnet, bei der man „die Stärken von zwei spezialisierten Automobilzulieferern“ vereint habe. „Hella brachte seine Kompetenzen in der Beleuchtungstechnologie und Elektronik ein, Faurecia seine Fähigkeiten im Bereich der Systeme für den Fahrzeuginnenraum.“
Synergien in Höhe von 350 Millionen Euro
Unter dem gemeinsamen Dach von Forvia würden sich die beiden Unternehmen nun als „innovatives Technologieunternehmen“ positionieren. Bei den Synergien seien die Ziele weitgehend erreicht worden. „Durch den gemeinsamen Einkauf und die Zusammenarbeit in der Produktion erwarten wir erhebliche Kosteneinsparungen“, so Koller.
Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, belaufen sich die bis Ende 2023 erreichten Synergien auf 190 Millionen Euro. Bis Ende 2025 sollen sie auf 350 Millionen Euro ansteigen, mehr als bisher erwartet.
Erstpublikation: 19.02.2024, 09:55 Uhr.