Goldpreis: Edelmetall knackt den vierten Tag in Folge den Rekord
Auftrieb erhielt der Goldpreis am Freitagmittag vor allem durch die schwachen US-Arbeitsmarktzahlen. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,7 Prozent auf 3,9 Prozent. Experten hatten mit einer gleichbleibenden Quote gerechnet. Die schwachen Konjunkturdaten wecken bei Goldinvestoren Hoffnungen auf eine baldige Zinswende.
Bereits am Mittwoch gewann der Goldpreis an Fahrt, nachdem US-Notenbankchef Jerome Powell vor einem Ausschuss des Repräsentantenhaus bekräftigte, dass die US-Notenbank wahrscheinlich in diesem Jahr die Zinssätze senken wird.
Hohe Zinsen belasten den Goldpreis. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Im Vergleich zu anderen, als sicher geltenden Assets wie US-Anleihen verliert es in einem solchen Umfeld also an Attraktivität.
Zuletzt hatte der Goldpreis Anfang Dezember eine Bestmarke aufgestellt und war bis auf 2135 US-Dollar pro Unze gestiegen. Seitdem liegt der Preis, von wenigen Ausnahmen abgesehen, konstant über der 2000-Dollar-Marke, die das Edelmetall in den drei Jahren zuvor nur kurzzeitig überwinden konnte.
Nichtsdestotrotz ist die gegenwärtige Stärke des Goldpreises auf den ersten Blick verwunderlich. Denn das erwartete Timing der ersten Zinssenkung hat sich deutlich nach hinten verschoben. Eine Mehrheit der Händler rechnet erst im Juni mit einer Zinswende der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Zuvor waren sie von März ausgegangen.
Zudem sind die Äußerung Powells recht vage. In seiner Rede sagte er, es sei wahrscheinlich angemessen, die Leitzinsen „irgendwann in diesem Jahr zu senken“, zugleich machte er aber deutlich, dass die Fed jetzt noch nicht bereit dazu sei.
Alexander Zumpfe, Goldhändler beim Edelmetallspezialisten Heraeus, sieht als Katalysator für den jüngsten Anstieg des Goldpreises enttäuschende Wirtschaftsdaten aus den USA. Diese hätten erneut Spekulationen über mögliche Zinssenkungen angefacht.
Die am Freitag veröffentlichten Daten zeigten, dass die US-Fabrikaktivität im Februar schneller geschrumpft ist als erwartet. Außerdem ist das US-Verbrauchervertrauen im Februar zum ersten Mal seit drei Monaten gesunken.
Commerzbank-Analystin Thu Lan Ngyuen bezeichnet die Reaktion am Goldmarkt als überraschend. Die Preissteigerung deute darauf hin, dass der Goldpreisrutsch in der ersten Februar-Hälfte im Zuge der zurückgeschraubten US-Zinssenkungserwartungen mittlerweile als übertrieben erachtet würde.
Laut Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, ist die jüngste Rally auch auf Hedgefonds und andere institutionelle Investoren zurückzuführen: Sie lösten ihre Wetten auf einen fallenden Preis auf und hätten es nun eilig, auf steigende Preis zu setzen. Investoren „sind gezwungen worden, auf der Käuferseite wieder in den Markt einzusteigen“, sagte Hansen dem Finanzdienst Bloomberg.
Auch geopolitische Risiken, etwa der Krieg in Israel oder der Ukraine, könnten zum Gold-Rekordhoch beigetragen haben. Gold gilt als sicherer Hafen, allerdings trieben in der Vergangenheit Krisen nur kurzfristig den Preis. Laut dem Branchenverband World Gold Council (WGC) beeinflussten im vergangenen Jahr geopolitische Risiken die Goldperformance zwischen drei bis sechs Prozent.
Zentralbanknachfrage treiben Preis
Dass der Goldpreis sich trotz des belastenden Zinsumfelds nicht nur widerstandsfähig zeigt, sondern auch weiter steigt, liegt zudem an zwei Faktoren, die bisher nur bodenbildend gewirkt haben, also dafür gesorgt haben, dass der Goldpreis nicht zu stark einbricht: der hohen chinesischen Nachfrage und den Goldkäufen der Zentralbanken.
Die Zentralbankkäufe liegen seit zwei Jahren auf einem Rekordniveau und trugen laut dem WGC etwa zehn bis 15 Prozent zur Goldpreisentwicklung bei. Und in China investieren nicht nur Privatanleger in Gold, sondern auch reiche institutionelle Anleger, die in sehr große, 12,5 Kilogramm schwere Barren investieren. Solche Investitionen werden in der Regel bilateral zwischen Bank und Goldkäufer abgewickelt und sind statistisch schwer erfassbar.
Gold knackt noch weitere Rekorde
Der Goldpreis hat nicht nur in Dollar ein Rekordhoch erreicht, sondern auch in Euro. Zudem erreichte der Preis, zu dem das Edelmetall am London Bullion Market (LBMA), dem größten außerbörslichen Handelsplatz für Gold, gehandelt wird, einen historischen Höchststand von 2134 Dollar pro Unze.
Commerzbank-Analystin Nguyen warnt allerdings vor Abwärtskorrekturen des Preises. „Da noch viel Unsicherheit hinsichtlich des Beginns und des Ausmaßes des anstehenden US-Zinssenkungszyklus besteht, erscheint der Anstieg unserer Ansicht nach fragil.“
Während der statistisch schwer erfassbare Handel mit großen Barren, die chinesische Nachfrage und die Zentralbankkäufe den Goldpreis weiter stützen, ziehen Investoren weiterhin hohe Summen aus mit Gold gedeckten ETFs ab. Im Februar summierten sich die Abflüsse auf 48 Tonnen, im Januar waren es 51 Tonnen. Kurzfristige Bewegungen des Goldpreises wurden in der Vergangenheit vor allem von institutionellen Investoren beeinflusst, die hohe Geldsummen verwalten. Verzeichnen Gold-ETFs also hohe Abflüsse, belastet das in der Regel den Goldpreis.
Erstpublikation: 05.03.2024, 14:51 Uhr