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GlasherstellerGerresheimer hofft auf noch mehr Geschäft mit Abnehmspritzen

Die Aktie des Verpackungsherstellers profitiert vom Hype rund um die Diätmittel. Das soll erst der Anfang sein: Konzernchef Dietmar Siemssen will sich rund ein Drittel des stark wachsenden Markts sichern.Theresa Rauffmann 15.03.2024 - 14:17 Uhr
Produktion bei Gerresheimer: Das Düsseldorfer Unternehmen stellt Spritzen und Injektoren für die Diätmittel her. Foto: Gerresheimer

Düsseldorf. Der Spezialverpackungskonzern Gerresheimer will in den kommenden Jahren noch stärker vom Hype rund um die sogenannten Abnehmspritzen profitieren. „Auf das Thema stürzen sich aktuell alle, auch die Presse. Aber der Markt steht erst ganz am Anfang, die großen Zuwächse kommen erst noch“, sagte Vorstandschef Dietmar Siemssen im Gespräch dem Handelsblatt.

Bereits 2023 bescherte der Hype rund um neuartige Abnehmmedikamente der Pharmakonzerne Novo Nordisk und Eli Lilly der Gerresheimer-Aktie einen Schub. Das Düsseldorfer Unternehmen stellt Glasspritzen, Pens und Injektoren her, die benötigt werden, damit sich Patientinnen und Patienten die Mittel wie Ozempic oder Wegovy selbst in den Bauch spritzen können.

Die Gerresheimer-Aktie erreichte im September ein Allzeithoch von mehr als 120 Euro. Mittlerweile liegt sie bei gut 103 Euro – damit aber immer noch 20 Prozent höher als vor einem Jahr.

Damit profitiert Gerresheimer an der Börse schon jetzt, obwohl sich die Potenziale der Mittel bisher noch auf die Bilanz auswirken: Im vergangenen Jahr setzte Gerresheimer einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag mit den Produkten für Abnehmmittel um. Insgesamt erzielte das Unternehmen 2023 Erlöse von zwei Milliarden Euro.

Anhand des aktuellen Auftragseingangs rechnet Siemssen damit, mit seinen Produkten für die Diätspritzen mittelfristig Umsätze von 350 Millionen Euro zu machen. „Und da ist sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen.“ Auch die Analysten der Deutschen Bank rechnen damit, dass Gerresheimer diese Marke bis 2028 erreichen könnte.

Potenzieller 120-Milliarden-Dollar-Markt

Das Unternehmen will sich dabei einen Marktanteil von 30 Prozent an den Spritzen und Pens für die Diätmedikamente, sogenannte GLP-1-Mittel, sichern. Der Anteil der Verpackung und Injektionsgeräte an den Gesamtkosten der Medikamente liegt bei etwa vier Prozent.

„Zuletzt war auf einer Investorenveranstaltung die Rede davon, dass der Markt für GLP1-Medikamente 120 Milliarden Dollar groß werden könnte“, sagt Siemssen. Wenn das auch nur annähernd eintreffe, dann könne „jeder ein Stück vom Kuchen abhaben“.

Die neuartigen GLP-1-Mittel ahmen ein Darmhormon nach und sorgen dafür, dass Patienten weniger Hunger verspüren und das Sättigungsgefühl schneller einsetzt. Betroffene können damit bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts verlieren – wenn sie sich die Mittel einmal wöchentlich direkt in den Bauch spritzen.

Neben Gerresheimer ist etwa auch Schott Pharma einer der großen Zulieferer für die Abnehmmittel. Im September vergangenen Jahres ging die Sparte des Mainzer Spezialglasherstellers Schott an die Börse, mittlerweile ist der Aktienkurs um mehr als 20 Prozent auf fast 40 Euro gestiegen.

Investitionen in den Ausbau der Produktion

Gerresheimer investiert derweil kräftig. 2023 steckte das Unternehmen 328 Millionen Euro in den Ausbau der Produktionen, 2024 soll die Investitionssumme noch höher liegen.

„Tendenziell geht das in die Richtung 400 Millionen Euro“, sagt Siemssen. „Wer sein Volumen schneller hochfahren kann, wird profitieren.“ Denn auch die beiden Hersteller Novo Nordisk und Eli Lilly liefern sich ein Rennen, wer die Produktion am zügigsten ausbauen kann.

Siemssen bleibt zwar, was Namen von Kunden angeht, unkonkret. „Wir beliefern alle Schlüsselspieler auf dem GLP1-Markt – und vielleicht ein paar mehr“, sagt er. Sowohl Novo Nordisk als auch Eli Lilly sind allerdings die bisher einzigen Konzerne, die die GLP1-Mittel bereits vertreiben.

In den Markt wollen künftig aber auch andere Pharmaunternehmen  einsteigen: Boehringer vermeldete etwa kürzlich, dass seine bisher noch nicht zugelassene Diätspritze in einer Studie auch gegen Fettleber wirke.

Die Schweizer Roche zahlte 2,7 Milliarden Dollar für eine kalifornische Biotechfirma, die solch ein Mittel in der Entwicklung hat. Und auch der US-Pharmariese Pfizer arbeitet an einem GLP1-Mittel.

Injektoren bei Novo Nordisk: Auch andere Konzerne wollen in den Markt für Diätspritzen einsteigen. Foto: Bloomberg via Getty Images

Bisher ist die Nachfrage nach den Mitteln enorm. Novo Nordisk rechnet auch in diesem Jahr damit, nur weniger produzieren zu können, als nachgefragt werde – obwohl die Werke ohne Unterbrechungen liefen, wie es vom Unternehmen heißt.

Eli Lilly investiert derzeit 2,3 Milliarden Euro in eine neue Produktionsstätte in Alzey in der Nähe von Mainz, um dort seine GLP1-Mittel zu produzieren.

Gerresheimer investiert auch in Deutschland

Das scheint auch Gerresheimer zu bestärken, weiter die Produktion in Deutschland aufzubauen. Das Unternehmen produziere Produkte, die meist hohl und damit zerbrechlich seien. „Das ist nichts, was man gerne kreuz und quer durch die Welt transportiert“, sagt Siemssen. Neben neuen Werken, die in den USA, Mexiko, Nordmazedonien und China entstehen sollen, fließen die Investitionsausgaben auch in den Heimatmarkt.

„Wenn man Produktionslinien schneller und stabiler hochfahren kann, hat man einen Vorteil“, sagt Siemssen. Das sei auch einer der Gründe, warum Gerresheimer so viel investiere. „Wir bauen in erheblichem Umfang neue Kapazitäten auf.“

Gerresheimer-Chef Dietmar Siemssen: „Wir bauen in erheblichem Umfang neue Kapazitäten auf.“ Foto: Gerresheimer AG

Dabei soll etwa auch die Produktion im ostwestfälischen Bünde um- und ausgebaut werden. Dort soll in Zukunft etwa eine spezielle Zweikammerspritze für einen der Marktteilnehmer hergestellt werden. An so einer arbeitet etwa Novo Nordisk gerade. Das Mittel Cagrisema befindet sich gerade in der letzten klinischen Studie. Es kombiniert GLP1 mit einem anderen Molekül und könnte so für eine noch höhere Abnahme sorgen als die bisherigen Spritzen, die schon auf dem Markt sind. 

Sowohl Novo Nordisk als auch Eli Lilly arbeiten allerdings gerade auch daran, ihre Abnehmmittel in Pillenform zu pressen. Der Vorteil: Patientinnen und Patientenmüssen sich nicht mehr selbst spritzen. Dafür müssen sie die Tabletten öfter einnehmen – und für dieselbe Wirkung braucht es mehr Wirkstoff. Doch auch der ist bei den Herstellern aktuell limitiert.

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Gut für Gerresheimer: Auf die Spritzen scheinen die GLP1-Mittel-Hersteller noch eine ganze Weile angewiesen zu sein.

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