Inflation: Bank of England hält Leitzins konstant
London. Die Bank of England (BoE) hat die Leitzinsen in Großbritannien unverändert bei 5,25 Prozent belassen. Sie folgt damit dem Beispiel der Federal Reserve (Fed) in den USA, die am Mittwochabend ebenfalls stillhielt. In Großbritannien liegen die Leitzinsen seit August vergangenen Jahres unverändert auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren.
Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses der BoE fiel mit einer Mehrheit von acht zu eins deutlich aus. Nur ein Notenbanker sprach sich für eine sofortige Zinssenkung aus. Bei der vorausgegangenen Sitzung im Februar hatten noch zwei Notenbanker für eine Zinserhöhung gestimmt.
Die britischen Zentralbanker betonten, dass die Geldpolitik für eine ausreichende Zeit „restriktiv“ bleiben müsse, um das Inflationsziel der BoE von zwei Prozent zu erreichen. Zugleich sei man bereit, den geldpolitischen Kurs anzupassen, sollten die Wirtschaftsdaten das rechtfertigen. „Wir sind noch nicht an einem Punkt, um die Zinsen zu senken“, sagte BoE-Gouverneur Andrew Bailey.
Die Finanzmärkte reagierten mit sinkenden Anleiherenditen und einem leicht schwächeren Pfund-Kurs auf den Ausblick künftiger Zinssenkungen. Der Aktienmarkt konnte sein Plus aus dem frühen Handel halten.
Notenbank unter Druck
Die britischen Notenbanker stehen unter zunehmendem Druck, die Zinsen zügiger als geplant zu senken. So ist die Inflation in Großbritannien im Februar stärker als von Ökonomen erwartet auf 3,4 Prozent gesunken. Volkswirte vermuten, dass die Rate schon im April unter das Inflationsziel der BoE von zwei Prozent sinken könnte. Die Notenbanker gehen ebenfalls davon aus, dass sie ihre Zielmarke noch im ersten Halbjahr erreichen.
Zudem war die britische Wirtschaft Ende des vergangenen Jahres in eine Rezession gerutscht, von der sie sich im Januar leicht mit einem Miniwachstum von 0,2 Prozent erholt hat. Das erhöht den Druck auf baldige Zinssenkungen.
„Der geldpolitische Ausschuss (der Notenbank) ist aller Wahrscheinlichkeit nach bereits zu spät dran“, kritisierte Benjamin Nabarro, Chefökonom der amerikanischen Citibank in London, vor der Zinsentscheidung. „Wann wird ein Übermaß an Vorsicht zur Fahrlässigkeit?“, fragte er in einem Interview mit der Tageszeitung „Daily Telegraph“.
Es gebe wenig Belege dafür, dass die letzten Schritte bis zum Erreichen des Inflationsziels besonders schwer sein könnten, sagte Nabarro und wies darauf hin, dass sich auch der Zuwachs bei Löhnen und Gehältern verlangsamt habe. Nach Meinung der Citibank-Ökonomen sind die Leitzinsen in Großbritannien zwei Prozentpunkte höher, als sie angesichts der fallenden Inflationsrate und des stagnierenden Wachstums sein sollten.
Preisdruck im Dienstleistungssektor nach wie vor hoch
Großbritannien hatte mit einer Inflation von elf Prozent im Herbst 2022 die höchste Preissteigerung aller sieben führenden Industrienationen. Grund dafür waren hohe Importpreise für Energie und Lebensmittel. Diese externen Preistreiber haben inzwischen an Kraft verloren. Dennoch sind die britischen Notenbanker besorgt über eine hausgemachte Inflation im Servicesektor.
Sie haben bislang immer wieder vor einer hartnäckigen Restinflation gewarnt und wollten deshalb die Leitzinsen etwas länger hoch halten. Der Preisdruck im Dienstleistungsbereich ist nach wie vor hoch, die Steigerungsrate lag im Februar immer noch bei gut sechs Prozent. Auch der Lohnzuwachs von zuletzt ebenfalls etwa sechs Prozent gilt als Gefahrenherd.
Hinzu kommt, dass die konservative Regierung in London im Wahljahr weitere Steuersenkungen angekündigt hat, die nach Meinung der Notenbanker ebenfalls inflationär wirken könnten.
Die Finanzmärkte überzeugen die Bedenken der Notenbanker jedoch nicht. Insgesamt rechnen die Händler mit drei Zinssenkungen in Großbritannien in diesem Jahr, die erste davon könnte bereits im Juni erfolgen.