Autobauer: BMW erzielt höchsten Betriebsgewinn der Firmengeschichte
München. Der BMW-Konzern geht mit Rückenwind in die Transformation. Nie zuvor bauten die Münchener mehr Autos und nie war der Betriebsgewinn höher als 2023. Die aktuelle Stärke will Konzernchef Oliver Zipse nutzen. Im abgelaufenen und im kommenden Jahr will der Konzern Rekordsummen in die Entwicklung neuer Technologien und Werke stecken. „Wir haben keine Angst vor Technologieunternehmen“, sagte Konzernchef Oliver Zipse am Donnerstag in München, „weil wir selber ein Technologieunternehmen sind.“
Am Donnerstag stellte Zipse in München bei der Bilanzvorlage seinen Fahrplan für die Zukunft vor. Ab 2025 will BMW die „Neue Klasse“ auf den Markt bringen, nach der Limousine präsentierte Zipse nun ein elektrisches SUV. Damit ändert BMW nicht nur den Antrieb, sondern auch das Design und das Innenleben seiner Autos. „Das ist das größte Investment der Unternehmensgeschichte“, sagt Entwicklungschef Frank Weber. „Wir bringen alle Technologien auf den neuesten Stand.“
BMW kommt bei Elektromobilität deutlich voran
Sechs Modelle der neuen Elektrobaureihe sollen bis 2027 vorgestellt werden. Zudem sollen die für die „Neue Klasse“ entwickelten Features wie Head-up-Displays oder Staupiloten sehr schnell auf die übrige Modellpalette ausgerollt werden. Bis 2030 soll mindestens die Hälfte aller Neuwagen einen Elektroantrieb haben. Heute liegt der Anteil bei rund 15 Prozent.
Oliver Zipse geht betont selbstbewusst in das sechste Jahr seiner Amtszeit. Schon ohne die „Neue Klasse“ verkauft BMW mehr Elektroautos als Mercedes und Audi.
Vorbei sind die Zeiten, als sich der BMW-Chef noch dafür rechtfertigen musste, dass BMW nur halbherzig in die Elektromobilität einsteigt und Benzin und Diesel ohne Ablaufdatum weiter vorantreibt. Verstummt sind vorerst auch jene Kritiker, die den Münchener Autokonzern im Rennen mit Tesla, BYD oder Apple bereits abgeschlagen sahen. Mittlerweile ist Apple aus der Entwicklung eines eigenen Autos ausgestiegen, und Mercedes muss seinen für 2030 verkündeten Ausstieg aus Benzin und Diesel wieder revidieren.
Mit seinem technologieoffenen Ansatz sei BMW für die kommenden Jahre am besten in der deutschen Autoindustrie aufgestellt, urteilte jüngst das Bankhaus Metzler in einer umfassenden Studie.
Und die „New York Times“ nannte in einer langen Analyse BMW erst kürzlich den „überraschenden Gewinner im Elektromarkt“. Als einziger deutscher Autokonzern hätten die Münchener das Zeug dazu, es mit Tesla ernsthaft aufzunehmen. Zipse sitzt ohnehin fest im Sattel, im vergangenen September hat der Aufsichtsrat seinen Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängert.
Tatsächlich hatte Zipse mit vielen seiner Entscheidungen in den vergangenen Jahren ein glückliches Händchen. Dabei stammen viele seiner Erkenntnisse aus seiner Zeit als Strategiechef und Produktionsvorstand – in denen BMW viele Fehler machte. So brachten die Münchener 2011 mit dem „i3“ als erster deutscher Autokonzern ein Elektroauto in Serie. Neben dem eigenwilligen Design fehlte dem Auto Reichweite und ein Ladenetzwerk und kam über ein Nischendasein nie hinaus.
BMW hat aus seinen Fehlern gelernt
Milliarden steckte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer in eine neue Produktionsstruktur für Kohlefaser. Doch der neue Werkstoff entpuppte sich als Fehlschlag, Kosten und Komplexität bekam BMW nie in den Griff. Als Produktionschef drängte Zipse darauf, das Abenteuer Kohlefaser zu beenden. Die nächste Generation von Elektroautos solle von Verbrennern abgeleitet werden und auf den gleichen Produktionsstraßen gebaut werden, lautete seine Forderung. B
MW müsse auch in der Transformation seine Werke immer ausgelastet halten – selbst wenn man rein auf Elektromobilität optimierte Modelle wie die „Neue Klasse“ erst später in den Markt bringen könne.
Die Rechnung geht bislang auf: 2023 verkaufte BMW einschließlich Mini und Rolls-Royce gut sechs Prozent mehr Autos. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 155 Milliarden Euro zu, damit setzt die BMW Group erstmals mehr um als die Mercedes Car Group mit 153 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis erreichte mit 18,5 Milliarden Euro den höchsten Wert der Firmengeschichte.
Einzig das Nettoergebnis liegt mit 11,3 Milliarden Euro um 37 Prozent unter Vorjahr. Der Grund ist ein Einmaleffekt: 2022 hatte BMW nach der Mehrheitsübernahme zum ersten Mal sein chinesisches Joint Venture voll konsolidiert und dabei einen hohen Buchgewinn erzielt. Die Auswirkungen dieses Effekts verwässern nun zunehmend in der Bilanz.
Mit einer operativen Rendite von 9,8 Prozent ist BMW leicht profitabler als im Vorjahr und am oberen Rand des selbst gesteckten Ergebniskorridors von acht bis zehn Prozent. Auch 2024 will BMW wieder mindestens acht Prozent im Kerngeschäft Autobau erwirtschaften, obwohl nun mehr Gegenwind aus der Finanzsparte kommt. Dort schlagen die schwachen Gebrauchtwagenpreise zu Buche, die BMW für seine zurückkommenden Leasingautos bekommt.
Seine Finanzkraft nutzt BMW für höhere Zukunftsausgaben. Mit 7,5 Milliarden Euro ist das Forschungs- und Entwicklungsbudget um eine Milliarde höher als noch 2022. Hier will Entwicklungsvorstand Weber neben der Elektromobilität auch das automatisierte Fahren ausbauen. Bereits jetzt bietet BMW neben Mercedes als einziger Hersteller einen Staupiloten, der die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht mehr benötigt. Noch ist dieses Feature auf 60 Stundekilometer begrenzt und nur für das Topmodell der 7er-Serie erhältlich. In der „Neuen Klasse“ soll das System aber auch höhere Geschwindigkeiten schaffen, BMW arbeitet auch daran, dass sich die Autos ohne Fahrer selber parken können.
Mit 8,8 Milliarden Euro liegen die Investitionen von BMW ebenfalls auf einem historischen Rekordwert – eine Milliarde mehr als der Hauptkonkurrent Mercedes. Die historisch hohen Investitionsausgaben will der Konzern auch 2024 fortführen. Das Geld fließt in den Aufbau der Batterieproduktionen und in das neue Werk im ungarischen Debrecen, wo das elektrische SUV der „Neuen Klasse“ 2025 gebaut wird.
Die vielen Rückrufe werden zum Problem
Doch es gibt Schattenseiten. Noch ist unklar, wie BMW die tendenziell steigenden Kosten für Batterierohstoffe kompensieren will, die mit dem Hochlauf der Elektroautos auf die Margen drücken. Finanzchef Mertl mahnte zur „Kostendisziplin und Profitabilität“, um die Umsatzrendite von mindestens acht Prozent langfristig halten zu können.
An der Qualität kann BMW nicht sparen. Wegen eines fehlerhaften Kühlers droht in mehreren Hunderttausend Autos Brandgefahr. Fast alle 2021 und 2022 ausgelieferten Dieselmodelle müssen deshalb in die Werkstätten, erst kürzlich musste der Rückruf ausgeweitet werden.
Auch eine mit dem Zulieferer Continental entwickelte elektronische Bremse bereitet Ärger, allein in Deutschland und den USA muss BMW seit Jahresbeginn gut 130.000 Autos zurückrufen. BMW und Continental erklären zwar, dass die Autos weiter sicher seien, da in den Autos mehrere Systeme am Bremsvorgang beteiligt seien. Aber auch als Technologieunternehmen kann sich der Konzern solche Patzer nicht leisten.
Erstpublikation: 21.03.2024, 15:52 Uhr.