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Morning BriefingChinas trojanische Pferde – Wie gefährlich sind Tiktok und Temu wirklich?

Die chinesische App Tiktok hat weltweit über eine Milliarde Nutzer. Nutzt China diese und andere Technologien, um die Menschen zu manipulieren?Teresa Stiens 22.03.2024 - 05:58 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Chinas trojanische Pferde: Wie gefährlich ist Tiktok?

22.03.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

was, wenn eine globale Supermacht unsere Nachrichten, unsere Kommunikation und unseren Medienkonsum kontrollieren und steuern könnte? Eine Supermacht, die autokratisch regiert wird und mit einer neuen Weltordnung liebäugelt? Was, wenn sie so fast ein Fünftel der jungen Menschen weltweit erreichen und Kontrolle über ihr Denken erlangen könnte? Was, wenn diese Dystopie bereits Wirklichkeit wäre

Die Rede ist von Tiktok, einer App für Kurzvideos, die dem chinesischen Konzern Bytedance gehört und die weltweit über eine Milliarde Menschen nutzen. In den USA, aber auch in Europa, diskutieren die Entscheidungsträger derzeit erhitzt über den Umgang mit der App. Gleichzeitig nutzen Politiker wie US-Präsident Joe Biden sie für den eigenen Wahlkampf.

Dabei herrscht in Washington die Angst, dass Bytedance sensible Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergeben könnte. Außerdem besteht das Risiko, dass chinesische Geheimdienste den Algorithmus der App nutzen könnten, um die User zu manipulieren.

Und Tiktok ist bei Weitem nicht der einzige technologische Exportschlager aus China. Handelsplattformen wie Shein oder Temu erobern die Märkte weltweit, Huawei liefert Infrastruktur für die deutsche Telekommunikation.

Sind das moderne trojanische Pferde, die von außen wie spannende Innovationen wirken, in Wirklichkeit aber dazu dienen, gefährliche Inhalte einzuschleusen und Daten abzuziehen? Eine Frage, mit der sich ein großes Team von Reporterinnen und Reportern im Handelsblatt Wochenendtitel beschäftigt.

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping will das Ausland stärker von China abhängig machen. Foto: Michael Pleesz

Für die Europäer zeigt sich immer mehr, wie gefährlich die technologische Abhängigkeit von Asien, aber auch den USA, ist. Schließlich ist China nicht das einzige Land, das dafür bekannt ist, sich über Technologie Zugang zu sensiblen Daten zu erschleichen. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Edward Snowden.

Wie geht es weiter im Gaza-Krieg? Israels Premier Benjamin Netanjahu plant eine Offensive im Süden und in der Stadt Rafah. Doch dort haben mehr als eine Million Flüchtlinge Zuflucht gesucht. Kämpfe würden die humanitäre Katastrophe dort noch einmal deutlich verschärfen.

Die USA und die EU drängen Netanjahu deshalb dazu, seinen Plan abzusagen. Gleichzeitig zeigt sich das Versprechen an das israelische Volk, die Hamas komplett zu zerstören, als nur schwierig einlösbar. Denn trotz dezimierter Truppen ist die Terrororganisation bei Weitem noch nicht besiegt. Das liegt auch daran, dass das Finanzsystem der Islamisten weiter funktioniert. Lesen Sie hier die Analyse von Nahost-Korrespondent Pierre Heumann.

Gestern wagten zwei Unternehmen den Schritt an die Börse: die deutsche Parfümeriekette Douglas und die US-Plattform Reddit. Ich habe darüber im Morning Briefing ausführlich berichtet. Heute stellt sich die Frage: Wie ist es gelaufen?

Snoo, das Maskottchen von Börsendebütant Reddit, läutet die Glocke der New Yorker Börse. Foto: Bloomberg

Das Fazit der beiden Unternehmen könnte unterschiedlicher nicht sein. Douglas hat es tatsächlich geschafft, die von Anfang an niedrigen Erwartungen noch zu unterbieten. Der erste Kurs der Aktie lag bei 25,50 Euro und damit unter dem Ausgabepreis von 26 Euro. Im Laufe des Tages ging es weiter bergab. „Die Börse ist wählerisch“, resümiert Finanzredakteurin Hannah Krolle. Und gut informiert. Denn den Anlegern dürfte klar gewesen sein, dass die Kapitalisierung vor allem in die Tilgung der Schulden fließen wird – und nicht in neue Investitionen.

Ganz anders erging es dem Internetforum Reddit. Innerhalb kurzer Zeit stieg die Aktie über den Ausgabepreis von 34 Dollar und pendelte sich schließlich bei rund 46 Dollar ein. Doch trotz des Erfolgs bleibt die Anspannung im Unternehmen groß. Schließlich gelten einige Nutzer der Plattform als aktionistische Anleger – und der Börsengang hatte ihnen gar nicht gefallen. Zur Beschwichtigung hatte Reddit acht Prozent der Erstausgabe-Aktien für die aktivsten Nutzer der Plattform und für Mitarbeiter und deren Freunde reserviert. Für den Moment scheint das die Gemüter beruhigt zu haben.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber würde ich mich dieser Tage in eine Boeing setzen, sähe ich mich in Versuchung, einen Schraubenzieher mitzunehmen. Um zur Sicherheit lose Teile nochmal festschrauben zu können – wer weiß. Schließlich scheint die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Bauteile etwas zu locker sitzt und sich im Flug verabschiedet, besorgniserregend hoch. Und auch ein Feuerlöscher im Handgepäck macht durchaus Sinn – falls etwas in Flammen aufgeht.

Wer denkt, ich übertreibe, hat womöglich die folgenden Schlagzeilen verpasst: Am vergangenen Freitag verlor eine ältere 737-800 während eines Fluges eine Abdeckung. Zuvor fing ein Triebwerk einer 737-900 kurz nach dem Start Feuer, eine 777 verlor während des Starts ein Rad, und in Houston rutschte eine 737 Max von der Rollbahn.

Wegen der Pannenserie wächst der Ärger der Airlines über den amerikanischen Flugzeugbauer. Mehrere Konzernchefs in den USA haben ein Treffen mit dem Verwaltungsrat eingefordert. Michael O’Leary, der Chef der Billigfluggesellschaft Ryanair, sprach von einer „Shitshow“. Doch aktuelle Stimmen von Boeing-Insidern versprechen kaum Besserung.

Der Niedergang des Flugzeugbauers zieht sich jetzt schon seit einigen Jahren hin und hat bereits mehrere hundert Menschenleben gekostet. Auch der Aktienkurs befindet sich seit Jahresbeginn in einem steilen Sinkflug.

Dabei hatte die Konzernführung einst die Interessen der Aktionäre als oberste Priorität ausgerufen. Im Nachhinein wohl keine gute Idee für einen Flugzeughersteller. Schließlich sollte oberste Priorität haben, dass die eigenen Flugzeuge nicht abstürzen.

Zum Abschluss noch eine Neuigkeit zum derzeit wohl wichtigsten Thema der Nation: den Trikots der Männerfußball-Nationalmannschaft. Die sorgen seit Tagen für Diskussionen, weil sie, der Herrgott behüte mich, lila-pink sind! Ob die gestern Abend verkündete Entscheidung des Deutschen Fußballbundes, Adidas als Hauptsponsor abzusägen, etwas mit der Farbe pink zu tun hat, ist nicht überliefert.

Deutsche Nationalmannschaft

Tiktok wird offizieller Medienpartner des DFB

Alle, die in den pinken Trikots bereits das Ende der deutschen Fußballkultur gesehen haben, dürften sich jetzt noch mehr grämen: Neuer Sponsor wird der US-Konkurrent Nike. Die „Helden von Bern“ der Weltmeisterschaft 1954, die bereits in den Schuhen von Adolf Dassler spielten, werden sich im Grabe umdrehen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an Sie beim Griff in den Kleiderschrank die richtige Wahl treffen.

Es grüßt Sie herzlich Ihre

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Teresa Stiens

PS: In dieser Woche haben wir Sie gefragt, welche Projekte der Staat fördern sollte und welche nicht. Eine Auswahl der Leserkommentare finden Sie hier.

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