R+V-Versicherung: Versicherer räumt Schaden durch Signa-Pleite ein
Wiesbaden. Der Vorstandschef der genossenschaftlichen R+V-Versicherung, Norbert Rollinger, räumt ein, dass R+V von der Pleite des österreichischen Immobilieninvestors Signa betroffen ist. „Die Entwicklung tut uns leid und sie kostet auch Geld“, erklärte er am Mittwoch bei der Präsentation der Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres.
Der Versicherer war unter anderem einer der Großaktionäre der Sport-Online-Tochter Signa Sports United, die als erste in die Insolvenz rutschte. R+V habe aus dem Engagement gelernt, sagte Rollinger. „So schärfen wir unsere Risikoparameter in der Kapitalanlage.“ Die Pleite sei komplett in der Bilanz des vergangenen Jahres verarbeitet. „Wir erwarten keine Folgen in den nächsten Geschäftsjahren.“
Wie hoch das Engagement der R+V bei Signa ist oder wie groß die notwendigen Abschreibungen ausfallen, wollte der Vorstand des Unternehmens nicht bekannt geben. In Medien werden Summen von bis zu über einer Milliarde Euro genannt.
Auf die R+V entfallen nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen des insolventen Unternehmens Signa allein Genussrechte in Höhe von 300 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um eigenkapitalähnliche Investments, die im Gegensatz zu Krediten und Anleihen nachrangig behandelt werden. Bei einer Insolvenz erhalten Investoren erst Geld zurück, nachdem andere Gläubiger bedient worden sind. Wenn nichts mehr übrig ist, kann es zum Totalausfall kommen.
Laut einer Meldung der Sporthandelsgruppe Signa Sports United an die US-Börsenaufsicht SEC hält der Versicherer aus Wiesbaden außerdem rund sechs Prozent der Anteile an dem Unternehmen.
R+V will weiter in Immobilien investieren
In einem internen Statement, das dem Handelsblatt vorliegt, hatte Finanzvorstand Marc Michallet Anfang des Jahres das Risiko seiner Signa-Investments heruntergespielt. „Wir haben Zinszahlungen und Gewinnbeteiligungen erhalten, die auch unseren Kunden zugutegekommen sind“, hieß es in Bezug auf das Signa-Investment in dem Statement.
Das Investment der R+V habe „nur einen sehr geringen prozentualen Anteil“ der gesamten Kapitalanlagen ausgemacht und sei bewusst auf verschiedene Anlageklassen bei Signa verteilt worden. „Manche davon risiko- und damit chancenreicher, andere dagegen solide besichert.“
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Drei Monate später klingt das anders. „Das ist natürlich ein schmerzhafter Fehler, den wir auch intellektuell verarbeiten müssen“, räumte Michallet am Mittwoch in Wiesbaden ein. Der Finanzchef werde Investments in Immobiliengruppen wie Signa nicht mehr tätigen. „Das hat sich nicht bewährt.“ Gleichwohl werde der Versicherer weiterhin in Immobilien investieren, allerdings dann direkt und nicht über Dachgesellschaften wie Signa.
Das Gesamtergebnis kann sich trotz der Signa-Pleite sehen lassen. Die R+V-Versicherung erzielte im Jahr 2023 nach den Bilanzregeln des IFRS-Standards ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 933 Millionen Euro. Dabei erwirtschaftete die R+V allein ein Kapitalanlageergebnis von 3,5 Milliarden Euro, nach einem Minus in Höhe von 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Insgesamt hat der Versicherer mehr als acht Prozent seiner Anlagen in Immobilien investiert.
Der Versicherungsumsatz lag mit 12,3 Milliarden Euro um 0,9 Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Beitragseinnahmen stiegen um 1,5 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will die R+V über dem erwarteten Branchenschnitt von drei Prozent wachsen.
Erstpublikation: 03.04.2024, 12:54 Uhr.