Rückversicherer: Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler tritt zurück
Zürich. Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt tauscht den CEO aus: Die Swiss Re hat Andreas Berger, 57, zum CEO ernannt. Er löst ab Juli den seit acht Jahren amtierenden Christian Mumenthaler, 54, ab, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Jacques de Vaucleroy, Vizepräsident des Verwaltungsrats von Swiss Re, sagte: „Mit dem Rückenwind der Erreichung aller finanziellen Ziele für 2023, einer Dividendenerhöhung und den positiven Auswirkungen der Umstrukturierung der Gruppe ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den CEO-Wechsel.“
Berger führt seit 2019 das Geschäft mit Erstversicherungen für Firmenkunden, genannt Corporate Solutions, das beispielsweise große Industrieanlagen gegen Schäden absichert. Mit einem Nettoeinkommen von 678 Millionen Dollar im vergangenen Jahr verantwortet Berger die kleinste Sparte innerhalb von Swiss Re. Doch diese wird für den Rückversicherer immer wichtiger: Gegenüber dem Vorjahr legte der Nettoerlös unter Bergers Führung um 40 Prozent zu.
Vor seinem Wechsel zu Swiss Re führte Berger den Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty. Verwaltungsrats-Vize de Vaucleroy lobte, Berger habe sich als Sanierer hervorgetan. „Nach fünf Jahren bei Swiss Re blickt er auf eine überzeugende Erfolgsbilanz zurück, die durch den erfolgreichen Turnaround der von ihm geleiteten Geschäftseinheit Corporate Solutions unterstrichen wird.“
Die Bilanz des langjährigen CEOs Mumenthaler fällt zumindest aus Aktionärssicht durchwachsen aus. Die Swiss-Re-Aktie legte seit seinem Amtsantritt im Juli 2016 lediglich um 35 Prozent zu. Zum Vergleich: Der Aktienkurs der Munich Re, dem größten Konkurrenten, legte im gleichen Zeitraum um 200 Prozent zu. Swiss Re wurde nicht nur in der Coronakrise schwer getroffen. Bereits zuvor und auch im Jahr 2022 verhagelten außerordentliche Verluste die Bilanz der Swiss Re.
Dagegen konnte die Konkurrenz bei den Investoren durch stabile Gewinne punkten, auch weil sich etwa die Munich Re über Jahre einen größeren Puffer durch Rückstellungen aufgebaut hat. Hinter vorgehaltener Hand hatten sich Analysten schon länger gewundert, dass sich die Swiss Re eine Serie von unterdurchschnittlichen Jahren leistete, ohne den CEO auszutauschen.
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Vontobel-Analyst Simon Fössmeier kommentierte: „Angesichts der Tatsache, dass die Rentabilität von Swiss Re in den letzten Jahren hinter der Konkurrenz zurückblieb, ist ein Wechsel des CEO als solches keine große Überraschung.“
Der scheidende CEO begann noch einen Umbruch
Nach einem schwachen Jahr 2022 hatte der ehemalige Verwaltungsratschef Sergio Ermotti den Druck auf die operative Führung nochmals erhöht. Doch Ermotti wechselte selbst im April 2023 überraschend zurück zur Großbank UBS, um die Übernahme des strauchelnden Konkurrenten Credit Suisse zu managen.
Im vergangenen Jahr stieß Mumenthaler selbst wichtige Veränderungen an. Das Kerngeschäft, Rückversicherungen, wurde aufgespalten. Seither werden die Bereiche Sachversicherungen und Lebensversicherungen getrennt ausgewiesen. Zudem legte Mumenthaler mehrere Sparprogramme auf.
Das abgelaufene Jahr beendete Mumenthaler mit einem Gewinnsprung, unterm Strich blieben 3,2 Milliarden Dollar Nettogewinn. Verwaltungsrats-Vize de Vaucleroy sagte über Mumenthaler: „Während seiner achtjährigen Amtszeit stiegen die verdienten Nettoprämien und Honorareinnahmen von Swiss Re von rund 30 Milliarden USD im Jahr 2015 auf 45 Milliarden USD im Jahr 2023, während gleichzeitig die Kapitalisierung der Gruppe erheblich gestärkt wurde.“ Nun ist es an seinem Nachfolger Berger, dass der Rückversicherer seine Finanzziele auch in den Folgejahren erreicht.