VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden: Die abenteuerlichen Investments der Effenberg-Bank
Düsseldorf. Christian Gervais braucht Stehvermögen. Im November schickte ihn die Finanzaufsicht als Sonderbeauftragten in den Südwesten von Thüringen. Die örtliche VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden hatte gerade ihren Vorstand verloren und war nicht in der Lage, belastbare Jahresabschlüsse vorzulegen. Ein halbes Jahr später hat Gervais eine Sanierung gesichert und die Verluste beziffert: 280 Millionen Euro.
Die Volksbank ist unter dem Namen „Effenberg-Bank“ bekannt, seit sie 2018 den ehemaligen Nationalspieler Stefan Effenberg für ihr Geschäft mit Fußballfinanzierungen einstellte. Gervais beendete das Engagement, stand aber noch vor ganz anderen Aufräumarbeiten.
Die VR-Bank besaß Immobilien auf einer Rotlichtmeile im Ruhrgebiet, Anteile an einer inzwischen insolventen Firma für E-Autos und an einem Öllager am Rostocker Hafen. Nun muss sich Gervais auch mit einer Bisonherde beschäftigen.
Sie gehört zum Firmengeflecht von Hans Kilger. Der 61-jährige Bayer ist gelernter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, hat sein Betätigungsfeld aber stark ausgeweitet.
Die Finanzkrise von 2007/08 habe ihm den Glauben an die Finanzindustrie genommen, sagte Kilger in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Wenn man genau nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass die Landwirtschaft bisher jeder Weltwirtschaftskrise getrotzt hat.“