Kunstmesse: Tefaf New York: Vertrauensvorschuss in die Kaufkraft
New York. Sobald sich die schweren Holztore des denkmalgeschützten Zeughauses an der Park Avenue schließen, fühlt sich der Besucher in einen luxuriösen Kokon versetzt. Wieder hat es die Kunstmesse Tefaf (The European Fine Art Foundation) geschafft: Zum zehnten Mal verzaubert sie mit ihrem prächtigen Auftritt New York (bis 14. Mai).
Leicht könnte man da die gegenwärtige Verunsicherung des Marktes vergessen. Aber wie das gerade herausgegebene „Art Market Update“ der Bank of America, Lead Partner der Tefaf, analysiert, ziehen sich Sammler nun auf abgesicherte Positionen und beste Werke von unterrepräsentierten Künstlern zurück. Das dürfte der Messe, die für jurierte Topwerke bekannt ist, in die Hände spielen. Unverzagt setzen einige Händler mit siebenstelligen Preisen auf die Kaufkraft der Stadt.
In der riesigen Exerzierhalle nebst den 15 intimen historischen Räumen trifft man wieder 89 Galerien aus 15 Ländern, unter ihnen zwölf neue Teilnehmer. Aber anders als auf der viel größeren Muttermesse in Maastricht, der weltweit wichtigsten Kunst-, Antiquitäten- und Designmesse, spielt in New York die moderne und zeitgenössische Kunst die erste Geige, erst in weitem Abstand gefolgt von Design. Dazu gibt es edlen Schmuck, vier Händler zeigen Antiken.
Zum ersten Mal nimmt die junge New Yorker Galerie Venus Over Manhattan teil. Prominent quartierte sie sich direkt gegenüber dem Ticketschalter ein und lockt mit kräftigen Farben auf den Stand. Ein Großformat von Robert Colescott, der für gewagte Satiren und bittere Reflexionen über Rasse bekannt ist, „Tobacco: the Holdouts“ (1987), nimmt jedoch nur die letzten Raucher auf die Schippe. Daneben bezirzen drei imaginäre Landschaften des afroindigenen Malers Richard Mayhew mit der Verbindung von leuchtenden Farben und Emotionen. „Moodscapes“ nannte er sie.
Die Beliebtheit von Werken des Surrealismus ist hier ungebrochen, nicht nur beim Spezialisten Di Donna Galleries (New York). Auch Fergus McCaffrey (New York, Tokio, St. Barths) bietet einen Hauch von Surrealismus mit den dichten schwarz-weißen Fantasien des Japaners Tatsuo Ikeda (1928-2020). Seine Preise zogen nach der Teilnahme an der Biennale di Venezia 2022 stark an.
Werke von Künstlerinnen sind gut repräsentiert
Auch die zurückhaltenden Gemälde des 2018 verstorbenen Niederländers „Co“ Westerik waren in den USA noch nie zu sehen (bis 100.000 Euro). Auf knalliges Rot und eine rätselhafte, halb abstrakte Komposition setzt Leon Tovar, ein auf lateinamerikanische Moderne spezialisierter Händler. Für „Claustrofobia“ aus dem Jahr 1954 von dem Mexikaner Rufino Tamayo verlangt er einen Preis zwischen 2,5 und drei Millionen Dollar.
Künstlerinnen finden sich gut repräsentiert, etwa bei Sprüth Magers und Thaddaeus Ropac, und auch koreanische Kunst. Drei Händler reisten aus Seoul an. Page Gallery kommt zum ersten Mal und stellt mit Choi Myoung-Young (geboren 1941) einen wichtigen, aber noch unterbewerteten Vertreter der monochromen Dansaekhwa-Bewegung (ab 167.000 Dollar) vor.
Ein prominenter koreanischer Designer setzte die Acrylbilder sehr effektvoll in einem der historischen Räume in Szene. Mennour (Paris) brachte dagegen drei Großformate des international bereits bestens eingeführten minimalistischen Malers Lee Ufan mit, ein gebürtiger Südkoreaner.
Andere aktuelle Trends werden ebenfalls bedient. Sehr überzeugend arrangiert Offer Waterman (London), Spezialist für moderne und zeitgenössische britische Kunst, drei führende Vertreterinnen der zeitgenössischen Keramikszene: die 1902 in Wien geborene einflussreiche Lucie Rie, die gebürtige Kenianerin Magdalene Odundo und die Schottin Jennifer Lee.
Auch beim internationalen Händler David Zwirner begeistert man sich für das Medium Keramik. Hier stehen knapp 20 sehr fantasievoll geformte und glasierte Gefäße von George Ohr, dem „mad potter of Biloxi“, wie er sich selbst bezeichnete. Ohr war im Staat Mississippi um 1900 aktiv, wurde aber erst in den späten 1960ern wiederentdeckt. Seine besten Stücke erzielen mittlerweile auf Auktionen sechsstellige Summen. Zwirner begleitet Ohrs dekonstruierten Jugendstil mit sieben zurückhaltenden Stillleben von Giorgio Morandi.
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