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Moderne und zeitgenössische KunstDeutsche Kunst ist weiterhin weltweit begehrt

Die Londoner Auktionen zeigen sich robust, auch weil viele Lose kurz zuvor zurückgezogen wurden. Attraktiv sind nun auch Preiskategorien im Mittelfeld, deutlich unter der Trophäen-Kunst.Stephanie Dieckvoss 14.03.2024 - 17:27 Uhr
Das auf beiden Seiten mit Akten bemalte Bild von Ernst Ludwig Kirchner erzielte oberhalb der Schätzung 3,8 Millionen Pfund. Foto: Christie's

London. Nach längerer Zeit zeigen die Ergebnisse der Londoner Auktionen für impressionistische, moderne und zeitgenössische Kunst erstmals wieder eine klare Rangfolge beim Umsatz unter den internationalen Auktionshäusern. Während Christie’s Abendauktion im Vergleich zur Vorjahresauktion im gleichen Quartal 17 Prozent zulegt, fährt Sotheby’s 40 Prozent weniger Umsatz ein. Phillips liegt wie immer auf dem dritten Platz.

Christie’s kombinierte Abendauktion zum 20. und 21. Jahrhundert erzielte mit 80 Losen 137,7 Millionen Pfund und eine losbezogene Verkaufsrate von 86 Prozent. Das teuerste Los der Woche wurde mit taxgemäßen 33,7 Millionen Pfund René Magrittes Bild „L’ami intime“ von 1958. Damit konnte die eigenständige Surrealismus-Auktion insgesamt 59 Millionen Pfund verbuchen. Mit den Tagesauktionen liegt das Gesamtergebnis des Hauses bei 228,1 Millionen Pfund.

Sotheby’s erzielte mit 60 Losen 100 Millionen Pfund, brachte allerdings auch weniger Lose zum Verkauf. Hier lag die Verkaufsrate bei 90 Prozent. Das teuerste Los bei Sotheby’s war Pablo Picassos Spätwerk „Homme à la Pipe“ von 1968, das mit einem Preis von 13,7 Millionen Pfund leicht über der Taxe zu liegen kam.

Die soliden Resultat belegen, dass bei einem guten Angebot durchaus gute Ergebnisse erzielt werden können. Bei den richtigen Eigenschaften – Seltenheit, richtige Werkphase, Marktfrische, gute Provenienz – gab es Bieterinteresse in jedem Segment des Angebots.

Diesen Trend unterstreicht der neueste „UBS Art Basel Kunstmarktbericht“. Darin heißt es, dass trotz einer Abschwächung des Marktes im Hochpreissegment gerade in den tieferen Marktsegmenten gesteigerte Aktivitäten zu sehen sind. Das bestätigten in London insbesondere die Tagesauktionen, auf die wir noch zurückkommen werden.

In den Abendauktionen hingegen verdunkeln die Statistiken ein Bild, das auf weniger Markttransparenz deutet. Bei Sotheby’s wurden vor der Auktion elf der 70 Lose zurückgezogen, bei Christie’s waren es sieben von 87. Laut Antonia Gardner von Sotheby’s zeigt das nur, dass Auktionen stärker „fluide“ und nicht mehr so starr sind.

Zur neuen Lockerheit zählen dann wohl auch die 21 Garantien bei Sotheby’s, respektive 25 bei Christie’s, mit denen die Einlieferer den Verkauf vorab absichern. Dazu kommt, dass einige Künstlerinnen und Künstler neu eingeordnet werden – je nachdem, wie es dem Auktionshaus passt.

Bei Christie’s wurde die Berliner Dadaistin Hannah Höch in der Surrealismus-Auktion versteigert. Das Interesse an deren Collagen steigt in den letzten Jahren stetig und verhalf der Papierarbeit „Das schöne Mädchen“ von 1920 über der Schätzung von 120.000 bis 180.000 Pfund mit 454.000 Pfund zu einem neuen „Surrealismus-Rekord“.

Fast alle Weltrekordpreise der Woche wurden mit Künstlerinnen erzielt. Bei Sotheby’s waren es Etel Adnan, Takako Yamaguchi und Rebecca Warren, bei Christie’s Allison Katz, Jadé Fadojutimi, Hannah Höch und Meret Oppenheim und bei Phillips Jesse Mockrin. Die Künstlerinnen stammen aus geografisch unterschiedlichsten Regionen, sind jung und alt, Malerinnen und Bildhauerinnen. Das Interesse an der zu lange ignorierten Kunst von Frauen vereint alle Geschmäcker.

Britische Kunst ist weiter angesagt, obwohl Markennamen wie Lucien Freud, Francis Bacon oder David Hockney keine Selbstläufer mehr sind. Ein halbes Jahrhundert befand sich Bacons „Studie von George Dyer“ in einer Privatsammlung. Jetzt brachte sie bei Sotheby’s im mittleren Bereich ihrer Schätzung 6,8 Millionen Pfund.

Attraktiv und selten war hingegen Bacons „Landscape near Malabata, Tangier“. Das Landschaftsbild erzielte bei taxierten 15 bis 20 Millionen Pfund bei Christie’s 19,6 Millionen. Unterbieter war die Londoner Kunsthandlung Eykyn Maclean. Damien Hirsts Arbeiten hingegen verkauften sich entweder zu niedrigen Preisen oder wurden vorausschauend vor der Auktion zurückgezogen. Hier ist der Markt sehr wählerisch und interessiert sich nur noch für frühe Objekte oder attraktive Gemälde.

Der Markt für deutsche Kunst bleibt ebenfalls gemischt. Bei Phillips blieb eine Wandskulptur von Martin Kippenberger, „Zuerst die Füße“ von 1990, unverkauft. Ein weiteres Werk war schon vor der Auktion zurückgezogen worden.

Auch der Markt für Gerhard Richter ist immer noch angeschlagen. Bei Sotheby’s kam ein Set von fünf abstrakten Bildern von 1985 zum Aufruf mit 2,5 bis 3,5 Millionen Taxe. Ein Sammler hatte akribisch fünf der sechs Bilder einer Serie zusammengetragen und verkaufte sie nun als ein Los. Das fiel bereits beim ersten Gebot für drei Millionen Pfund an den Käufer. Bei Christie’s kam der dortige Gerhard Richter gar nicht erst zum Aufruf.

Christie's, Sotheby's, Phillips

Auktionswoche in London: Frauen brechen die Rekorde

Erfolgreicher hingegen ist die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Wenn die Preise für Expressionisten auch nicht mehr das sind, was sie mal waren, so bot Christie’s eine Reihe von Werken an, die sich gut verkauften. Ein auf beiden Seiten mit Akten bemaltes Bild von Ernst Ludwig Kirchner erzielte oberhalb der Schätzung 3,8 Millionen Pfund.

Der Trend setzte sich in den Tagesauktionen fort. Sotheby’s erzielte damit 23,5 Millionen Pfund bei einer Verkaufsrate von 80 Prozent. Europäische Bieter waren hier besonders aktiv, wie das Haus mitteilt. 13 Lose einer deutschen Sammlung mit deutscher Kunst verkauften sich über der Schätzung. Durch die guten Preise, unter anderem für Hannah Höch, kamen so 862.000 Pfund Umsatz zusammen.

Auch im Auktionsrahmen eher seltene Namen wie Felix Nussbaum und Lotte Laserstein finden nun ihren internationalen Markt und ein gutes Podium in London.

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Christie’s Tagesauktionen spielten 31,4 Millionen Pfund ein. Auch hier verdreifachte sich eine Collage von Hannah Höch aus einer deutschen Sammlung. Otto Dix’ charmante „Frau mit rotem Hut“ von 1921 ging bei 542.000 Pfund ebenfalls über die Schätzung hinaus.

Die Ergebnisse zeigen, dass deutsche Kunst weiterhin international begehrt ist. Und dass auch kleinere Arbeiten gute Preise erzielen können. Vielleicht spiegeln die Tagesauktionen mehr den allgemeinen Markt als die strikt orchestrierten Abendauktionen mit Hochpreiswerken.

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