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UnternehmenssammlungAuf Wachstumskurs

Die Zahl hochkarätiger Kunstwerke in der Hilti Art Foundation ist in 25 Jahren rasant gestiegen. Gerade hinzugekommen sind Gemälde von Carmen Herrera und Mark Rothko.Sabine Spindler 05.01.2026 - 15:31 Uhr Artikel anhören
Seit zehn Jahren schmiegt sich der weiße Museums-Kubus der Hilti Art Foundation, ein Entwurf von Morger + Dettli Architekten aus Basel, an das graue Liechtensteiner Kunstmuseum an. Foto: Hilti Art Foundation

Vaduz. Dass man mit Werkzeugen und Gerätschaften für die Baubranche sehr viel Geld verdienen kann, ist bekannt. Die Liechtensteiner Hilti AG hat in diesem Bereich im Jahr 2024 laut hauseigenem Financial Report mehr als 6,4 Milliarden Schweizer Franken umgesetzt. Die Mega-Galerien und führenden Auktionshäuser verbinden mit dem Namen Hilti dagegen eher einen Kunden, der an den wenigen noch zu habenden Spitzenwerken der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst interessiert und zur Zahlung hoher Summen bereit ist. Aus der Galerie Dickinson London stammt etwa das verschlüsselte, vielschichtige Gemälde „Paar unter Japanschirm“, das in der ekstatischen Berliner Zeit des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner entstand. Für 13,7 Millionen Euro wurde 2005 von Hilti bei Sotheby‘s in New York Max Beckmanns diabolisches „Selbstporträt mit Glaskugel“ ersteigert. Joan Mirós „Homme et femme“ kostete 2015 bei Christie‘s netto 4,37 Millionen Euro, bevor es im Jahr darauf bei Landau Fine Art erworben wurde. Es gibt wohl kaum ein öffentliches Museum, das in den letzten Jahrzehnten eine ähnlich turboartige Ankaufspolitik in dieser luftigen Qualitätshöhe wie auch in der Breite betrieben hat.

Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Paar unter Japanschirm“ wurde 2007 bei der Galerie Dickinson in London erworben. Der Expressionist Kirchner porträtierte darauf den Maler-Freund Otto Mueller mit dessen Frau. Foto: Günter König / Hilti Art Foundation

Seit gut zehn Jahren ist die Sammlung in wechselnder Auswahl und Hängung im weißen Ausstellungskubus der Hilti Art Foundation zu sehen. Der kühle Bau von Morger + Dettli Architekten schmiegt sich mitten in Vaduz harmonisch an das Liechtensteiner Kunstmuseum. Innen, auf drei Etagen in je einem überschaubaren Saal, werden die führenden Vertreter der Moderne und der Nachkriegskunst von Lyonel Feininger über Fernand Léger bis Willem de Kooning präsentiert. Seit die erfahrene Museumskuratorin Karin Schick hier als Direktorin agiert, weht ein frischer Wind durch die Sammlung. Allzu ehrgeizige Ambitionen wehrt sie jedoch ab. „Wir sind nicht Paris, aber mitten in Europa“, sagte sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Europa ist für sie das Stichwort für diese eigentlich disparate, sehr weit gefächerte Sammlung, in der momentan die surrealistischen Phantasmagorien Max Ernsts gegenüber der streng konstruktiven Komposition von Sophie Taeuber-Arp hängen. „In Touch“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung. „Wir wollen die europäische Moderne in all ihren Facetten spiegeln, die Unterschiedlichkeit der Konzepte und Ideen trotz der Gleichzeitigkeit darstellen“, so die Kunsthistorikerin.

Das lässt viel Spielraum für die Arbeit der Hilti Art Foundation. Zumal unter ihrem Dach zwei Kunstsammlungen ver- und bewahrt, verwaltet, ausgebaut und wissenschaftlich sowie konservatorisch betreut werden. Die Sammlung des Martin-Hilti-Family-Trusts und die Privatsammlung von Michael und Caroline Hilti. Die eine umfasst vorwiegend Klassische Moderne. Der Fokus der anderen liegt auf den Jahren von 1950 bis in die Gegenwart, mit Künstlern wie etwa Gotthard Graubner, dem Neon-Licht-Skulpteur Keith Sonnier oder Leiko Ikemura.

Die Moderne als Querschnitt künstlerischer Visionen – Werke von Wassily Kandinsky, Alexander Calder, Sophie Taeuber-Arp sowie Piet Mondrian und Joan Miró in der Hilti Art Foundation. Foto: Günter König / Hilti Art Foundation

Der Familien-Trust hatte anfangs noch mehr mit Wealth-Management als mit musealen Ambitionen zu tun. Zum Erbe des Firmengründers, der sein Geld mit Gütern für die NS-Rüstungsindustrie verdiente und bis zur historischen Aufarbeitung einen Malus in der Firmenbiografie hinterließ, gehörten zwei Gemälde Emil Noldes und eines von Paul Gauguin. Ihr gemeinsamer Marktwert summierte sich damals schon auf Millionen Schweizer Franken. Ein veritabler Grundstein für eine Sammlung, die heute internationalen Rang hat und deren Werke nicht selten an Ausstellungsprojekte anderer Institutionen verliehen werden. Kunst als Teil des Vermögensportfolios einzubeziehen, war bereits 1997 ein probater Weg der Geldanlage. Seitdem wurde in bedeutende Werke von Pablo Picasso, Lyonel Feininger, Ferdinand Hodler oder Wilhelm Lehmbruck investiert. Der Gedanke an ein eigenes Museum stand anfangs nicht im Vordergrund. „Aber ich finde es nicht gut, dass manche ihren Kunstbesitz in Zollfreilagern deponieren, das war und ist auch sicher nie die Intention der Künstler gewesen. Kunst gehört in die Öffentlichkeit“, so Michael Hilti, Präsident der Stiftung Hilti Art Foundation und Trustee der Familiensammlung, im Handelsblatt-Gespräch.

Art-Talk zur Ausstellungseröffnung in Vaduz: HAF-Direktorin Dr. Karin Schick, der Maler Sean Scully und Stiftungs-Präsident Michael Hilti auf dem Podium. Foto: Sandra Maier / Hilti Art Foundation

Erst um die Jahrtausendwende mit dem Sammeln von Klassikern der Moderne zu beginnen, scheint spät angesichts renommierter Kollektionen in Zürich und Winterthur, Berlin oder Wien. Das Material wird dünn, orakeln Insider. „Stimmt nicht“, entgegnet Michael Hilti. „Es kommen immer wieder Werke von allerhöchstem Rang auf den Markt. Sie haben natürlich ihren Preis“. Vor einem Jahr erwarb der Family-Trust bei Ketterer in München für 3,6 Millionen Euro inklusive Aufgeld mit Max Beckmanns „Großer Clown mit Frauen und kleiner Clown“ eines der letzten Gemälde des rigorosen Welttheater-Malers. Gerade eben wurde die Sammlung um ein Gemälde des abstrakten Expressionisten und Farbmagiers Mark Rothko reicher, vermittelt aus US-amerikanischem Privatbesitz durch eine international agierende Schweizer Galerie. Über den Preis wird geschwiegen. Nur so viel: Das jährliche Budget des Trusts liegt im zweistelligen Millionenbereich, gesichert durch die Dividenden der Hilti AG. Museumsdirektorin Karin Schick präzisiert: „Es geht nicht um Quantität. Wir suchen nach Gelegenheiten, Werke von dieser Qualität zu erwerben.“

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Die Bestandskataloge der Hilti Art Foundation unterscheiden nicht die Eigentümer der Werke. Dass die Trennung im Museumsalltag sowieso keine Rolle spielt, zeigt der Ende November eröffnete Ausstellungs-Dialog zwischen Gemälden von Paul Klee aus dem Trust und von Sean Scully aus der Sammlung Michael und Caroline Hilti. Das Sammlerpaar besitzt mit 22 Scully-Gemälden die wohl größte und bedeutendste Kollektion dieses Weltstars.  Scullys mächtige, in blockartige Flächen aufgeteilte Leinwände und Klees subtil strukturierte Gemälde verbindet nicht nur rhythmische Geometrie, sondern auch Poesie und Mystik. „Wie bei Klee sind auch in meinem Werk Farbe und Licht beschwert von einer tiefen Emotion …“, so Scully über seine Beziehung zu dem Fantasten und Bauhauskünstler.

Die Hilti-Sammlungen sind zweifellos auf Wachstumskurs. Neben Rothko und einem weiteren Gemälde von Wassily Kandinsky kam in diesem Jahr auch ein blau-weißes, konstruktiv-konkretes Gemälde von Carmen Herrera nach Vaduz, das wohl um 1950 in Paris entstand. Liechtenstein war bislang vor allem als Steueroase berühmt. Die Kunst macht dieses Fürstentum um einige Facetten reicher.

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