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AuktionDer Trick mit den tiefen Schätzpreisen

Die 61. Versteigerung der Berliner Auktionatorin Irene Lehr war maßvoll geschätzt. Privatsammler langten im Bereich vier- und fünfstelliger Preise zu. Das führte zu einem guten Gesamtumsatz.Susanne Schreiber 30.10.2024 - 07:29 Uhr Artikel anhören
Sean Scullys Gemälde „Light in December“ vermittelte Irene Lehr für 183.000 Euro (ohne Aufgeld) in eine New Yorker Sammlung. 80.000 Euro waren erwartet worden. Foto: Irene Lehr Kunstauktionen

Düsseldorf. Den Erfolg einer Auktion kann man an den Höchstzuschlägen messen. Da wäre bei der 61. Ausgabe der Kunstauktionen von Dr. Irene Lehr in Berlin am vergangenen Samstag Sean Scully zu nennen. Das Toplos des Iren, eine Streifenkomposition in Schwarz-Weiß-Grau, ließ seine moderate Taxe von 80.000 Euro hinter sich. Mit Aufgeld wird es für 183.000 Euro nach New York exportiert.

Man kann den Erfolg aber auch in Lehrs überdurchschnittlich hohen Absatzraten messen oder an den satten Steigerungsraten von Künstlern, die eher selten im Rampenlicht stehen. Abermals waren es Privatsammler, die sich vehement für bemerkenswerte Gemälde von Franz Xaver Fuhr, Paul Fuhrmann oder Frans Masereel einsetzten.

Handel und Museen halten sich aktuell stark zurück. Mit einem Gesamtumsatz von knapp 2,2 Millionen Euro ohne Nachverkäufe ist Irene Lehr „wirklich zufrieden, weil die im Augenblick propagierte Kaufzurückhaltung auf dem allgemeinen Kunstmarkt bei uns nur ganz schwach zum Tragen kam“.

Im Herbst 2023 hatte die Wahl-Berlinerin 2,7 Millionen Euro umsetzen können, im Frühjahr 2023 gar 3 Millionen Euro. Dass es diesmal etwas weniger ist, liegt auch daran, dass Werke mit Schätzpreisen um oder über einer halben Million Euro diesmal nicht eingeliefert wurden.

Charakteristisch für die im Mittelfeld starke Auktion sind die hoch getriebenen Zuschläge für Horst Strempels düstere Sinnbilder aus den Jahren 1947/48. Auf 9000 und 8000 Euro taxiert kamen „Die Sucher“ auf brutto 33.280, die vom Tode gezeichneten, rückkehrenden „Söldner“ auf 40.960 Euro. Beide Figurenbilder sicherte sich ein sächsischer Sammler.

In der facettenreichen Gruppe von Künstlerselbstbildnissen verfünffachte sich das Studiobild von Frans Masereel durch ein türkisches Gebot auf 30.000 Euro. Zusammen mit dem neusachlichen „Selbstbildnis mit Modell“ von Heinrich Steiauf, das sich von 4000 Euro auf 17.080 Euro heben ließ, reist es an den Bosporus.

Franz Xaver Fuhr hat sich 1928 mit giftgrün leuchtendem Gesicht vor dunklem Hintergrund als Seher porträtiert. Das gefiel einem New Yorker, der mit knapp 40.000 Euro mehr als die dreifache Taxe bewilligte. Auch Paul Fuhrmanns „Schrei“, ein Gewitter zuckender Farbblitze von 1922, gelangt für 36.600 Euro nach New York.

Auffällig war die durchgängige internationale Beteiligung. Mai Trung Thu ist ein Maler der Moderne aus Vietnam und Frankreich. Seine Mischtechnik auf Seide, „Maquillage“, vervielfachte sich auf 24.000 Euro netto. Der Grund: Mai Trung Thu ist am internationalen Markt sehr gesucht.

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Zu den Rückgängen zählen eine Zeichnung einer erschöpften Arbeiterfamilie von Käthe Kollwitz und ein anonymes Mädchenporträt von Georg Scholz. Letzteres fand dann nach der Auktion noch einen Käufer.

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