Kommentar: Warum der Einstieg eines Finanzinvestors bei Flix richtig ist

Die Finanzmarktakteure erwarteten einen Börsengang, am Ende erfolgte der Einstieg eines Investors. Die Entscheidung des Managements von Flix ist nachvollziehbar.
Das Mobilitäts-Start-up wird nach der Teilübernahme mit 3,2 Milliarden Euro bewertet – angeblich mehr, als Banken dem Unternehmen bei einem Börsengang in Aussicht gestellt hätten. Geld ist Geld, ob es von einer Beteiligungsgesellschaft oder von Aktionären stammt.
Und der Anreiz für Unternehmen, an die Börse zu gehen, ist nicht sonderlich groß. Börsennotierte Unternehmen sind dem ständigen Druck der Aktionäre ausgeliefert. Sie sind verpflichtet, die eigene Strategie sowie Geschäftszahlen offenzulegen. Und sie müssen strenge Anforderungen der Regulatoren erfüllen. Das ist anstrengend.
Ist das Unternehmen nicht börsenfit, wird es vom Kapitalmarkt hart bestraft. Die Börse ist wählerisch, das haben IPOs in den vergangenen Monaten gezeigt. Der Sprung aufs Parkett ist ein Risiko, das wohlüberlegt sein will.
Hinzu kommt: Unternehmen müssen rechtfertigen, warum sie im aktuell schwierigen Umfeld überhaupt an die Börse gehen wollen. Denn es gibt Alternativen. Private-Equity-Fonds wollen ihr Geld loswerden, sie stehen unter Druck. Das nicht investierte Kapital betrug weltweit im Jahr 2023 rund 1,6 Billionen Dollar. Die institutionellen Geldgeber wollen Rückflüsse sehen. Davon profitieren Unternehmen, die in den Fokus der Finanzinvestoren gelangen.
Flix ist für Investoren attraktiv. Das Unternehmen versteht sich nicht als Bus- und Zugbetreiber, sondern als Technologieplattform. Die Bilanz ist nicht mit hohen Sachwerten für die Fahrzeuge belastet.
Eine Enttäuschung für den Börsenplatz
Sicher, ein erfolgreicher Börsengang (IPO) hätte die Wachstums-Erzählung perfekt gemacht. Ein Aufstieg vom Bus-Start-up zum Weltkonzern, notiert an der Frankfurter Wertpapierbörse. Immerhin fahren die Busse nicht nur durch Deutschland, Flix ist mittlerweile in über 40 Ländern aktiv, darunter in den USA, Südamerika und Indien.
Auch für Flix hätte ein Börsengang durchaus Vorteile. Er verschafft dem Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt und der Marke Sichtbarkeit. Auch kann es für ein börsennotiertes Unternehmen gut sein, sich vor seinen Aktionären rechtfertigen zu müssen – Entscheidungen werden schneller getroffen, das Geschäftsmodell professionalisiert.
Nicht zuletzt schmerzt es den Börsenplatz Frankfurt, wenn Deutschlands große Börsenhoffnung den IPO absagt – in einem Umfeld, in dem Börsengänge ohnehin rar sind.
Die gute Nachricht: Private-Equity-Investoren halten ihre Beteiligungen nicht ewig, sondern wollen nach einigen Jahren aussteigen. Die Chancen für einen späteren Börsengang stehen also nicht schlecht.