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KommentarAnleger sollten Versichereraktien nicht abschreiben

Die Sorge vor teuren Schäden durch Hurrikans sorgt für schwache Aktienkurse bei Versicherern. Anleger sollten das nicht als Verkaufssignal deuten: Die Branche könnte sogar profitieren.Ozan Demircan 09.07.2024 - 15:08 Uhr
Hurrikan Beryl verwüstete ganze Landstriche auf Jamaika. Foto: Leo Hudson/AP

Es ist der stärkste je in einem Juli gemessene Tropensturm. Hurrikan „Beryl“ hat mehrere Inseln im Atlantik verwüstet und bisher mindestens zwölf Menschen getötet. So früh im Sommer hat noch nie ein Hurrikan eine derartige Verwüstung hinterlassen.

Während der Tropensturm weitere Landmassen erreicht, nimmt das menschliche Leid zu und gleichzeitig steigen die Schäden. Kein Wunder, dass Investoren aktuell Aktien von Versicherern meiden, denn die Konzerne müssen für diese Schäden bezahlen. Der weltgrößte Rückversicherer und Dax-Konzern Munich Re verlor seit dem Auftreten von Hurrikan „Beryl“ in der Spitze fünf Prozent an Wert. Auch die Konkurrenten Allianz und Hannover Rück waren zeitweise Schlusslichter im Deutschen Aktienindex.

Inzwischen haben die Kurse ihre vorigen Verluste teilweise wieder wettgemacht. Investoren haben gute Gründe, der Branche zu trauen: Den Versicherern geht es so gut wie lange nicht. Die Branche könnte von den aktuellen Entwicklungen sogar profitieren.

Cyber, KI, Hurrikans: Bedarf an Versicherungsschutz steigt

Klar ist: Versicherer werden immer mehr für Naturkatastrophen ausgeben müssen. Meteorologen rechnen mit einer „hyperaktiven Hurrikan-Saison“. Auch Starkregen und Hochwasser nehmen zu, wie vor einem Monat in Süddeutschland. Allein im ersten Quartal kosteten Unwetter die Branche bereits über 20 Milliarden US-Dollar, ein Zehntel mehr als im Vorjahr.

Die schwachen Kurse liegen weniger darin begründet, dass Anleger hohe Verluste und eine Schwächephase der Versicherer fürchten. Aktien von auf Großschäden spezialisierten Rückversicherern liefen zuletzt besonders gut. Der Wert der Anteilscheine von Munich Re hat sich seit der Coronapandemie fast verdreifacht.

Einige Anleger nutzen daher offenbar die Diskussion um hohe Kosten durch Hurrikan „Beryl“, um durch Verkäufe Gewinne zu realisieren. Aktionäre sollten sich davon nicht blenden lassen. Aktienkurse sind nicht vorherzusehen, wohl aber Entwicklungen in der Branche. Und die sehen für Versicherer gut aus.

Cyberbedrohungen, die Nutzung von KI, Hagel und Hurrikans: Die Risiken nehmen zu – damit steigt auch der Bedarf an Schutz. Die Nachfrage nach Versicherungen wird daher steigen.

Dass Versicherer am Aktienmarkt häufig Krisen trotzen, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Vor allem die Aktien der Rückversicherer wie Munich Re haben sich langfristig gut entwickelt, trotz großer Krisen wie der Coronapandemie, des Kriegs in der Ukraine oder der großen Umbrüche im Finanzsektor wie der Zinswende.

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Hinzu kommt: Die zunehmende Digitalisierung birgt für alle Versicherer enorme Kostenvorteile. Die besten Zeiten könnten Allianz, Munich Re und Co. also noch bevorstehen.

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