Rückversicherung: Munich Re schreibt Rekordgewinne – trotz steigender Schäden
München. Trotz einer steigenden Zahl von Großschäden hat die Münchener Rück im ersten Halbjahr Rekordzahlen erwirtschaftet und könnte auf der Basis auch ihr Jahresziel übertreffen. Der Nettogewinn des weltgrößten Rückversicherers schnellte um 55 Prozent auf 3,76 Milliarden Euro. Der Versicherungsumsatz stieg um 5,4 Prozent auf 14,95 Milliarden Euro.
Allein im zweiten Quartal stieg der Gewinn nach Steuern auf 1,62 Milliarden Euro an – ein Plus von 40,6 Prozent. Die Aktie des Dax-Konzerns drehte nach Bekanntgabe der Zahlen zunächst leicht ins Plus, verlor dann aber wieder an Wert und notierte am Donnerstagnachmittag mit 432,20 Euro rund 0,7 Prozent im Minus. Das Analysehaus Jefferies gibt weiterhin eine Kaufempfehlung aus und sieht das Kursziel bei 495 Euro.
„Nie haben wir in den ersten sechs Monaten eines Jahres mehr verdient als 2024“, sagte Vorstandschef Joachim Wenning am Donnerstag. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Münchener Rück zum Jahresende die angepeilten fünf Milliarden Euro Gewinn erreichen oder sogar übertreffen werde, sei nach dem Ergebnissprung im ersten Halbjahr gestiegen.
Dabei musste die Münchener Rück allein im zweiten Quartal für Schäden durch Naturkatastrophen von 957 (Vorjahr: 600) Millionen Euro einstehen. Der größte Einzelposten waren die Überschwemmungen von Flüssen in Süddeutschland Ende Mai und Anfang Juni, die die Münchener Rück in der Rückversicherung rund 200 Millionen Euro kosten. Bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo schlugen die Überschwemmungen zusätzlich mit 44 Millionen Euro zu Buche.
Rückversicherer sind die Versicherer der Versicherer. Um sich gegen schlecht kalkulierbare Risiken abzusichern, schließen Endkundenversicherer wie Allianz, Axa oder Gothaer Verträge mit Rückversicherern ab. Diese springen ab einer gewissen Schadenhöhe ein und erhalten im Gegenzug einen Anteil an den Prämieneinnahmen der Endkundenversicherer.
Vor allem bei kleineren und mittleren Naturkatastrophen wie Gewitter, Hagel und Hochwasser hätte die Anzahl der Schaden zugenommen, betonte Vorstandschef Wenning. Der einzelne Schaden sei zwar aus Sicht des Rückversicherers oftmals gering im Vergleich zu großen Katastrophen wie Hurrikans. „Aber die Summe der vielen kleinen Schäden summiert sich zu einem großen Schadenaufkommen“, erklärte Wenning.
Die Haftungsschwellen steigen an, risikobehaftete Geschäfte werden zurückgefahren
Rückversicherung ist dennoch ein lukratives Geschäft – aus zwei Gründen. Erstens können Rückversicherer über sogenannte Haftungsschwellen bestimmen, bei welcher Schadenhöhe sie einspringen. Nach Angaben von Analysten steigen diese Haftungsschwellen: Während im Jahr 2022 noch 46 Prozent aller versicherten Schäden von Rückversicherern übernommen worden waren, fiel der Wert im Folgejahr auf 36 Prozent.
Zweitens handelt es sich bei einer Rückversicherung um eine Dienstleistung. Deren Wert hängt einzig von Angebot und Nachfrage ab, ähnlich wie bei einem Rohstoff. Rückversicherer können daher den Preis ihrer Policen steuern, indem sie das Angebot senken. Und das hat Munich Re in den vergangenen Monaten offenbar getan.
Bei den Verhandlungen über neue Verträge mit Erstversicherungskunden zum 1. Juli zeichnete der Konzern mit 3,5 Milliarden Euro gut fünf Prozent weniger Geschäft. Die Preise stiegen im Schnitt um 0,6 Prozent.
Auch im wachsenden Segment mit Cyberrisiken sei Munich Re vorsichtig gewesen, erläutert Vorstandschef Wenning auf Nachfrage. „Wir wollen ausschließen, dass wir in ein System gezogen werden, in dem sich große Schäden aus Cyberattacken bei uns auswirken.“
Außerdem ziehe sich der Konzern aus der Übernahme von Verträgen zu Cyberrisiken zurück, wenn der Eindruck entstehe, dass sich die Unternehmen nicht gut genug gegen solche Attacken schützen. „Einige Kunden brauchen vielleicht noch etwas mehr Zeit, um sich besser auf Cyberrisiken einzustellen“, sagte Wenning dazu. „Wir nehmen das ganz gelassen.“