Morning Briefing Plus: Revoluzzer von rechts – die Umsturzfantasien der Tech-Milliardäre
Liebe Leserinnen und Leser,
Das Overton-Fenster umrahmt das Spektrum politisch durchsetzbarer Positionen. Mit der Zeit verschiebt es sich, was einst utopisch erschien, kann einige Generationen später zur Selbstverständlichkeit werden. Man denke an das Verbot von Sklaverei oder das Wahlrecht für Frauen. Krisen durchbrechen diesen graduellen Prozess, sie wirken wie Zeitraffer, verschieben den Möglichkeitsraum schlagartig. Der Erste Weltkrieg besiegelte das Ende der deutschen Monarchie. Die große Depression ebnete den Nazis den Weg zur Macht.
Heute gelten die westlichen Demokratien als gesellschaftlich stabil. Doch gibt es einflussreiche Kräfte, die glauben, dass wir auf eine Krise zusteuern, und die darin die Gelegenheit für radikalen Wandel sehen. Dazu zählt der deutschstämmige US-Financier Peter Thiel. Dieser Tage kursiert ein Clip von ihm, eigentlich ist das Video schon ein paar Monate alt, findet aber erst jetzt ein breiteres Publikum. Denn der Wahnsinn des US-Wahlkampfs und die Krawalle in England geben Thiels Thesen neue Relevanz.