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KapitalmarktBanken machen Vorschläge für einfachere Verbriefungsregeln

Sie galten als Beschleuniger der Weltfinanzkrise, jetzt fordern Banken ein Comeback mit neuen Regeln: Denn in Verbriefungen sehen sie auch große Chancen – vor allem in Europa.Dennis Schwarz, Hannah Krolle 16.09.2024 - 04:16 Uhr Artikel anhören
Manfred Knof: Der Commerzbank-Chef ist überzeugt, dass komplexe Vorschriften und hohe Kosten Verbriefungen unattraktiv machen. Foto: Marc-Steffen Unger

Frankfurt. Deutschlands Banken wollen den Verbriefungsmarkt stärken. Das geht aus einem Bericht des Bankenverbandes (BdB) und True Sale International, eine von deutschen Banken gegründete Lobbyorganisation zur Förderung des deutschen Verbriefungsmarktes, hervor. Der Bericht wird am Montag dem Bundesfinanzministerium übergeben, er liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

„Der europäische Verbriefungsmarkt schöpft sein Potenzial bei Weitem nicht aus“, sagte Schirmherr Manfred Knof, Commerzbank-Chef und Vorstandsmitglied des Bankenverbandes. Weniger Bürokratie und einfachere Vorschriften würden mehr Investoren anziehen und Innovationen made in Europe fördern.

Bei Verbriefungen schnüren Banken Kreditforderungen aus ihren Bilanzen zu handelbaren Wertpapieren zusammen, um sie dann an Investoren zu verkaufen. Damit entledigen sie sich unter anderem des Risikos von Zahlungsausfällen und können Kapital freisetzen, um neue Kredite zu vergeben.

Gleichzeitig können Banken so eine zentrale Rolle als Intermediär zwischen den zu finanzierenden Unternehmen und dem Kapitalmarkt einnehmen.

Deutschland und Frankreich wollen Markt wiederbeleben

Während der globalen Finanzkrise waren Verbriefungspapiere stark in Verruf geraten. Denn damals waren mit Immobilienkrediten unterlegte Papiere in großer Zahl ins Taumeln gekommen, was die Krise stark befeuerte. Das Vertrauen in diese Anlageklasse hat seitdem stark gelitten, bis heute hat sich in Europa der Markt für Verbriefungen nicht erholt.

Im Mai dieses Jahres hatten sich allerdings Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einem Sondergipfel getroffen. Um Europa wettbewerbsfähiger zu machen, wollen die Regierungschefs die Kapitalmarktunion wiederbeleben, hieß es in der Abschlusserklärung. Einer der Schwerpunkte: die Wiederbelebung des europäischen Verbriefungsmarktes, unter anderem durch regulatorische und aufsichtsrechtliche Änderungen.

Konkret haben die Banken nun ihrerseits Vorschläge zum regulatorischen Rahmenwerk gemacht und wollen so „eine fundierte Grundlage für den politischen Entscheidungsprozess schaffen“, heißt es in dem Bericht.

Attraktivität des Verbriefungsmarkts langfristig stärken

Dabei setzt die Initiative vor allem bei zwei Bereichen an: der Verbriefungsverordnung sowie den Kosten. Vor allem „komplexe und einschränkende Vorschriften sowie hohe Kosten“ würden Investoren derzeit abschrecken, sagte Knof.

Der Bericht sieht vor allem die Verbriefungsverordnung als verantwortlich für die hohen Kosten. Die Verordnung gehe „in ihrer bisherigen Form zwar grundsätzlich in die richtige Richtung“, führe in der Praxis aber zu komplizierten Prozessen und übermäßigen Reportinganforderungen.

Um die verschiedenen Segmente des EU-Verbriefungsmarkts langfristig auch für weitere Investoren attraktiv zu gestalten und die Marktaktivität zu erhöhen, sollten Banken neben der vereinfachten Regulierung zudem durch mehrere Maßnahmen gestärkt werden.

Zunächst müsse der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht den Ansatz zur Berechnung der Eigenkapitalanforderungen überarbeiten. Das 1974 gegründete Gremium setzt die weltweiten Standards für die Bankenaufsicht. Ziel sei es, die hohen Kapitalanforderungen abzusenken.

Außerdem sollte die Investorenbasis über die Banken hinaus ausgeweitet werden. In diesem Zusammenhang sollte die Regulierung von Versicherungen angepasst werden. „Die unverhältnismäßig hohen Eigenkapitalanforderungen nach Solvency II sind die größte Markteintrittsbarriere für kleinere Versicherungen, die das Standardmodell nach Solvency verwenden“, heißt es in dem Papier. Solvency II ist eine europäische Richtlinie, die unter anderem die Kapitalanforderungen für Versicherer vorschreibt.

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Darüber hinaus fordert der Bericht, Prozesse zur aufsichtsrechtlichen Prüfung zu verschlanken. Dies gelte insbesondere für Verbriefungen, die regelmäßig nach demselben Schema ablaufen.

Deutsche-Bank-Chef und Bankenverbandspräsident Christian Sewing hatte sich bereits Ende vergangenen Jahres geäußert. „Es liegen Vorschläge auf dem Tisch zu Verbriefungen, die dabei helfen würden, die Bilanzen der Banken zu befreien“, sagte er. Der Umgang mit den Risiken sei bei den Instituten inzwischen völlig anders als zur Zeit der Finanzkrise 2008. „Wir haben unsere Lektion gelernt.“ Jetzt komme es darauf an, bei Verbriefungen den nächsten Schritt zu gehen auf dem Weg hin zur Kapitalmarktunion.

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