Kommentar: Die Goldgräberstimmung der Solarhändler ist vorbei

Während die Solarindustrie und ihre Hersteller schon seit zwei Jahren nach Hilfe rufen, konnten die Händler ihr Glück kaum fassen: Vervierfachung des Umsatzes, dreifacher Gewinn, geplante Börsengänge und Tausende neue Mitarbeitende für den Vertrieb. So ging es fast drei Jahre lang wie im Rausch. Und jeder wollte ein Stück vom Kuchen haben. Zahlreiche Anbieter ploppten aus dem Nichts auf und verkauften Solaranlagen wie am Fließband.
Nach dem Ukrainekrieg wollte auf einmal jeder Eigenheimbesitzer eine Solaranlage. Die Strompreise waren astronomisch, die Angst vor Versorgungsengpässen wegen fehlender Gaslieferungen aus Russland enorm. Die Nachfrage nach Solaranlagen verdoppelte sich. Netzbetreiber kamen mit dem Anschluss neuer Solaranlagen kaum noch hinterher.
Also bauten Hersteller ihre Produktionen aus und Händler füllten ihre Lager bis unters Dach. Lieferschwierigkeiten wie nach Ende der globalen Coronapandemie wollte man schließlich vermeiden. Die hatten gerade am Anfang des Solar-Booms für wochenlange Wartezeiten gesorgt.
Knapp eine Million Module wurden im vergangenen Jahr ans Netz angeschlossen – so viel wie seit 2012 nicht mehr, zur Hochzeit der deutschen Solarindustrie. Viele deckten sich mit noch mehr Anlagen ein. Und erleben jetzt das böse Erwachen.