1. Startseite
  2. Technologie
  3. Künstliche Intelligenz
  4. ChatGPT-Macher: OpenAI erhält 6,6 Milliarden Dollar – nur ein Start-up ist mehr wert

ChatGPT-MacherOpenAI erhält 6,6 Milliarden Dollar – nur ein Start-up ist mehr wert

Nach einem turbulenten Jahr behauptet sich der Microsoft-Partner in der jüngsten Finanzierungsrunde mit einer Rekordbewertung – und nennt neue Abonnentenzahlen.Felix Holtermann, Luisa Bomke 03.10.2024 - 00:49 Uhr aktualisiert Artikel anhören
OpenAI: Das Unternehmen wird nun mit mehr als 150 Milliarden Dollar bewertet. Foto: REUTERS

San Francisco. OpenAI hat eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 6,6 Milliarden Dollar abgeschlossen. Damit wird das im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) tätige Start-up mit 157 Milliarden Dollar bewertet, wie eine Sprecherin auf Handelsblatt-Anfrage erklärte. OpenAI ist somit nach Elon Musks Weltraumfirma SpaceX das höchstbewertete US-Start-up. Als Erstes hatte die Agentur Bloomberg über die Finanzierungsrunde berichtet.

„Jede Woche wenden sich mehr als 250 Millionen Menschen an ChatGPT“, erklärte OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar. „KI personalisiert bereits das Lernen, beschleunigt Durchbrüche im Gesundheitswesen und steigert die Produktivität. Und das ist erst der Anfang.“

Mit der neuen Finanzierungsrunde mache OpenAI Fortschritte bei seiner Mission, KI „der gesamten Menschheit“ zur Verfügung zu stellen, teilte das Unternehmen weiter mit. „Die neuen Finanzmittel werden es uns ermöglichen, unsere Führungsposition in der KI-Forschung an vorderster Front zu verdoppeln, die Rechenkapazität zu erhöhen und weiterhin Werkzeuge zu entwickeln, die Menschen bei der Lösung schwieriger Probleme helfen.“

Jede Woche wenden sich mehr als 250 Millionen Menschen an ChatGPT.
Sarah Friar
OpenAI-Finanzchefin

Geleitet wurde die Finanzierungsrunde von Thrive Capital, der Beteiligungsgesellschaft des New Yorker Investors Josh Kushner, Bruder des Donald-Trump-Schwiegersohns Jared Kushner. Beteiligt waren die Wagniskapitalgeber Khosla Ventures, Altimeter Capital und Fidelity. Darüber hinaus beteiligten sich unter anderem der wichtigste Partner Microsoft, der Chipentwickler Nvidia sowie erstmals der japanische Technologieinvestor Softbank und der Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi.

„Wir freuen uns darauf, unsere Partnerschaft mit OpenAI fortzusetzen“, erklärte Microsoft. Eine Thrive-Sprecherin bestätigte auf Anfrage die Details der Finanzierungsrunde.

Laut früheren Medienberichten war auch Apple in Gesprächen, stieg aber aus. Der iPhone-Konzern ist bekannt dafür, ein besonders starkes Entgegenkommen für ein eigenes Investment zu erwarten. Die Zeitung „Financial Times“ schrieb unter Berufung auf Insider, OpenAI habe interessierte Geldgeber ersucht, nicht in konkurrierende KI-Firmen wie xAI von Tech-Milliardär Musk zu investieren.

Wachsendes Interesse an KI-Angeboten

OpenAI gab am Mittwoch zudem neue Abonnentenzahlen bekannt. Demnach zahlen elf Millionen Nutzer inzwischen für ChatGPT Plus, hinzu kommen eine Million zahlende ChatGPT-Geschäftskunden.

Die Finanzierungsrunde stellte eine der größten privaten Investitionen aller Zeiten dar und macht OpenAI neben SpaceX und dem chinesischen Tiktok-Eigentümer Bytedance zu einem der höchstbewerteten Start-ups weltweit. Der Umfang der Investitionen unterstreicht laut Beobachtern das Vertrauen der Tech-Branche in die KI-Zukunft – sowie den Willen, in die nötige Hardware und Forschung zu investieren.

Die Finanzierungsrunde folgt auf ein turbulentes Jahr für OpenAI. Im November vergangenen Jahres entließ der Verwaltungsrat des Start-ups den Chef Sam Altman, stellte ihn aber nach einem langen Wochenende wieder ein. In den darauffolgenden Monaten baute das Unternehmen seinen Verwaltungsrat um, stellte Hunderte neue Mitarbeiter ein und kündigte zahlreiche Großprojekte an.

Zuletzt haben jedoch mehrere hochrangige Abgänge die Unsicherheit geschürt. Erst am Mittwoch hat Technologiechefin Mira Murati überraschend ihren Rückzug angekündigt. Auch der für das Tagesgeschäft zuständige Chef Greg Brockman ist dabei, das Unternehmen zu verlassen.

Zudem kursierten Berichte, OpenAI wolle sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen umwandeln. Altman soll gegenüber Mitarbeitern in der vergangenen Woche Berichte, er erhalte im Rahmen des Umbaus und der neuen Finanzierungsrunde eine Beteiligung von sieben Prozent am neuen OpenAI, als „lächerlich“ bezeichnet haben. OpenAI äußerte sich dazu am Mittwoch nicht.

Microsoft bleibt wohl größter Profiteur

Microsoft, der größte Anteilseigner an der jungen KI-Firma, hatte das Chaos im November genutzt, um seinen Einfluss bei OpenAI zu vergrößern. Microsoft-Chef Satya Nadella hatte großen Anteil daran, dass Sam Altman wieder zu OpenAI zurückkehren konnte. Dass Nadella nicht ganz uneigennützig gehandelt haben dürfte, war Beobachtern schon damals bewusst. Jetzt wurden jedoch weitere Details zu dem Deal zwischen Microsoft und OpenAI bekannt, über die das Onlinemagazin The Information erstmals berichtete.

So soll Microsoft seit der Zehn-Milliarden-Finanzierungsrunde im Januar 2024 ein Recht auf künftige Gewinne von OpenAI haben, was den Wert der Anteile der neuen Investoren aktiv senkt. Zusätzlich soll Microsoft ein Veto einlegen dürfen, wenn die Gewinnrechte verändert werden sollen.

Sam Altman und Microsoft-CEO Satya Nadella (r.): Microsoft ist OpenAIs größter Anteilseigner Foto: IAN C. BATES/The New York Times//Redux/laif

Im Detail sieht die Gewinnbeteiligung vor, dass zuerst die Frühphaseninvestoren ausbezahlt werden und anschließend Microsoft 75 Prozent der Gewinne von OpenAI erhält, bis die Hauptinvestition von insgesamt 13 Milliarden US-Dollar ausgezahlt wurde. Danach allerdings soll die Gewinnbeteiligung von Microsoft noch nicht enden. Dem Konzern sollen dann weiterhin 45 Prozent der Gewinne vorbehalten sein – bis zu einer theoretischen Obergrenze des 120-fachen Betrags.

Die Vereinbarung soll auch unberührt bleiben, wenn OpenAI seine Unternehmensstruktur ändert und von einem gemeinnützigen zu einem profitorientierten Unternehmen wird. Erstmals von der Gewinnbeteiligung profitieren könnte Microsoft im kommenden Jahr. Für 2025 gab OpenAI eine Umsatzprognose von 11,6 Milliarde Dollar aus.

OpenAI auf Expansionskurs

Die Nachricht vom Abschluss der Finanzierungsrunde kommt in einer wichtigen Woche für OpenAI. Erst am Sonntag hat Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom sein Veto gegen ein weitreichendes KI-Gesetz, die „AI Safety Bill“, eingelegt. Das Gesetz hätte die Anbieter von KI-Modellen dazu verpflichtet, Sicherheitsvorkehrungen gegen einen Missbrauch ihrer Lösungen zu treffen. Kritiker hatten es jedoch als innovationsfeindlich und als „Anti-OpenAI-Gesetz“ bezeichnet, da es vor allem die größeren Anbieter betroffen hätte.

OpenAI ist mit Abschluss der Runde weiter auf Expansionskurs. Erst im September hatte das Start-up einen Immobiliendeal unterschrieben: Die zweite große Erweiterung der OpenAI-Zentrale umfasst knapp 30.000 Quadratmeter und ist nur einen Häuserblock von OpenAIs 45.000 Quadratmeter großem Hauptquartier entfernt. Der neue Deal ist der größte Büromietvertrag in San Francisco im Jahr 2024, wie die Zeitung „San Francisco Chronicle“ berichtet.

Dass mit Nvidia nun einer der wichtigsten Lieferanten von Chips bei OpenAI einsteigt, ist laut Beobachtern folgerichtig. Nvidia ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Risikokapitalgeber für KI-Unternehmen geworden. Neben OpenAI hat Nvidia auch in andere Entwickler von KI-Basismodellen wie Cohere oder das französische Unternehmen Mistral investiert. Aber auch Databricks, Scale AI, Runway, die Modellplattform Hugging Face und der Google-Konkurrent Perplexity gehören zum Nvidia-Start-up-Portfolio.

Über sein eigenes Venture-Team und seinen hauseigenen Risikofonds namens N-Ventures investiert der Konzern immer wieder in junge Unternehmen. Seit Anfang 2023 hat Nvidia den Wert seines Start-up-Portfolios so von 300 Millionen US-Dollar auf mehr als 1,5 Milliarden Euro gesteigert.

Die KI-Start-ups erhalten die investierte Summe von dem Chipkonzern jedoch meist nicht in bar, sondern in Form von begehrter Rechenkraft. Diese benötigt auch OpenAI, um seine Modellentwicklung voranzutreiben. Allein 2024 soll OpenAI rund sieben Milliarden Dollar für das Training seiner Modelle ausgegeben haben. Auch die 13 Milliarden Dollar, die Microsoft in OpenAI investiert hatte, sollen größtenteils in Form von Rechenzeit bereitgestellt worden sein.

Scharfer Wettbewerb

Die Gesamtbewertung bei solchen Finanzierungsrunden ergibt sich daraus, welchen Anteil an dem Unternehmen die Investoren für ihr Geld bekommen. Das Training von KI-Modellen und auch ihr Betrieb in riesigen Rechenzentren verschlingen Milliarden. Und nach wie vor ist unklar, ob sich das Geschäft von allein tragen kann.

OpenAI steht im Wettbewerb mit anderen KI-Firmen wie Anthropic sowie Tech-Riesen wie Google und dem Facebook-Konzern Meta, die eigene Modelle entwickeln. Bisher war Microsoft der wichtigste Geldgeber von OpenAI und baut Technologie der Firma in seine Produkte ein.

ChatGPT ist der Chatbot, der vor über einem Jahr den Hype um Künstliche Intelligenz auslöste. Solche KI-Programme werden mit gewaltigen Mengen an Informationen trainiert und können Texte auf dem sprachlichen Niveau eines Menschen formulieren, Softwarecodes schreiben und Informationen zusammenfassen. Das Prinzip dahinter ist, dass sie Wort für Wort vorhersagen, wie ein Satz weitergehen sollte.

Verwandte Themen
OpenAI
Microsoft
Nvidia
ChatGPT
Sam Altman
US-Dollar

Mit Material von Bloomberg und dpa.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt