Tourimus: Deutsche Reisebranche trotzt der Konjunkturschwäche
Berlin. Trotz Inflation und Konjunkturflaute hat die deutsche Tourismusbranche im Sommer zugelegt. Der Umsatz liegt mit Buchungsstand Ende August insgesamt um zehn Prozent über dem Sommer 2023, wie der Deutsche Reiseverband DRV am Donnerstag auf einer Branchenkonferenz in Berlin mitteilte. Die Zahl der Reisenden sei zwar nur um vier Prozent gestiegen.
Tendenziell nähere man sich aber auch hier dem Vor-Corona-Niveau an, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. „Auf den Urlaub wollen die meisten Deutschen nicht verzichten.“ Besonders Familien hätten zu der gestiegenen Nachfrage nach Pauschalreisen beigetragen.
Mit Ende der Sommersaison am 31. Oktober endet auch das gesamte Touristikjahr 2023/24. Insgesamt sind laut DRV im Vergleich zum Vorjahr acht Prozent mehr Gäste mit Reiseveranstaltern verreist (Stand Ende August). Der Umsatz stieg dabei um zwölf Prozent zum Touristikjahr 2022/23. Allerdings seien noch nicht wieder so viele Gäste wie vor der Pandemie verreist - der Rückstand für Winter und Sommer zusammen beträgt neun Prozent.
Aufgeschlüsselt nach Destinationen und Reisearten entwickelten sich die Erlöse im Sommer unterschiedlich. Bei den Zielen weisen die Länder am östlichen Mittelmeer - mit Türkei und Griechenland - einen Umsatzzuwachs von elf Prozent auf. Die westlichen Mittelstreckenziele inklusive Spanien verbuchten plus acht Prozent ebenso wie die Ziele auf der Fernstrecke. Die sogenannten erdgebundenen Reisen - mit Auto oder Bahn - legten nur um ein Prozent zu. Das höchste Wachstum im Sommer gab es mit 14 Prozent bei Kreuzfahrten.
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Die Urlaubsnachfrage im Herbstferien-Monat Oktober steigt sehr deutlich. „Gerade Familien wollen im Herbst noch in die Sonne und damit den Sommer verlängern“, erläuterte DRV-Präsident Fiebig. Am nachfragestärksten sei die türkische Riviera.
Ägypten und die Kanaren sind beliebte Ziele
Derweil setzt sich der Trend zum Frühbuchen auch für die Wintersaison 2024/25 (November bis April) fort. Nach aktuellem Stand haben mehr Menschen als zum gleichen Vorjahreszeitpunkt eine Veranstalterreise gebucht: 17 Prozent mehr Personen zum Stichtag Ende August.
Die Urlauber zieht es dabei vornehmlich in die klassischen Winter-Hotspots Kanarische Inseln und Ägypten. Ein Viertel des bisher eingebuchten Gesamtumsatzes entfällt auf Fernreisen. „Vor allem Thailand und die USA stechen mit einer überdurchschnittlich hohen Nachfrage hervor“, sagte Fiebig.
Derzeit könne sich die Branche noch von der mauen Konjunktur und dem schwachen Konsumklima weitgehend abkoppeln. „Aber wir dürfen nicht blauäugig sein“, warnte der DRV-Chef. „Sollten sich die negativen wirtschaftlichen Trends verfestigen, wird diese Entwicklung auch vor der Reisewirtschaft nicht Halt machen.“