Kommentar: Der FDP ist passiert, was sie immer vermeiden wollte

Ein Bundesminister, der nicht der FDP angehört, sagte mit Blick auf die ständigen Streitereien der Ampelkoalition einmal: Mit der Politik sei es wie mit einer Wurstfabrik – das Ergebnis müsse schmecken, den Entstehungsprozess solle aber lieber niemand verfolgen. Was für die Arbeit der Ampelkoalition zutrifft, gilt auch für ihr Ende.
Die FDP konnte darauf hoffen, vom Aus der bei den Bürgerinnen und Bürgern ungeliebten Koalition zu profitieren. Endlich hat das Gewürge ein Ende – diese Erleichterung war nicht nur an der liberalen Basis nach dem Bruch zu vernehmen. Das Ergebnis mag also munden.
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Aber der mögliche Entstehungsprozess, über den nun berichtet wird, wirkt trotzdem auf viele unappetitlich. Zu viel Inszenierung und Theater, zu wenig Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Es ist dieser Eindruck, den FDP-Chef Lindner nun fürchten muss.
Man darf davon ausgehen, dass auch bei Sozialdemokraten und Grünen die Vorbereitungen auf einen möglichen Koalitionsbruch seit Wochen liefen. Dass die Ampel dem Abgrund seit dem Frühjahr immer näher rückte, war schließlich kein Geheimnis, sondern in aller Öffentlichkeit zu besichtigen. Die FDP hat jedoch das Problem, dass aufgrund eines Zerwürfnisses in der Partei nun aus Sitzungen ihres innersten Führungszirkels berichtet wurde.