Christian Lindner: Ex-FDP-Chef wird Aufsichtsrat beim Kalkhersteller Lhoist
Berlin. Ein Job war nicht genug – und fünf waren es offenbar auch noch nicht. Nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik hat sich Ex-Finanzminister Christian Lindner ein umfangreiches Portfolio an Tätigkeiten zusammengestellt. Eine weitere Aufgabe kommt jetzt hinzu.
Der 46-Jährige tritt nach Informationen des Handelsblatts in den Aufsichtsrat des Kalksteinproduzenten Lhoist Germany ein, einer Tochter der belgischen Lhoist-Gruppe. Lindner wolle dort seine geo- und industriepolitische Erfahrung einbringen, hieß es in seinem Umfeld.
In Deutschland betreibt Lhoist unter dem Namen Rheinkalk Steinbrüche, unter anderem in Wülfrath nordwestlich von Wuppertal und im Sauerland. Kalk ist für die Stahlproduktion, die Chemie und die Bauwirtschaft von großer Bedeutung. Die Branche steht wie viele Industriezweige derzeit unter Transformationsdruck.
» Lesen Sie auch: Christian Lindner und die Bienen – endlich wieder was, das summt
Für Lindner gibt es zum Unternehmen einen familiären Bezug. Einer seiner Urgroßväter war vor mehr als hundert Jahren lange als Arbeiter und Sprengmeister im Kalkwerk Dornap in Wuppertal beschäftigt.
Zuletzt verging kaum eine Woche, ohne dass ein neuer Job für Lindner bekannt wurde. Der ehemalige FDP-Chef betätigt sich als Angel-Investor für frühe Start-ups, wurde Mitglied im Vorstand der Jobbörse Stepstone, Berater bei der Consulting-Firma Teneo und Beirat bei der Hegedorn-Unternehmensgruppe. Zudem wird er stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG, einem vor allem in Ostdeutschland etablierten Autohändler.
Lindner ärgert sich über „hämische“ Debatte
Einstige Weggefährten sehen in der Fülle der Aufgaben ein Sammelsurium ohne Zusammenhang. Lindner hingegen kritisiert, wie „hämisch“ die Reaktionen auf seine Job-Entscheidungen teils ausfielen. „Die dachten, ich werde Hedgefonds-Manager in New York oder sonst was“, sagte er im Fernsehsender ARD.
Auch im Interview mit dem Handelsblatt äußerte sich Lindner zu seinen Karriereplänen. Der „Unternehmergeist im Mittelstand“ habe ihn „immer fasziniert“, sagte er. Es sei ein „Privileg, dass ich mich neu erfinden kann“.