Kommentar: Ein in der Geschichte einmaliger Vorgang

Die SPD hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu ihrem Führungspersonal. Rudolf Scharping, Kurt Beck und Andrea Nahles wurden Opfer von Revolten und Parteiintrigen. Auch SPD-Kanzler scheiterten regelmäßig an der eigenen Partei. Helmut Schmidt am Widerstand gegen den Nato-Doppelbeschluss, Gerhard Schröder an der Rebellion gegen seine Agenda-Reformen.
Aber noch nie ist ein Bundeskanzler von seiner eigenen Partei so beschädigt worden wie Olaf Scholz. Erst hat die SPD die Demontage ihres Kanzlers heimlich, still und leise hinter den Kulissen vorbereitet, um dann im entscheidenden Moment voll zuzuschlagen. Die Frage ist, ob sich Scholz das noch antun will. Oder ob der sonst so selbstbewusste Kanzler, der sich in seiner Karriere auch von größten Rückschlägen nie aus der Bahn werfen ließ, aus Selbstachtung Boris Pistorius den Vortritt lässt.
Es geht um das politische Überleben
Nach dem Ampel-Aus geht es für den Kanzler ums politische Überleben. Monatelang ließ die SPD die Debatte um Scholz laufen, nahm hin, dass sich Kommunal- und Landespolitiker für Pistorius aussprachen. Politiker aus der fünften Reihe seien das, die Parteispitze stehe geschlossen hinter Scholz, hieß es in der SPD. Also wo ist das Problem?