Knaus Tabbert: Wohnmobilhersteller entlässt nach Razzia zwei Topmanager
Landshut. Der Freizeitmobilhersteller Knaus Tabbert hat zwei seiner derzeit drei Vorstandsmitglieder fristlos entlassen. Die beiden Manager seien „ab sofort nicht mehr für die Knaus Tabbert AG“ tätig, teilte das im niederbayerischen Jandelsbrunn ansässige Unternehmen mit. Grund sind demnach die „strafrechtlichen Vorwürfe“, die Knaus Tabbert seit dem Vortag erschüttern.
Die Staatsanwaltschaft in Landshut ermittelt wegen des Verdachts auf Korruption gegen die zwei Manager des Wohnmobilherstellers. Am Mittwoch haben 165 Polizisten und Polizistinnen die Firmenzentrale in Jandelsbrunn durchsucht. Auch in weiteren Bundesländern und der Schweiz gab es Durchsuchungen.
Den beiden Vorstandsmitgliedern Gerd Adamietzki und Werner Vaterl werde vorgeworfen, Bestechungsgelder angenommen zu haben. CSO Adamietzki und COO Vaterl sollen von Zulieferern bezahlt worden sein – im Gegenzug dafür, bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt zu werden. Dabei soll es um eine Summe von mindestens 50.000 Euro gehen, denn die Staatsanwaltschaft geht von einem besonders schweren Fall der Bestechlichkeit aus. Ein weiterer Verdächtiger soll bei einer Investmentfirma im Saarland tätig sein.
Adamietzki war 18 Jahre lang Teil von Knaus Tabbert, Vaterl sogar 32 Jahre, wie derzeit noch auf der Unternehmenswebsite zu lesen ist.
Die beiden Manager seien dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Landshut vorgeführt und wegen des dringenden Tatverdachts anschließend in verschiedene bayerische Justizvollzugsanstalten eingeliefert worden.
Aufsichtsrat kündigt Managern
Knaus Tabbert teilte mit, dass dem börsennotierten Unternehmen selbst kein Fehlverhalten zur Last gelegt werde, es gelte stattdessen als geschädigt. Die genaue Schadenshöhe sei bisher noch unklar. „Wir sind entschlossen, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um solche Ereignisse in Zukunft zu verhindern, einschließlich der Verbesserung der internen Prozesse und Kontrollen“, hieß es in der Stellungnahme.
Am gestrigen Mittwoch reagierten Anleger mit weiteren Verkäufen. Die Aktie verlor zehn Prozent und rutschte auf ein Tief von elf Euro ab. Am Donnerstag erholt sich die Aktie mit einem Plus von vier Prozent am späten Mittag.
Knaus Tabbert in der Krise
Vor rund zwei Wochen hatte das Unternehmen angekündigt, die Produktion an den zwei größten Standorten bis Jahresende zu pausieren. Der Konzern begründet die Entscheidung damit, dass er eigene Lagerbestände und die der Händler reduzieren wolle.
Auch den Konzernumsatz senkte der Wohnmobilhersteller aufgrund der Maßnahme für das Gesamtjahr 2024 ab. Man prognostiziere einen „deutlich geringeren“ Konzernumsatz als die im Oktober kommunizierten 1,3 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte die Umsatzprognose bei 1,4 bis 1,55 Milliarden gelegen und die Ziele für die bereinigte Ebitda-Marge bei sieben bis acht Prozent.
An der Börse brach daraufhin die Aktie um über 40 Prozent ein. Zuvor hatte Knaus Tabbert die Erlösprognose mehrfach abgesenkt.
Im laufenden Börsenjahr hat Knaus Tabbert rund 75 Prozent seines Börsenwerts verloren. Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Speck verließ das Unternehmen zum 31. Oktober. Interimsweise wurde es von dem nun inhaftierten Werner Vaterl geführt. Erst vor wenigen Tagen hatte Großaktionär Willem de Pundert den Posten als CEO übernommen.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa