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BeratungBain engagiert eine Frau, die „ganz andere Fragen stellen“ soll

Vielen Konzernen laufen weibliche Fach- und Führungskräfte davon. Die weltweit drittgrößte Strategieberatung will das nun auch im eigenen Haus ändern – und setzt auf die Gründerin Julia Neuen.Tanja Kewes 17.12.2024 - 10:43 Uhr Artikel anhören
Julia Neuen: Sie berät nun die Strategieberatung Bain. Foto: PR

Düsseldorf. Ihr Auftritt ist ihr halbes Geschäft. Wenn Julia Neuen einen Raum betritt, beherrscht sie ihn nach kurzer Zeit. Sie redet laut und viel, bewegt sich dynamisch und zugewandt. Ihre Markenzeichen: ein herzhaftes Lachen und das Zurückwerfen ihrer langen blonden Locken.

Schnell hat sie die Anwesenden damit gewonnen. Und was sie sagt, hat Substanz. Julia Neuen berät mit ihrer Firma Peaches seit zwei Jahren Unternehmen in Deutschland dabei, sich frauen- und familienfreundlicher aufzustellen. So weich ihre Art dabei erscheint, so hart ist ihre Argumentation.

„Die deutsche Wirtschaft kann es sich nicht länger leisten, junge Mitarbeitende, insbesondere Frauen, zu verlieren, weil diese Berufs- und Privatleben nicht vereinbaren können“, sagt Neuen. Und weiter: „Es ist dringend nötig, dass Frauen- und Familienthemen datengetrieben und betriebswirtschaftlich untersucht und angegangen werden.“

Mit dieser Arbeit und ihrer Art hat die 38-Jährige nun nach dem Möbelhausriesen Ikea, dem Kreuzfahrtanbieter Aida und dem Hotelkonzern Hyatt einen weiteren wichtigen Kunden gewonnen: die internationale Strategieberatung Bain.

Bain-Deutschlandchef Walter Sinn sagt: „Wir haben kein Potenzial mehr zu verschenken.“ Ohne eine offene Unternehmenskultur und optimale Förderung könnten die Berater des Unternehmens kaum „ihre beste Leistung zeigen“.

Bain hat wie die internationalen Mitbewerber McKinsey und Boston Consulting sowie Roland Berger aus Deutschland in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich mehr Frauen befördert. Doch noch immer dominieren dort Männer die Führungspositionen.

Bain will von Peaches mehr Gleichberechtigung – die sich rechnet

Peaches soll Bain nun dabei helfen, das zu ändern. Der Auftrag ist für Julia Neuen sehr prestigeträchtig. Denn Walter Sinn hat die US-Beratung Bain in seinen bislang zwölf Jahren als Deutschlandchef vor allem im zahlengetriebenen Geschäft mit der Finanzindustrie groß gemacht. Das Geschäft wächst eigenen Angaben zufolge auch in der angespannten Lage der Gesamtwirtschaft weiter zweistellig.

Seit einiger Zeit investiert Sinn dabei auch stärker in die Mitarbeiterzufriedenheit – mit Erfolg. Bain hat im diesjährigen Beliebtheitsranking von Trendence als Arbeitgeber sowohl bei Studierenden als auch bei berufserfahrenen Akademikern stark zugelegt. Damit kommt die Beratung den beiden Mitbewerbern McKinsey und Boston Consulting näher.

Neuen soll nun zunächst auf Basis ihrer Expertise und interner Analysen herausfinden, wie Frauen bei Bain in allen Lebensphasen bestmöglich unterstützt werden können. Wo dabei noch Optimierungspotenzial besteht, empfiehlt sie dann verbessernde Maßnahmen.

Neuen erklärt, Peaches dürfe „als externe Beratung ganz andere Fragen stellen, als Unternehmen dies intern“ könnten. Zum Beispiel bei gesellschaftlich häufig tabuisierten Themen wie Frauengesundheit, Karriereentwicklung und Familiengründung.

Bei Aida, Hyatt, Ikea, dem Chemiehändler Stahl und der Plattform OMR hat Neuen ähnliche Analysen bereits abgeschlossen. Hier gab sie Handlungsempfehlungen, um Fehlzeiten und die Abwanderung von Frauen durch gesundheitliche Probleme, mangelnde Kinderbetreuung oder eine männlich dominierte Unternehmenskultur zu verringern.

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Dabei empfiehlt sie die Einführung von Benefits für Gesundheitsmaßnahmen, die Sensibilisierung männlicher Führungskräfte für weibliche Themen, ein verbessertes Recruiting und Onboarding von Frauen, insbesondere nach Mutterschutz und Elternzeit. In schweren Fällen bedeutet das eine umfassende Transformation der Unternehmenskultur.

Von der Flugbegleiterin zur Unternehmensberaterin

Neuen ist also nicht nur engagiert, sondern auch erfahren. Für die gelernte Flugbegleiterin und Tierpsychologin ist Peaches bereits ihre zweite Unternehmensgründung.

2018 beklagte sich eine Freundin bei Neuen, wie schlecht sich ihre Karriere mit einem Kinderwunsch und später dem Familienleben vereinbaren lasse. Daraufhin gründete Neuen 2019 das Start-up Storchgeflüster. Die Plattform bietet angehenden Eltern Informationen und Kurse rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt an.

Drei Jahre später folgte dann Peaches. Hier berät Neuen die andere Seite: Firmen, die familienfreundlicher werden wollen. Peaches sitzt in Bremen und hat zehn festangestellte Mitarbeiter. Neuen wird auch in der Politik wahrgenommen: Am 27. November sprach sie im Bundestag vor dem Gesundheitsausschuss zum Thema Menopause.

Und Neuen weiß, worüber sie spricht. Sie ist selbst vierfache Mutter, ihr Mann Fabian ist Berater bei Roland Berger. Er ist Mitgesellschafter von Storchgeflüster und Peaches.

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Christina Diem-Puello, die Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), lobt: „Mit den Lösungen von Peaches können Unternehmen weibliche Fachkräfte langfristig binden und sich als zukunftsorientierte Arbeitgeber positionieren.“

Neuen selbst sagt: „Frauen machen den Unterschied.“ Das gelte angesichts von Fachkräftemangel und Krise umso mehr. Die Förderung von Frauen sei nicht „nice to have“, sondern eine Investition in den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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