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MessevorberichtNicht nur für eingefleischte Büchersammler

Auf den traditionellen Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg kann man für drei- bis sechsstellige Beträge historische Bücher und alte Drucke erwerben. Die Händlerinnen und Händler haben aber noch mehr zu bieten.Stefan Kobel 24.01.2025 - 05:50 Uhr Artikel anhören
George Barbiers Art-déco-Illustrationen in Maurice de Guérins 1928 publizierten „Poèmes en prose précépés d’une petite lettre sur les mythes par Paul Valéry“ gibt es auf der Ludwigsburger Antiquaria für 3500 Euro. Foto: Antiquariat Kurz, Oberaudorf

Wiesbaden. „Rausch und Ekstase“ ist das Motto in diesen ernüchternden Zeiten, mit dem die Antiquaria nicht nur eingefleischte Büchersammler zu ihrer 39. Ausgabe vom 23. bis zum 25. Februar in die Musikhalle in Ludwigsburg locken will. Denn Antiquariate haben oft nicht nur Bücher und alte Drucke im Angebot. Das Versandantiquariat Andanti aus Gmünd etwa geht mit einem Plakat zu Charlie Chaplins Film „Goldrausch“ aus dem Jahr 1925 auf Kundenfang. Beim Antiquariat im Baldreit aus Baden-Baden ist für 385 Euro das für die Lebensmittelläden von Kaiser’s entworfene Service „Die lachende Kaffeekanne“ des Jugendstil-Designers Peter Behrens zu haben.

Bisweilen unfreiwillig komisch sind aus heutiger Sicht die Propaganda-Plakate aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, von denen die Messeorganisatorin und Stuttgarter Antiquarin Petra Bewer eine Auswahl zusammengetragen hat (250 bis 700 Euro). Eher für große Kinder geeignet ist angesichts eines Preises von 5000 Euro beim Berliner Antiquariat Karajahn das Kinderbuch „Tobias Immerschneller“ der Wiener Werkstätte von 1909, in dem Richard Teschner und Antoinette Kahler zeigen und erzählen, mit welchen Mitteln sich Kinder fortbewegen.

Zu den Highlights für Erwachsene gehören „Die Verwandlung“ von Franz Kafka in der ersten Buchausgabe aus dem Jahr 1915 (Babel Books, Fuchstal, 12.000 Euro) oder das eigenhändige Manuskript Albert Einsteins für einen Artikel über „Das Wesen der Relativitätstheorie“ von 1947/48 (Inlibris, Wien und Kotte Autographs, Roßhaupten), mit 350.000 Euro das teuerste Objekt der Messe. Den mit 10.000 Euro dotierten 30. Antiquaria-Preis für Buchkultur erhält der Verleger und Buchgestalter Günter Karl Bose, der bis zu seiner Emeritierung 2018 Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig war.

Die größere und deutlich ältere Antiquariatsmesse Stuttgart präsentiert sich mit einem neuen Erscheinungsbild in einer zeitgemäßeren Standarchitektur. Sie startet traditionell einen Tag später und läuft dafür einen Tag länger. 26 der 68 Aussteller reisen aus dem Ausland an, so auch wie gewohnt Heribert Tenschert aus Ramsen in der Schweiz. Im Gepäck hat er einen persönlichen Heilsspiegel („Speculum humanae salvationis“) des Augsburger Druckers Peter Zainer, mit 192 altkolorierten Holzschnitten, der für 480.000 Euro zu haben ist.

Das Programmheft aus dem Jahr 1923 von „Les Ballets Sudois“ mit Fernand Légers Umschlaggestaltung kann auf der Stuttgarter Antiquariatsmesse für 1200 Euro erworben werden. Foto: Demian, Antwerpen

Mit einer vergleichbaren Rarität wartet Antiquariaat De Roo aus dem niederländischen Zwijndrecht auf: einem Blatt aus der „Biblia latina“ aus der Mainzer Druckwerkstatt von Johannes Gutenberg und Johannes Fust aus dem Jahr 1455 (145.000 Euro). Ein besonderes Jubiläum feiert das Musikantiquariat Raab. Durch Übernahme und Betriebsnachfolge kann es auf 140 Jahre als Musikantiquariat und sogar auf 200 als Musikalienhandlung in München zurückblicken. Das Renommierstück am Stand ist ein eigenhändiger Brief Anton Bruckners an einen Freund, in dem er ihm die „St.-Anna-Affäre“ erklärt, die ihn 1871 fast seinen Job an der Wiener Lehrerbildungsanstalt St. Anna gekostet hätte. Für 12.000 Euro erfährt man Details.

Eine Augenweide sind die pflanzenkundlichen Mappen des Berliner Antiquariats Michael Kühn. Hervorzuheben sind 27 Aquarelle von Orchideen aus der Sammlung des englischen Textilfabrikanten Henry Salt, die Cornelius Beavis Durham Ende der 1860er-Jahre anfertigte (65.000 Euro). Ins Paris der Roaring Twenties entführt das von Fernand Léger gestaltete Programmheft der Ballets Suédois, das vom Antwerpener Händler Demian für 1200 Euro angeboten wird. Wer sich gepflegt die Gegenwart schöntrinken möchte, greift zum legendären „The Savoy Cocktail Book“ von Harry Craddock in der Erstausgabe von 1930, beim Berliner Antiquariat Elvira Tasbach für 1800 Euro zu haben.

Mit „Hundert unter Hundert“ will der veranstaltende Verband Deutscher Antiquare auch weniger finanzkräftige und vermutlich vornehmlich jüngere Besucher ansprechen. Die Aussteller haben die Möglichkeit, gemeinsam an zentraler Stelle eine Auswahl preiswerter Bücher anzubieten.

Antiquaria Ludwigsburg, 23.–25. Januar 2025, Musikhalle Ludwigsburg, https://antiquaria-ludwigsburg.de

Antiquariatsmesse Stuttgart, 24.–26. Januar 2025, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, www.antiquariatsmesse-stuttgart.de

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