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Linke ParteienDie eine jubelt, die andere kommt nicht rein

Während die Linke ihren sicheren Einzug in den Bundestag bereits am Wahlabend feiern konnte, wird das BSW nicht im Parlament vertreten sein.Alexander Voß, Britta Rybicki 24.02.2025 - 07:45 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Heidi Reichinnek (im blauen Kleid) und Jan van Aken (rechts hinter ihr): Der Jubel der Linken-Parteichefs und ihrer Anhängerinnen und Anhänger war groß. Foto: Redaktion Handelsblatt Print

Berlin. Der Ausgang der Bundestagswahl hätte für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kaum spannender sein können. Nach der Auszählung aller Wahlkreise erreicht die Partei in der Nacht ein vorläufiges Endergebnis von 4,97 Prozent – und verpasst damit den Einzug in den Bundestag.

In ihren Reden am Sonntagabend betonten die Parteivorsitzenden Sahra Wagenknecht und Amira Mohamed Ali, dass die Partei auch im Falle einer Wahlniederlage eine Zukunft habe. Da klangen sie schon optimistischer als noch um 18 Uhr.

Die 4,7 Prozent der ersten Prognose hatte die Parteispitze mit verhaltenem Applaus quittiert. Wenig später verkündete Mohamed Ali unter dem Jubel ihrer Parteianhänger: „Das BSW ist gekommen, um zu bleiben.“ Und Generalsekretär Christian Leye kommentierte: „Einfach kann jeder.“

Im Anschluss betrat auch Sahra Wagenknecht die Bühne. Zuvor war sie an diesem Abend vor allem durch Abwesenheit aufgefallen. Nun lobte sie die Wahlkampfarbeit ihrer Partei. Ein Nichteinzug ins Parlament wäre zwar eine Niederlage, sagte Wagenknecht, „aber nicht das Ende des BSW“.

Für die Anhänger der Partei begann dann eine lange Nacht. Erst um 4.10 Uhr ereilte sie die Gewissheit, als die Bundeswahlleiterin das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl verkündete.

Zukunft von Sahra Wagenknecht weiter unklar

Vor der Wahl hatte Sahra Wagenknecht ihre politische Laufbahn an den Einzug des BSW in den Bundestag geknüpft. Ob die Namensgeberin der Partei jetzt persönliche Konsequenzen ziehen wird, ließ sie am Wahlabend offen.

Sahra Wagenknecht

Auf zum letzten Gefecht

Das knappe Wahlergebnis des BSW hatte sich in den letzten Umfragen vor der Wahl bereits angedeutet. Noch im Herbst des vergangenen Jahres hatte die Partei dort Spitzenwerte von bis zu acht Prozent erreicht und damit deutlich über der Fünfprozenthürde gelegen.

Es war zugleich das Gründungsjahr von Wagenknechts Bündnis. Im September, nur acht Monate nach der Parteigründung, erreichte die Partei bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen aus dem Stand ein jeweils zweistelliges Ergebnis.

Nach dem Bruch der Regierungskoalition im November 2024 verschlechterten sich die Umfragewerte des BSW jedoch auf zwischenzeitlich vier Prozent. Und das, obwohl die Partei wenig später in Brandenburg und Thüringen in die Landesregierungen einziehen konnte. Der bis dahin sicher geglaubte Einzug in den Bundestag schien plötzlich weniger klar.

Laut dem Zwischenergebnis der Bundeswahlleitung kommt die Union aus CDU und CSU auf 28,5 Prozent der Stimmen, gefolgt von der AfD mit 20,8 Prozent. Die SPD stellt einen Negativrekord auf. FDP und BSW scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.

Kurz vor der Wahl war es die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Friedensverhandlungen mit Russland über den Krieg in der Ukraine zu führen, die dem BSW noch einmal Schub in den Wahlumfragen verlieh. Doch auch diese Entwicklung beim Kernthema der selbsternannten Friedenspartei reichte schlussendlich nicht aus, um der Partei zu einem klareren Ergebnis bei der Wahl zu verhelfen.

Die Linke feiert erste Prognose: „Die Linke lebt!“

Das klare Ergebnis, das Sahra Wagenknecht sich gewünscht hatte, konnte die Linkspartei bereits nach der ersten Prognose um 18 Uhr feiern – mit einem vorläufigen Wahlerfolg von neun Prozent. Nach Ende der Auszählung kommt die Partei auf 8,8 Prozent.

Unter Konfettiregen traten die Spitzenkandidaten Heidi Reichinnek und Jan van Aken mit Parteichefin Ines Schwerdtner im Glashaus in Berlin-Alt-Treptow auf die Bühne. Als van Aken verkündet, „die Linke lebt“, jubelten die etwa 450 Zuschauerinnen und Zuschauer im Saal.

Schwerdtner sprach vom „Comeback des Jahres“. Tatsächlich hatte vor wenigen Wochen kaum jemand einen so hohen Anteil der Wählerstimmen für möglich gehalten. Vor Kurzem galt die Linkspartei als politisches Auslaufmodell. Nun wird sie ins Parlament zurückkehren.

Bundestagswahl

Die Linkspartei legt in den Umfragen eine furiose Aufholjagd hin

Reichinnek erklärte auf der Bühne, wie es dazu kam: „Es war genau richtig, im Wahlkampf auf soziale Themen zu setzen und den Bürgerinnen und Bürgern zuzuhören.“ Sie kündigte an, dass sich die Partei von nun an für einen Mietendeckel, ein Programm für bezahlbaren Wohnraum und niedrigere Steuern auf Grundnahrungsmittel einsetzen werde.

Nach dem Konflikt mit dem „links-konservativen“ Flügel um Sahra Wagenknecht und ihrem Austritt im Herbst 2023 schien die Partei am Boden. Bis Ende Januar lag die Linke in den Umfragen konstant zwischen drei und vier Prozent. Bei den Europawahlen 2024 erreichten sie ein Ergebnis von nur 2,7 Prozent.

Gregor Gysi: Mit der „Mission Silberlocke“ hat er seinen Anteil am Erfolg der Linkspartei. Foto: Carsten Koall/dpa

Teil ihres Erfolgs ist auch ein massiver Zuwachs von Mitgliedern: Ende 2023 hatte die Linkspartei 50.000 Mitglieder, mittlerweile sind es mehr als 90.000. Besonders die Themen steigende Mieten und Heizkostenchecks fanden großen Anklang, erklärte Parteichefin Schwerdtner im Gespräch mit dem Handelsblatt. Besonders überrascht habe sie ein Zuwachs in Bayern von sechs Prozent. „Das können nur die Münchener gewesen sein, die von unserer Kampagne gegen steigende Mieten überzeugt waren“, sagt sie.

Einen großen Anteil des Erfolgs dürfte die starke Präsenz der Parteikolleginnen und -kollegen in den sozialen Medien gehabt haben.„Heidi Reichinnek ist vor allem für junge Wählerinnen und Wähler auf Social Media zur Identifikationsfigur geworden“, sagte  Schwerdtner. Und: „Gregor Gysi ist in kürzester Zeit groß auf Tiktok gewesen.“

Parteivertreter besuchen 600.000 Haushalte

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Die Kampagne der Partei sei aufgegangen, sagte die Linken-Chefin. Parteivertreterinnen und Parteivertreter hatten mehr als 600.000 Haushalte besucht, gleichzeitig warben die alten Parteigrößen Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch in der „Mission Silberlocke“ für Direktmandate.

Ein ebenso entscheidender Moment des Wahlkampfs war Schwerdtner zufolge Reichinneks Bundestagsrede gegen die Zusammenarbeit der Union mit der AfD gewesen. Ihre Worte, in denen sie die politische Ausrichtung der Union anprangerte und die Notwendigkeit eines entschlossenen Widerstands betonte, hatten über die sozialen Medien schließlich ein Millionenpublikum erreicht.

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