Bauindustrie: Der Anstieg der Bauzinsen ist eine Katastrophe für den Wohnungsbau

Es sind dramatische Szenen, von denen Baufinanzierungsvermittler in diesen Tagen berichten. Über Nacht ist bei Kaufinteressenten die mühsam zusammengestellte Baufinanzierung geplatzt, weil die Banken nach der Ankündigung des Schuldenpakets und dem Anstieg der Anleiherenditen die Konditionen für Baufinanzierungen massiv verschärft haben. Für viele Käufer scheint der Traum vom Eigenheim erneut geplatzt zu sein.
So bitter diese Entwicklung für jeden Einzelnen ist, insbesondere für die Wohnungswirtschaft ist dies eine weitere Hiobsbotschaft. Nach einer mehrjährigen Dauerkrise mit zahlreichen Insolvenzen von Projektentwicklern gab es in den letzten Monaten erste Anzeichen einer Erholung.
Der Verfall der Immobilienpreise schien beendet, die Preise schienen sich zu stabilisieren, das Volumen der Baufinanzierungen erholte sich. Projektentwickler, die sich in den letzten Jahren gerade so über Wasser halten konnten, durften hoffen, endlich wieder vernünftig kalkulieren zu können.
Denn viele professionelle Investoren und private Immobilienkäufer spielten auf Zeit. Immobilienpreise und Bauzinsen sollten wieder so weit sinken, dass die Renditekalkulation und die Haushaltsrechnung für die Familie wieder funktionierten. Und dieser Zeitpunkt schien endlich erreicht, 2025 sollte das Jahr des Aufschwungs werden.
Zeit rennt Projektentwicklern davon
Doch diese Hoffnung wird jetzt auf eine harte Probe gestellt. Auch wenn viele Experten eher nicht davon ausgehen, dass die Immobilienkrise mit voller Wucht zurückkehrt, wird es doch vermutlich mehrere Monate dauern, bis wieder eine einigermaßen verlässliche Prognose für die Entwicklung der Bauzinsen und Immobilienpreise möglich ist – und die enttäuschten Immobilienkäufer wieder zurück auf den Markt kommen.
Aber wenn Bauträger eines nicht haben, dann ist es Zeit. Wenn sie eines nicht brauchen, dann eine neue Phase der Unsicherheit.
Schuldenpolitik lässt Bauzinsen drastisch steigen
Wer jetzt noch nicht in die Insolvenz gerutscht ist, konnte seine Projektfinanzierungen aus der Niedrigzinsphase oft durch Laufzeitverlängerungen oder andere Refinanzierungskonstruktionen bis in dieses Jahr retten. Irgendwann ist aber auch die Geduld des letzten Finanziers aufgebraucht – und dieser Zeitpunkt könnte immer näher rücken.
Für den dringend benötigten Bau Hunderttausender neuer Wohnungen bedeutet das nichts Gutes. Schon jetzt sinkt die Zahl der Baugenehmigungen und Fertigstellungen kontinuierlich. Wenn jetzt noch mehr Projektentwickler in die Insolvenz gehen, wird es immer schwieriger, diese Wohnungen irgendwann zu bauen. Die Zeiten auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt werden noch lange hart bleiben.
Erstpublikation: 17.03.2025, 13:25 Uhr.