Luftfahrt: Zum 100. Geburtstag will Lufthansa wieder glänzen
Mit ihr begann bei Lufthansa die Ära der transatlantischen Direktflüge. Ab 1958 ging es mit der „Super Star“ – so der Name des Flugzeugs bei Lufthansa – von Hamburg über Frankfurt und Düsseldorf nach New York. Flugzeit: 17 Stunden. Ticketpreis in der zeitgleich eingeführten exklusiven Senator-Klasse zu heutigen Kursen: rund 11.000 Euro.
Fliegen wird die Legende nicht mehr. Dafür soll das Flugzeug im April 2026 – dann wird Lufthansa 100 Jahre alt – mit historischem Lackkleid das neue Besucher- und Konferenzzentrum zieren, das derzeit neben der Konzernzentrale in Frankfurt entsteht. Der Bau kommt gut voran, ebenso die Restarbeiten an der „Super Star“.
Lufthansa Airlines machte Millionenverlust
Ein anderes Geburtstagsvorhaben ist dagegen noch eine Großbaustelle: die Sanierung der kriselnden Kernmarke Lufthansa, auch Lufthansa Airlines genannt. Die Vorgaben von Konzernchef Carsten Spohr sind eindeutig. Noch in diesem Jahr soll der Namensgeber der Gruppe wieder aus der Verlustzone kommen.
Lufthansa sei eine Ikone, sagte Jens Ritter am vergangenen Mittwoch bei einer Pressekonferenz am Flughafen München. „Wir sind auf dem Weg, wieder Europas Premium-Airline Nummer eins zu werden, wollen dabei aber auch profitabel sein“, erklärte der Chef der Kernmarke: „Leider sind wir noch nicht da, wo wir hinwollen.“
Im vergangenen Jahr flog Lufthansa Airlines einen bereinigten Betriebsverlust von 94 Millionen Euro ein. Ein Jahr zuvor war es noch ein Plus von 854 Millionen Euro. Altes Fluggerät, weil die neuen Jets zu spät geliefert werden, Flugausfälle und Verspätungen, unzufriedene Kunden, teure Umwege um Russland wegen des Ukrainekriegs und hohe interne Kosten – das Debakel hat viele Ursachen, auch interne.
Das sogenannte „Turnaround-Programm“ soll die Kehrtwende bringen – rechtzeitig zum Jubiläum. Ritter und sein Team setzen dabei auf zwei zentrale Maßnahmen: die Kosten müssen runter und die Erlöse rauf. Ein heikler Spagat, das zeigte sich am Mittwoch in München.
Ritter und sein Kollege Heiko Reitz, der sich im Vorstand der Kernmarke um die Kundenthemen kümmert, können ihren Stolz nicht verbergen. Draußen auf dem Vorfeld steht ein Airbus A350 mit der neuen Allegris-Kabine. First-Class-Suiten mit viel Privatsphäre, speziell konfigurierte Sitze in der Business-Class, eine modernisierte Premium-Economy und Economy-Klasse – fünf Jahre später als geplant ist Allegris nun da. „Wir haben Jahre auf unser neues Topprodukt gewartet“, sagte Ritter: „Es ist für uns eine aufregende Zeit.“
„Allegris ist mehr als nur der Sitz“, ergänzte Reitz. Lufthansa modernisiere das ganze Drumherum: das Catering, die Lounges und die App. Einen Vorgeschmack auf die neuen Lounges als komfortable Wartebereiche finden die Fluggäste in Newark (USA) und London-Heathrow. 30 weitere Lounges würden überholt, kündigte Reitz an.
Damit nicht genug: Rechtzeitig zur Geburtstagsfeier soll ein komplett überarbeitetes Servicekonzept auf der Langstrecke starten – Projektname „Future Onboard Experience“. Vom Geschirr über die Snacks und die Kissen bis hin zur Bordunterhaltung – alles werde angefasst, sagte Reitz.
Das Ziel: Neben den Privatreisenden sollen auch wieder mehr Geschäftskunden Gefallen an der Marke mit dem Kranich im Logo finden – und die Erlöse steigern. Ob das aufwendige Gestühl und das neue Konzept unter dem Strich für mehr Geld in der Kasse sorgen werden, ist offen. Für eine Aussage sei es noch zu früh, sagte Ritter in München: „Aber wir sehen schon erste positive Effekte bei den Buchungen.“
Mehr Premium ist bitter nötig. 2023 sackte der sogenannte Net Promotor Score (NPS) von 33 auf 27 ab. Er drückt aus, wie stark die Kundinnen und Kunden ein Produkt weiterempfehlen. Wie es aktuell um den NPS steht, ist nicht bekannt. Er soll sich verbessert haben, aber konkrete Werte nennt das Management im Geschäftsbericht für das Jahr 2024 nicht mehr.
Doch der Vergütungsbericht liefert Hinweise, dass der NPS nach wie vor nicht da ist, wo er sein soll. An ihm hängt ein Teil der variablen Bezahlung. Im vergangenen Jahr erreichte das Management bei den Zielen „Kundenzufriedenheit“ nur zehn statt der avisierten 100 Prozent.
Ungeachtet all dieser Vorhaben gibt es ehrgeizige Kostenziele: Bis 2026 soll sich das Bruttoergebnis um 1,5 Milliarden Euro und bis 2028 sogar um 2,5 Milliarden Euro verbessern. Acht Prozent Marge bezogen auf das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) bleibe das Ziel, bekräftigte Ritter am Mittwoch.
Flotte soll auf 130 Flugzeuge schrumpfen
Dazu will der Manager die Zubringerverkehre an den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München weg von der Kernmarke und dem Ableger Lufthansa Cityline hin zur neuen Lufthansa City Airlines verlagern. Die fliegt günstiger. „Die Kosten auf unserer Kurzstrecke sind zu hoch. Das zieht unsere schönen Erfolge auf der Langstrecke herunter“, begründete Ritter diesen Schritt.
Ganz ohne die Kurzstrecke geht es nicht. Um die Langstreckenflugzeuge auszulasten, braucht es Zubringer. Anders als etwa in London gibt es im Umfeld von Frankfurt und München nicht ausreichend Passagiere, um die großen Flugzeugröhren zu füllen.
Konkret soll die Flotte von Lufthansa Airlines von 150 auf 130 Flugzeuge schrumpfen. Für die Nachfragespitzen im Sommer will das Management Fluggerät und Crews bei Partnern wie Air Baltic mieten (Wet Lease) – mit Folgen für die Cockpitbesatzungen. Neue Kapitäne werden bei Lufthansa Airlines aktuell nicht mehr eingestellt. Auch sollen die Crews einen Beitrag zum „Turnaround-Programm“ leisten.
Das sind Themen, die hohes Streikpotenzial haben. Die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) ist alarmiert. Sie hat neben Ritter auch Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann, Fabian Schmidt, Geschäftsführer von Cityline und Frank Bauer, Vorstand von Lufthansa Cargo AG, für den 31. März zu einem „Spitzengespräch“ eingeladen.
Ziel sei es, Lösungen für die aktuellen tariflichen Herausforderungen bei der Lufthansa zu ermöglichen. „Es muss einen Durchbruch bei den diversen tariflichen Problemen geben, die in der Lufthansa – insbesondere im Kern – existieren“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro.
Man spreche bereits mit den Sozialpartnern, sagte Ritter in München. Und fügte hinzu: „Ich bin froh, dass erkannt wird, dass die Themen grundlegend gelöst werden müssen. Es geht um Perspektiven für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch unsere Kunden.“