Halbleiter: Experten warnen vor neuer Chipkrise
München. Die Weltwirtschaft steht wieder vor einer Chipkrise. Experten warnen vor erneuten Lieferengpässen zum Jahresende. Der Grund: Die Kunden bestellen wieder deutlich mehr, während die Halbleiterhersteller zuletzt kaum Geld für neue Werke ausgegeben haben.
„Im vierten Quartal werden erstmals wieder Chips fehlen“, prognostiziert Tanjeff Schadt, Halbleiterspezialist der Beratungsgesellschaft Strategy&. „Kommendes Jahr wird die Versorgungslücke dann noch größer.“
Treffen wird dies nach Ansicht von Marktbeobachten insbesondere die Autohersteller, aber auch andere für Deutschland wichtige Branchen wie die Medizintechnik oder Rüstung. Diese Industrien sind auf Halbleiter angewiesen. Jedoch haben sie bei deren Herstellung zu lange auf ältere Technologien gesetzt. „In den vergangenen Jahren haben die Hersteller wenig in Kapazitäten für reife Produktionsverfahren investiert. Diese Chips werden nun knapp“, sagt Berater Schadt.
Besonders Autoindustrie wäre wieder betroffen
Die vorige Lieferkrise ist noch nicht lange her: In der Coronapandemie standen weltweit die Bänder der Autoindustrie zum Teil wochenlang still, weil Bauteile fehlten.
Seither haben die Chiphersteller zwar Milliarden für neue Fabriken ausgegeben. Aber das Geld sei hauptsächlich in Werke geflossen, die Hochleistungschips für Rechenzentren und Künstliche Intelligenz produzieren, sagt Noureddine Seddiki, Chef des Elektronikbrokers Sand & Silicon aus Frankfurt. Diese Halbleiter entstehen mit den modernsten Produktionsverfahren insbesondere beim Taiwaner Auftragsfertiger TSMC. Standorte für reife Technologien anderer Halbleiter seien dagegen „sogar veräußert oder stillgelegt“ worden, so der Unternehmer.