Ranking: Das sind die besten Unternehmensberater 2025
Köln. Feierabend? Den kennen einige Unternehmensberater in heißen Phasen nur vom Hörensagen. Doch da gibt es einen neuen Kollegen, der auch noch den ehrgeizigsten Berater übertrumpft: Der Chatbot „Be Voice“ steht 24 Stunden am Tag parat – für den internen Austausch: Im Zwiegespräch mit diesem KI-generierten Avatar holen sich Bearingpoint-Berater Feedback für Ideen oder simulieren den Austausch mit Kunden. „Das künstliche Teammitglied bietet die Möglichkeit, Gedanken und Methoden jederzeit in Echtzeit zu verproben“, sagt Deutschlandchefin Iris Grewe.
Ein kleiner Helfer für eine große Aufgabe: Seit vielen Jahren leben Unternehmensberatungen sehr gut davon, ihre Kunden durch die Digitalisierung zu begleiten. Mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz kommt in vielen Mandaten die nächste Ausbaustufe dazu. Laut einer aktuellen Umfrage des Handelsblatt Research Institute unter etwa 300 Beratungen ist mehr als die Hälfte der Befragten davon überzeugt, dass die Digitalisierung im Laufe der kommenden zwölf Monate besonders gefragt sein wird. Mit etwas Abstand und 37 Prozent Zustimmung folgt das verwandte Thema Cybersecurity.
Der Wettbewerb um Wissen und Methoden wird härter, denn KI wirkt in alle Richtungen. „Gerade die Künstliche Intelligenz wird auch unsere Wertschöpfung verändern“, sagt Henrik Ljungström, der das Deutschland-Geschäft bei Capgemini verantwortet. „Da gilt es, den Kunden und dem Wettbewerb stets mindestens eine Nasenspitze voraus zu sein.“
Bleibt die Digitalisierung also ein Dauerbrenner für die Beraterbilanzen? Oder wird sie unter dem Eindruck günstiger KI-Modelle zur Dauerbaustelle auch für die Consultingbranche? Viele Berater glauben, dass es neue Ansätze brauche, auch was das eigene Geschäftsmodell angeht. Technologie ist dabei ein wichtiger Baustein.
Besseres Wissensmanagement
Alle Beratungen arbeiten intensiv daran, eigene Tools zu entwickeln, um schneller und effizient zu werden. Denn was früher großzügig als Analysephase aufgesetzt und abgerechnet wurde, schaffen heute manche Konzerne und Mittelständler mit moderner Software auch im Alleingang. „Beim Pitch ist man mit Kunden mittlerweile auf einer deutlich anspruchsvolleren Ebene“, beobachtet Michael A. Meyer, der bei Accenture die Strategieberatung im deutschsprachigen Raum führt. „Mit einer reinen Bestandsaufnahme gewinnt man keine Projekte mehr.“
Gerade das Wissensmanagement wird bei vielen Beratungsfirmen umgebaut. Der Trend geht zu kürzeren und aktuellen Beiträgen der eigenen Experten – aufbereitet etwa als Kurzvideo. Bei Accenture soll den Beratern die sogenannte „Re-Invention Console“ helfen, die externe Quellen wie Geschäftsberichte zusammenfasst und interne Quellen dank KI einfacher zugänglich macht. „So können wir über einfaches Prompting auf Wissen zugreifen, das vorher in Datenbanken verschwunden ist, und die Experten im Unternehmen lokalisieren, mit denen wir reden müssen“, sagt Meyer. Bearingpoint-Managerin Grewe spricht vom „Augmented Consulting“, also einer Mischung aus menschlicher und künstlicher Beratungsintelligenz.
Gerade größere Beratungshäuser investieren in eigene technische Kompetenzen. Viele Aufträge sind heute erst beendet, wenn ein Pilotprojekt absolviert wurde oder gar ein neues Produkt oder Tool unternehmensweit eingeführt wurde. Die seit Jahren zu beobachtende Entwicklung hin zu Komplettanbietern setzt mittelständische Beratungshäuser unter Druck. „Manche Unternehmensberatungen fokussieren sehr stark auf einen Beratungsbereich, wie die reine Strategie- oder Prozessberatung, und können damit nicht mehr die gesamte Projektwertschöpfungskette alleine bedienen“, sagt Grewe, die seit Jahresbeginn auch ehrenamtliche Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) ist.
In einer Umfrage des BDU aus diesem Frühjahr stimmen 84 Prozent der Befragten der These zu, dass die Konsolidierung in der Branche zunehmen wird. „Übernahmen hochspezialisierter Beratungshäuser werden zunehmend als strategisches Mittel genutzt, um Expertise in Zukunftsthemen wie KI, Big Data und Nachhaltigkeit aufzubauen“, heißt es in der Studie.
Die großen Consultingfirmen stehen vor der Herausforderung, sich angesichts der vielen Themen und Technologien nicht zu verzetteln. Die grundsätzliche Spannbreite der Mandate reicht von kleinen KI-Pilotprojekten bis zu grundlegenden Transformationen von Geschäftsmodellen. So gilt es, stets eine gute Mischung aus Strategen, Programmierern, Designern, Datenexperten und KI-Experten zu beschäftigen und auszulasten.
Quelle: HRI
Das ist leichter gesagt als getan. „Vor dem Hintergrund, dass wir alle mehr bei dem Thema machen müssen, steigt die Komplexität“, sagt Meyer. Accenture gab jüngst bekannt, den globalen Beratungskonzern ab September im großen Stil umbauen zu wollen: Alle digitalen Lösungen und Beratungsangebote, die bislang als eigenständige Sparten aufgetreten sind, werden ab dann unter dem Schlagwort „Re-Invention Services“ vermarktet.
Neben solchen internen Umstrukturierungen knüpfen Beratungen auch neue Beziehungen. Capgemni hat weltweit mehr als 20 „Applied Innovation Exchanges“ aufgebaut, eines davon in München. Dort werden Trendthemen und neue Technologien mit Kunden, Tech-Firmen sowie Start-ups erforscht und erprobt. „So verstehen wir besser, wo wir gemeinsam weiter lernen müssen“, sagt Ljungström.
Capgemini und auch Accenture sind zudem Partnerschaften mit dem Chiphersteller Nvidia eingegangen. Ziel ist dabei jeweils, KI-Agenten passgenau auf Kundenbedürfnisse zuschneiden zu können. Bearingpoint arbeitet unter anderem in strategischen Partnerschaften mit Microsoft, SAP oder Salesforce. Sorgen, dass die Tech-Konzerne künftig das Geschäft an den Beratern vorbei machen, haben die Consulting-Vertreter nicht. „Technologie-Anbieter profitieren durchaus von Übersetzern in die Unternehmenswelt. Und für viele Unternehmen ist ein Übersetzer in die Technologiewelt sinnvoll“, sagt Grewe. „Berater können hier sehr gut den Brückenschlag darstellen.“