Kommentar: Putins vergiftetes Angebot im Nahost-Konflikt

Noch immer liegt gegen Kremlchef Wladimir Putin ein internationaler Haftbefehl vor – doch als möglicher Vermittler zwischen Israel und Iran bringt er sich dennoch ins Spiel. Am Wochenende bot sich der russische Präsident als möglicher Verhandler an. US-Präsident Donald Trump zeigte sich offen für den Vorschlag, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte seine Empörung.
Warum aber strebt Putin ausgerechnet in einer so entfernten Region nach einer Aufgabe, die kaum erfolgreich zu lösen scheint?
Die Antwort ist nicht der Wunsch nach Frieden, sondern der nach Einfluss. Der Nahe und Mittlere Osten sind aus mehreren Gründen strategisch bedeutend für den Kreml. Eine zentrale Rolle bei Verhandlungen würde es Russland ermöglichen, die kommenden Entwicklungen nach eigenen Interessen mitzugestalten.
Bei einer direkten Beteiligung an Gesprächen würde Putin daher nicht in erster Linie versuchen, möglichst schnell eine Friedenslösung zwischen beiden Parteien herbeizuführen, sondern sich selbst den größtmöglichen Vorteil zu sichern.
Ein Schlüsselfaktor ist dabei der Ölpreis. Zieht sich der Konflikt zwischen Iran und Israel hin und trifft Israels Militär weitere iranische Energieinfrastruktur, dürfte der Ölpreis weiter steigen. Das käme Putins Kriegskasse zugute, denn zuletzt musste der Kreml wegen des niedrigen Ölpreises die eigene Haushaltsplanung mehrfach nach unten anpassen.