Ruhestand: Mit diesem Plan könnte mehr Geld für Ihre Rente bleiben
München. Wie lässt sich das Rentensystem zukunftssicher machen – mit mehr Steuergeld, höheren Beiträgen oder mehr privater oder betrieblicher Vorsorge? Der Wirtschaftsweise Martin Werding ist überzeugt, dass viele Menschen im Ruhestand über deutlich mehr Geld verfügen könnten.
Er schlägt dafür einen überraschenden Weg vor: Er empfiehlt, die Rentenbeiträge für Beschäftigte zu reduzieren und dafür die private und betriebliche Altersvorsorge intensiver zu nutzen. Gleichzeitig solle der Staat die Steuerzuschüsse zur gesetzlichen Rente reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt der Bochumer Professor für Sozialpolitik in einer Studie für das Investmenthaus Fidelity International, die dem Handelsblatt vorliegt.
Im Zentrum der Untersuchung steht die von der Regierungskoalition aus Union und SPD vereinbarte sogenannte Haltelinie. Sie soll garantieren, dass eine Person, die durchschnittlich verdient und 45 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, im Alter immer mindestens 48 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Einzahler bekommt – nach Abzug der jeweils fälligen Sozialbeiträge, aber vor Steuern.
Je nach Verdienst und je nachdem, wie lange eingezahlt wurde, kann diese Rente auch prozentual höher oder deutlich niedriger ausfallen. Um dieses Niveau zu halten, plant die Bundesregierung in den kommenden Jahren jährlich weitere Zuschüsse in die gesetzliche Rentenversicherung in zweistelliger Milliardenhöhe.
Wenn die Regierung diesen Kurs wegen knapper Kassen nicht durchhält, muss sie die Beitragssätze für das Rentensystem anheben. „Dies würde die aktiv Versicherten, also alle, die heute und morgen einzahlen, stark belasten“, sagt Werding. Wie Milliarden für die Halteline besser angelegt werden könnten, zeigt der Wirtschaftsweise anhand von drei Rechenbeispielen.