Lüneburger Heide: Marken glänzen, wo es niemand erwartet
Düsseldorf. Sie kann harsch wirken wie das englische Dartmoor, berückend wie die Toskana und ist mithin wunderschön. Zwar hat die Lüneburger Heide in der Touristik weder den Ruf des einen noch des anderen, aber etwas, was beide nicht haben: einen Brand Award. Den German Brand Award verliehen von der Jury vom Rat für Formgebung.
Die Lüneburger Heide, eine kräftig violett leuchtende große Heidelandschaft, wird im Nordosten von der Elbe begrenzt, im Südwesten von der Aller.
Weite Teile Norddeutschlands waren bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Pflanzen des Vegetationstyps Zwergstrauchheide bedeckt. Nun ist es im Wesentlichen nur noch die Gemarkung zwischen Hamburg und Celle. Sie ist touristischer Anziehungspunkt und durchzogen mit Wanderpfaden.
Das wiederum reicht für die Auszeichnung Gold beim German Brand Award. Zu mehr noch. Die Lüneburger Heide und insbesondere deren Netz von Wanderwegen „Auf Glückspfaden“ lehrt, dass Gewinne dort zu holen sind, wo keiner damit rechnet.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache, bislang selten in Erscheinung getreten als glühende Empfehlerin von Reisezielen, verlieh bereits 2024 der Lüneburger Heide einen Award. Und auch das waren nicht die ersten und einzigen. Fünf Auszeichnungen holten sich die Macher des Kampagnenfilms „Erinner Dich! Die Reise in das LilaLand“ inzwischen dafür ab.
Die Lüneburger Heide wird bewohnt von den putzigen, genügsamen (und durchaus schmackhaften) Heidschnucken, die zu den Nordischen Kurzschwanzschafen zählen, sich wenig aus Wandersleuten machen und mithin für einen auszeichnungswürdigen Wanderpfad die Kulisse bilden, wenn die Heide dann irgendwann mal verblüht und der lila Traum zu Ende geträumt ist.
Für die Touristiker der Heide-, Geest- und Waldlandschaft Niedersachsens ist die Reduktion, die Abwesenheit von Spektakel und Tohuwabohu der beste Grund, um ausgezeichnet und besucht zu werden. Aus dem Fehlen einen Gewinn machen ist die Leistung, die es hier zu beobachten gilt. Sie ist ein Beispiel, das einem Wege zeigt, die eigenen Unzulänglichkeiten selbstbewusst zu vermarkten.
„In einer Zeit, in der Burn-out, Stress und Überforderung die Lebensqualität vieler Menschen beeinträchtigen, bieten die Glückspfade eine dringend benötigte Antwort: Erholung durch die Kraft der Natur“, sagt Babette Suhr. Suhr trägt einen Titel, der überrascht für eine Chefin einer Landschaft, die aus der Überweidung seit der Jungsteinzeit hervorgegangenen ist: Leiterin Netzwerkmanagement und -kommunikation bei der LHG.
Natürlich, Awards gibt es in Deutschland so viele, dass niemand genau weiß, wie viele, allein 23 für Nachhaltigkeit zählt diese Liste auf. Allein sich aufzuraffen, anzumelden, das erfordert Mut, auch wenn es auf den ersten Blick scheint, man habe keine Chance. Die Lüneburger Heide zeigt – sie ist immer da.