Ukraine: Krieg der Innovationen
Kiew. Zuerst der Rumpf, das Heck, die Flügel: Keine fünf Minuten braucht der junge Mann, um den hellgrauen Flugkörper zusammenzusetzen – in neun Schritten, ganz ohne Werkzeug. Ein leises „Klick“, als die Flügelspitzen einrasten. Sobald auch die Bodenausrüstung angeschlossen ist, kann die Aufklärungsdrohne abheben. Theoretisch.
Doch die Drohne, die aussieht wie ein zu groß geratenes Spielzeugflugzeug, steht noch auf dem kalten Boden eines fensterlosen Raums irgendwo in der Ukraine. Wo genau, darf nicht bekannt werden – zu groß ist die Gefahr eines gezielten russischen Luftschlags.
Die Drohnenindustrie ist die vielleicht wichtigste Stütze der ukrainischen Verteidigung. Mit Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit hilft sie der Armee seit über dreieinhalb Jahren, der Übermacht Russlands standzuhalten. Und beeindruckt damit weltweit.
Nun aber verschärft sich die Lage von Tag zu Tag. Russland baut seine Drohnenproduktion mit Hilfe von China, Nordkorea und dem Iran massiv aus. Mit heftigen Angriffen trifft es immer mehr Zivilisten und könnte bald allein bis zu 1000 Einwegdrohnen vom Modell Shahed pro Nacht auf die Ukraine abfeuern.