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Künstliche IntelligenzStuttgart soll als Inkubator für EU-Gigafactory dienen

EU-Kommissionsvizepräsidentin Virkkunen besuchte am Montag das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS). Dort präsentierten die Schwarz-Gruppe und das Rechenzentrum ihre Gigafactory-Pläne.Luisa Bomke 07.07.2025 - 23:37 Uhr Artikel anhören
Besuch von Henna Virkkunen (3. v. l.) in Stuttgart: Die Vertreter des HLRS und von Seedbox AI werben für den Standort. Foto: EC - Audiovisual Service

Stuttgart. Im Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) hat sich am Montag das „AI Länd“ versammelt – so nennt Baden-Württemberg seine gemeinsamen KI-Bemühungen. Anlass war der Besuch von EU-Vizekommissionspräsidentin Henna Virkkunen. Ihr Aufenthalt in Stuttgart war einer von 13 Stopps auf ihrer Tour zu den sogenannten AI Factories, die im Rahmen des europäischen KI-Aktionsplans entstehen.

Die Initiative soll Start-ups, Unternehmen und Forschungseinrichtungen besser mit Rechenkapazität, Daten und Talenten versorgen. Für die baden-württembergische Hauptstadt kam der Besuch zur rechten Zeit: Die Schwarz-Gruppe koordiniert eine Interessensbekundung für eine europäische Gigafactory – als Partner ist das HLRS an dieser Bewerbung beteiligt.

Die Stuttgarter AI Factory wurde unter dem Namen HammerHAI bereits im April eröffnet und zählt zu den ersten beiden deutschen Standorten im Rahmen des EU-Programms. Sie richtet sich an Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die KI-Modelle trainieren, testen und skalieren wollen. Im Zentrum steht eine cloudähnliche Infrastruktur, ergänzt durch begleitende Services wie vortrainierte Modelle, Datensätze und technische Beratung.

Laut HLRS-Direktor Bastian Koller greifen bereits über 70 Industriekunden auf die Infrastruktur zurück. Weitere 30 Unternehmen hätten sich seit Bekanntgabe des Projekts neu gemeldet. „HammerHAI kann als Inkubator dienen, bevor eine deutsche oder europäische Gigafactory aufgebaut ist“, sagt Koller. Ziel sei es, Nutzern frühzeitig den Umgang mit großen Systemen zu ermöglichen.

Cloud der Hyperscaler wäre „einfacher“, aber „langfristig der falsche Weg“

Wie dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, zeigt das Beispiel des Stuttgarter Start-ups Seedbox AI. Das Unternehmen nutzt die Rechenleistung des HLRS für das Training und die Bereitstellung eigener Sprachmodelle. Grundlage sind häufig Open-Source-Modelle, die angepasst und lokal bereitgestellt werden. Bei dem Besuch von Virkkunen hat Seedbox in einer Demo vorgestellt, wie sich die Rechenkapazitäten einfach und schnell abrufen lassen.

„Natürlich wäre es einfacher, Cloud-Angebote von Amazon oder OpenAI zu verwenden. Aber langfristig ist das der falsche Weg“, sagt Seedbox-Co-Gründer Dennis Dickmann. Entscheidend sei eine vertrauenswürdige, datenschutzkonforme Infrastruktur.

Henna Virkkunen: Das HLRS zeigte der Kommissionsvizepräsidentin anhand praktischer Beispiele, wie die Rechenkapazitäten genutzt werden. Foto: EC - Audiovisual Service

Auch CEO und Co-Gründer Kai Kölsch unterstreicht die Bedeutung des Standorts: „Die AI Factory ist für uns ein echter Gamechanger.“ Sie biete eine leistungsfähige Alternative zu US-Clouds. Nur in einem geschützten Raum ließen sich „sensible oder domänenspezifische Daten sinnvoll einsetzen und zu skalierbaren Produkten weiterentwickeln“, sagt Kölsch.

Auf die Frage der Vizepräsidentin, was die größten Hürden für Start-ups wie Seedbox bei der Skalierung seien, nennt Dickmann vor allem Kapital und Fachkräfte. Für das Onboarding von Talenten beschäftige das 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassende Unternehmen schon heute spezialisierte Kräfte. Ungewöhnlich für ein Start-up dieser Größe.

Schwarz-Konsortium soll die Unterstützung von mehr als 100 Partnern haben

Der Besuch der EU-Vertreterin wurde von den Projektbeteiligten genutzt, um die eigene Bewerbung für eine von fünf geplanten AI Gigafactories in Europa zu unterstreichen. Das Vorhaben der Schwarz-Gruppe wird laut mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen von rund 110 Partnern aus Industrie, Forschung und öffentlicher Hand unterstützt – viele davon auch aus Baden-Württemberg.

Die EU plant mit der Gigafactory-Initiative den Aufbau einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur mit mindestens 100.000 GPUs je Standort. Aktuell erreicht das größte System in Deutschland, der Supercomputer „Jupiter“ in Jülich, rund 25.000 GPUs. Die Finanzierung soll durch eine Public Private Partnership erfolgen: Bis zu 35 Prozent könnten aus öffentlichen Mitteln kommen.

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Mit Ablauf der Bewerbungsfrist Mitte Juni sind laut Vizepräsidentin Virkkunen 76 Interessensbekundungen aus 16 Mitgliedstaaten eingegangen. Kriterien für die Auswahl sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

Virkkunen sagte während des Besuchs: „Stuttgart spielt eine Schlüsselrolle beim Aufbau eines europäischen KI-Ökosystems. Die AI Factories sind nicht nur technologische Plattformen, sondern auch Treiber für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.“ Ob der Standort den Zuschlag für eine der europäischen Gigafactories erhält, bleibt vorerst offen.

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Neben dem HLRS und der Schwarz-Gruppe nutzten auch andere Akteure aus der Region den Besuch für ein gemeinsames Auftreten, darunter das Cyber Valley, der Innovationspark Künstliche Intelligenz Heilbronn (IPAI) sowie das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg in Person von Staatsminister Arne Braun.

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