Landesbanken: Helaba könnte mit Aareal-Deal Abstand zur Konkurrenz verringern
Frankfurt, München. Es wäre ein Deal, mit dem die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) den Abstand zu ihren beiden größten Konkurrenten im öffentlich-rechtlichen Sektor schlagartig verringern würde: Das Geldhaus prüft eine Übernahme der Wiesbadener Immobilienbank Aareal, wie das Handelsblatt am Montag exklusiv berichtet hatte.
Die Gespräche befinden sich noch in einem frühen Stadium; ob der Deal am Ende zustande kommt, ist offen. Dennoch kommt mit dem Vorstoß Bewegung in die Konsolidierung der zersplitterten Bankenlandschaft in Deutschland.
Im März hat bereits die französische Gruppe Crédit Mutuel die Oldenburgische Landesbank (OLB) übernommen und wird diese perspektivisch vermutlich mit ihrer deutschen Tochter Targobank zusammenlegen. Die niederländische Bank ABN Amro sicherte sich die aus mehreren Fusionen entstandene Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe.
Für Helaba-Chef Thomas Groß wäre die Aareal-Übernahme aus mehreren Gründen attraktiv.
Die Bilanzsumme würde im besten Fall um etwa 25 Prozent steigen, auf rund 250 Milliarden Euro. Die Lücke zur BayernLB mit einer Bilanzsumme von zuletzt 267 Milliarden Euro wäre damit fast geschlossen. Auch gegenüber der mit einer Bilanzsumme von 356 Milliarden Euro größten Landesbank LBBW könnte die Helaba aufholen.
Alle drei Landesbanken hätten zudem ein ähnliches Gewicht bei Immobilienfinanzierungen. Mit einer Übernahme der Aareal Bank könnte die Helaba ihr Immobilien-Engagement auf bis zu 67 Milliarden Euro verdoppeln. Die BayernLB kommt zusammen mit ihrer Direktbanktochter DKB auf 66 Milliarden Euro. Die LBBW hatte ihr Engagement bereits 2022 mit der Übernahme der Berlin Hyp auf rund 70 Milliarden Euro ausgeweitet.
Angesprochen auf den potenziellen Deal zwischen Helaba und Aareal sagte BayernLB-Chef Stephan Winkelmeier: „Ich finde, das passt eigentlich ganz gut. Dann sind wir mehr oder weniger gleich.“ Die BayernLB selbst sehe keinen Bedarf, im Immobilienbereich zuzukaufen. „Im Moment fühlen wir uns da gut aufgestellt.“
Größenvorteile sprechen für eine Übernahme
Aus Sicht von Bankern sprechen vor allem Größenvorteile für die Transaktion. Die Helaba sei ebenso wie die Aareal Bank in der gewerblichen Immobilienfinanzierung aktiv und könne in diesem Geschäft auf Skaleneffekte hoffen, wenn man sich vergrößere. Das Kreditportfolio der Aareal Bank gelte zudem grundsätzlich als sehr solide.
Ein Insider verweist zudem darauf, dass CEO Groß den Hessen eine bessere Ausgangssituation verschaffe, sollten Fusionen unter den Landesbanken nochmal akut werden. „Wenn sie die Aareal Bank bekommt, dann bringt sie mehr Gewicht auf die Waage, wenn es zu einer Konsolidierung im Landesbankensektor kommt“, sagt der Insider.
Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin. Die vom früheren Sparkassenpräsidenten Helmut Schleweis favorisierte Super-Landesbank ist bislang am Widerstand aus der Sparkassenorganisation und vonseiten der Politik gescheitert. An den Landesbanken sind neben den Sparkassen auch die jeweiligen Bundesländer beteiligt.
Schleweis‘ Nachfolger als Chef des Verbandes DSGV, Ulrich Reuter, hat zwar durchblicken lassen, dass er eine Konsolidierung unter den Landesbanken ebenfalls sinnvoll fände. Da es dafür aktuell keine Unterstützung gibt, forderte er nach seinem Amtsantritt Anfang 2024 jedoch, Optimierungen „zunächst in den heutigen Strukturen zu suchen, ohne Strukturveränderungen für die Zukunft auszuschließen“.
Aktuell gebe es beim Thema Landesbankenkonsolidierung keinerlei Bewegungen, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Da es allen Landesbanken vergleichsweise gut gehe, sehe die Politik keinerlei Handlungsbedarf. Dabei wäre es eigentlich besser, solche Fusionen aus einer Position der relativen Stärke anzugehen und nicht erst, wenn eine Bank Probleme bekomme, moniert ein Kritiker.
Helaba propagiert Konsolidierung des Landesbankensektors
Die Helaba ist die Landesbank, die sich immer am deutlichsten für eine Konsolidierung des Sektors ausgesprochen hat. In den vergangenen Jahren waren eine Übernahme der NordLB sowie eine Fusion mit der Deka jedoch bereits im Ansatz gescheitert.
Die Helaba und die Deka hatten 2021 auch Gebote zur Übernahme des öffentlich-rechtlichen Immobilienfinanzierers Berlin Hyp abgegeben. Am Ende setzte sich in dem Bietergefecht aber die Stuttgarter LBBW durch.
Helaba-Chef Groß hatte zudem auf der Bilanzpressekonferenz Ende März betont, die Bank sei offen für Zukäufe. „Sie können davon ausgehen, dass wir bei diesem Thema sehr aktiv sein werden.“
Andererseits hatte Groß jedoch erklärt, das Volumen an Immobilienfinanzierungen von rund 34 Milliarden in Richtung 30 Milliarden Euro reduzieren zu wollen. Die Übernahme der Aareal Bank liefe dem Ziel entgegen, das Engagement im Immobilienbereich zu reduzieren.
Branchenexperten verweisen auf mögliche Synergien der Transaktion. „Das Geschäft der Aareal Bank würde sofort profitabler, weil sie sich dann günstiger am Kapitalmarkt refinanzieren könnte“, sagt ein erfahrener Banker, der beide Häuser gut kennt. Auch die gemeinsame Nutzung von IT-Infrastruktur berge Einsparungspotenzial.
Auslandsengagement gilt als Risiko
Doch es bleiben Risiken. So warnte die Beratungsgesellschaft Bearing Point kürzlich davor, dass die Zahl ausfallgefährdeter Kredite steigt. Grund seien unter anderem „massiven Wertverluste und steigende Kreditausfälle im gewerblichen Immobiliensektor“.
Auch hat die Aareal Bank ein großes Portfolio amerikanischer Büroimmobilienfinanzierungen. „Davon ist bereits viel mit Risikovorsorge hinterlegt, aber Amerika bleibt ein schwieriger Markt“, heißt es in Finanzkreisen. „Die Helaba muss sich überlegen, ob sie das will.“
Die Aareal Bank war im Zuge der Krise am Gewerbeimmobilienmarkt in den USA 2022 stark unter Druck geraten. Doch die Bank konnte im abgelaufenen Jahr ihre Risikovorsorge für faule Immobilienkredite um 22 Prozent drücken, auf knapp 400 Millionen Euro. Die Bank hat für das laufende Jahr ein stark wachsendes Betriebsergebnis zwischen 375 bis 425 Millionen Euro ausgegeben.
Dennoch sei die Zustimmung der Sparkassen zu einem möglichen Deal alles andere als gewiss, sagt ein zweiter Insider: „Es muss sich noch herausstellen, ob die Sparkassen davon begeistert sind, eine Immobilienbank zu kaufen, die vor allem im Ausland aktiv ist.“