Ranking: Das sind die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen für Akademiker
Köln. Thomas Berger, heute 52 Jahre alt, arbeitete viele Jahre als kaufmännischer Leiter und Prokurist in leitender Funktion. Sein Berufsleben verlief geordnet – bis er 2014 aus gesundheitlichen Gründen abrupt aussteigen musste. Die Diagnose: chronisches Erschöpfungssyndrom, eine Erkrankung mit bis heute ungeklärter Ursache. „Ich war sportlich sehr aktiv. Dann war plötzlich alle Energie weg. An Arbeit war nicht mehr zu denken“, erinnert sich Berger.
Sein Glück im Unglück: Er hatte lange vor der Krankheit eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen. Diese Police sichert ihm heute einen erheblichen Teil seines Lebensunterhalts. „Natürlich mussten wir finanzielle Einbußen hinnehmen, aber wir können unseren Alltag gut bestreiten. Und ich habe viel mehr Zeit mit meinen Kindern – das ist ein Geschenk.“
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung springt immer dann ein, wenn der Versicherte seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent dauerhaft nicht mehr ausüben kann – unabhängig von der Ursache.
Wie leistungsfähig diese Policen sind, hat die Ratingagentur Franke und Bornberg für das Handelsblatt untersucht.
In den Musterfällen ging es um drei fiktive Personen: einen 30-jährigen Akademiker, einen kaufmännischen Angestellten und einen Handwerker. Für jeden Beruf wurde ermittelt, wie hoch die monatliche Prämie für eine BU-Rente von 1500 Euro ausfällt.
Die Unterschiede sind deutlich: Im günstigsten „Sehr gut“-Tarif zahlt der Akademiker 34,93 Euro pro Monat, der Angestellte 52,29 Euro und der Handwerker 113,02 Euro.
Psychische Erkrankungen sind häufigste Ursache
„Der Preiskampf und eine immer feinere Tarifkalkulation führen zu niedrigen Prämien für vermeintlich risikoarme Berufe, während körperlich Tätige inzwischen kaum noch bezahlbaren Schutz finden“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur.
Allein im Akademiker-Musterfall wurden 18 Tarife mit der Bestnote „sehr gut“ ausgezeichnet, die monatlich zwischen 34,93 Euro und 57,72 Euro kosten.
Laut Deutscher Aktuarvereinigung (DAV) scheidet jeder vierte Berufstätige im Laufe seines Lebens dauerhaft aus dem Beruf aus. Psychische Erkrankungen sind mit 35 bis 45 Prozent die häufigste Ursache, gefolgt von Rückenleiden (22 Prozent) und Krebs (16 Prozent). Unfälle verursachen weniger als zehn Prozent aller Fälle. Der Trend zu psychischen Erkrankungen als Hauptursache hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt.
Staatliche Leistung allein reicht nicht aus
„Auf die staatliche Absicherung allein sollten sich Arbeitnehmer nicht verlassen“, warnt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die durchschnittliche Erwerbsunfähigkeitsrente beträgt 972 Euro pro Monat – und nur, wenn die Arbeitsfähigkeit auf unter drei Stunden täglich sinkt.
Wer noch zwischen drei und sechs Stunden arbeiten kann, erhält lediglich die Hälfte. Berufseinsteiger sind häufig gar nicht abgesichert, weil sie erst nach fünf Jahren Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung Anspruch haben.
Wie groß die finanzielle Lücke werden kann, zeigt ein Rechenbeispiel: Wird eine 25-Jährige mit 50.000 Euro Jahreseinkommen berufsunfähig, entgehen ihr bis zur Rente mit 67 rund 1,6 Millionen Euro.
Inflation, mögliche Gehaltssteigerungen oder höhere Ausgaben etwa durch Familie sind dabei nicht berücksichtigt. „Die Berufsunfähigkeit gehört zu den größten finanziellen Risiken überhaupt“, betont Grieble. Dennoch haben von rund 46 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland nur etwa 16,7 Millionen eine Berufsunfähigkeits-Police.
Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, sollte auf eine Nachversicherungsgarantie achten, um die Rente bei steigendem Einkommen oder veränderter Lebenssituation erhöhen zu können. Der HDI-Tarif „SBU EGO Top/Baustein Leistung bei Krankschreibung“ erlaubt Erhöhungen mit oder ohne konkreten Anlass – etwa bei Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf – und erhielt die Bestnote „sehr gut“.
Auch der Tarif „SBU | Baustein Arbeitsunfähigkeit“ der Volkswohl Bund Lebensversicherungen (ebenfalls „sehr gut“) ermöglicht Erhöhungen um bis zu 50 Prozent der aktuellen Monatsrente, maximal auf 6000 Euro, ohne neue Gesundheitsprüfung. „Die Produkte werden immer flexibler und individueller, etwa durch Verzicht auf Umorganisation oder spezielle Zielgruppenlösungen“, sagt Laurine Geißler, Produktmanagerin Biometrie bei Volkswohl Bund.
Je früher der Abschluss erfolgt, desto besser – denn Vorerkrankungen können den Beitrag verteuern oder den Abschluss unmöglich machen. Selbst Zehnjährige können bereits versichert werden. Eine Alternative ist die Kinder-Invaliditätsversicherung, die ab der sechsten Lebenswoche erhältlich ist und später in eine BU-Police umgewandelt werden kann. „Wichtig ist, so früh wie möglich den Fuß in der Tür zu haben“, sagt Grieble.
Künstliche Intelligenz beschleunigt Risikoprüfung
Auch in der BU-Versicherung hält Künstliche Intelligenz (KI) Einzug. „In der Risikoprüfung unterstützt uns die KI bei der Analyse eingehender Voranfragen“, sagt HDI-Vorstand Fabian von Löbbecke.
Sie kann Arztberichte und Fragebögen auswerten, Daten wie Alter, Beruf oder kritische Diagnosen extrahieren und übersichtlich aufbereiten. Das spart bis zu 25 Prozent Zeit und reduziert Fehlerquellen.
Eine gute Beratung ist im Ernstfall entscheidend
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist komplex – eine gute Beratung ist deshalb wichtiger als bei vielen anderen Policen. Das hat auch Thomas Berger erfahren.
Lange wollte er sich seine Krankheit nicht eingestehen. Erst ein Jahr nach den ersten Symptomen stellte er mit Unterstützung seines MLP-Beraters den Leistungsantrag. „Wir hatten gerade ein Haus gebaut, zwei kleine Kinder – ohne die BU-Rente hätten wir es finanziell nicht geschafft.“
Sein Berater übernahm die Kommunikation mit dem Versicherer, strukturierte den Prozess und sorgte dafür, dass alle Unterlagen fristgerecht eingereicht wurden. „Er hat mir Sicherheit gegeben – gerade in einer Phase, in der ich selbst kaum Kraft hatte.“ Bergers Gesundheitszustand hat sich zwar nicht verbessert, doch dank der Berufsunfähigkeitsrente kommt er über die Runden.