Autokonzern: Toyota kassiert wegen US-Zöllen Jahresprognose
Tokio. Der weltgrößte Autohersteller Toyota erwartet schwere Gewinneinbußen durch die US-Autozölle. Am Donnerstag revidierte der japanische Vorzeigekonzern seine Jahresprognose für den Betriebsgewinn für das bis Ende März 2026 laufende Bilanzjahr um 16 Prozent auf 3,2 Billionen Yen (18,7 Milliarden Euro) nach unten.
Damit sagt der Konzern für 2025 nun 33 Prozent weniger Gewinn als 2024 voraus. Die Gewinnmarge wird demnach von zehn auf 6,6 Prozent sinken. Der Reingewinn soll sogar um 44 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro schrumpfen.
In seiner Quartalsbilanz machte Toyota neben Wechselkursverlusten vor allem den angekündigten 15-prozentigen US-Zoll auf Autos für die schwächere Prognose verantwortlich. Durch diesen Zoll soll der Betriebsgewinn in diesem Jahr um umgerechnet 8,2 Milliarden Euro gedrückt werden.
Die Anleger reagierten nervös auf die Höhe der Revision. Der Aktienkurs sackte gegen den Markttrend um 1,5 Prozent ab. Ohnehin sorgt die Zollpolitik des US-Präsidenten für Unsicherheit auch unter Investoren – etwa darüber, ob es bei dem Ende Juli geschlossenen Zolldeal zwischen den beiden Ländern bleibt.
Japan fürchtet Wortbruch Trumps
Toyota hat seine Prognose darauf aufgebaut, dass US-Präsident Donald Trump die vereinbarte Senkung der Autozölle von 25 auf 15 Prozent bis Ende August umsetzt. Doch bisher hat Trump keine Senkung angekündigt. Japans Chefunterhändler, Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa, fordert daher seit Mittwoch in Washington die US-Regierung auf, ihren Teil des Zolldeals einzuhalten – bisher ohne öffentlich sichtbaren Erfolg.
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Diese Unsicherheit ist ein Problem für die gesamte japanische Autoindustrie, die für ein Drittel der japanischen Exporte in die USA steht. Für viele der Anbieter sind die USA ein wichtiger Markt.
So hatte der Toyota-Rivale Honda diese Woche auf der Grundlage des Zolldeals seine zuvor vorsichtigere Reingewinnprognose für 2025 um 68 Prozent auf 420 Milliarden Yen angehoben. Das wäre allerdings immer noch nur die Hälfte des Vorjahresgewinns. Verzögert sich die Zollsenkung, könnte auch Hondas Bilanz stärker belastet werden als zuletzt vorhergesagt.
Kleine Hersteller, die – im Gegensatz zu den größeren Anbietern Toyota, Honda und Nissan – kaum in Nordamerika produzieren, stehen noch stärker unter Druck. Mazda beispielsweise erwartet in seiner neuen Prognose von dieser Woche, dass der Absatz in diesem Jahr bei den aktuell geplanten Zöllen um zwei Prozent auf 1,2 Millionen Autos sinkt und der Reingewinn um 83 Prozent auf nur noch 20 Milliarden Yen. Ohne Zollsenkungen könnte der Konzern in die Verlustzone geraten.
Toyota setzt weiter auf Expansion
Toyota aber geht mit einer deutlich stärkeren Grundlage in das neue Zollzeitalter als viele seiner Wettbewerber. Der Konzern ist sogar weiter auf Expansionskurs.
Im gerade abgelaufenen ersten Quartal seines Geschäftsjahres konnte das Unternehmen seinen Absatz um 6,1 Prozent auf 2,6 Millionen Fahrzeuge erhöhen. Im wichtigsten Markt Nordamerika stiegen die Verkäufe sogar um 12,7 Prozent auf 794.000 Fahrzeuge. Laut dem US-Wirtschaftsmagazin „Lane-Report“ wurden dabei die niedrigsten Rabatte der Branche gewährt.
Für das Gesamtjahr ist Toyota allerdings vorsichtiger. Der Konzern sagt mit 11,2 Millionen Autos nur wenig mehr Absatz als 2024 voraus.
Am Donnerstag kündigte Toyota indes den Bau einer neuen Fabrik in der Nähe seines Hauptsitzes in Toyota-City auf der Hauptinsel Honshū nahe der Großstadt Nagoya an. Details dazu stehen noch aus. Die Fabrik soll jedoch in den frühen 2030er-Jahren die Produktion aufnehmen.
Als ein weiterer Grund für die bisherige Stärke des Konzerns gilt seine Strategie, sich nicht von nur einem Markt abhängig zu machen. Während der Weltfinanzkrise 2008 stürzte der Konzern innerhalb eines Jahres ab – und schrieb statt Rekordgewinnen hohe Verluste. Der jetzige Verwaltungsratschef Akio Toyoda reagierte darauf mit dem Versprechen, Toyota so flexibel zu machen, dass der Konzern in der nächsten Krise profitabel bleiben werde.
Dazu gehörte die Verringerung der Abhängigkeit vom US-Markt. Seit 2009 ist der Anteil Nordamerikas an den Verkäufen von rund einem Drittel auf rund ein Viertel geschrumpft. China folgt mit rund einem Fünftel, danach kommen Japan und andere Märkte mit jeweils etwa 15 Prozent. Europa und Asien teilen sich das restliche Viertel.
Toyota kann es sich daher leisten, eine Dividende von 95 Yen pro Aktie auszuschütten und seine Investitionen nicht zu reduzieren. Außerdem unterstützt der Konzern einige seiner Zulieferer finanziell dabei, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Bauteile und Zölle zu bewältigen. Dieser Posten ist für dieses Jahr mit 2,9 Milliarden Euro angesetzt.
Der bekannte japanische Autoanalyst Takaki Nakanishi und Gründer des Researchhauses Nakanishi Research Institute fragt allerdings, wie lange sich Toyota das noch leisten kann oder will. In einem Online-Forum der Zeitung „Nikkei“ denkt er darüber nach, ob ein Gewinn von rund 18 Milliarden Euro angesichts der hohen Investitionen in Elektromobilität und autonomes Fahren ausreichend sei. Sein Fazit: „Angesichts der künftigen strukturellen Maßnahmen wäre eine weitere Steigerung der Rentabilität wünschenswert.“