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Morning BriefingInsiderhandel und Planwirtschaft – Trump wird zum Mikromanager

Teresa Stiens 21.08.2025 - 06:09 Uhr Artikel anhören
Morning Briefing

Trumps Anleihekäufe offenbaren einen Interessenskonflikt

21.08.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

US-Präsident Donald Trump wird ein gigantischer Interessenkonflikt vorgeworfen. Aus Unterlagen der US-Behörde für Regierungsethik geht hervor, dass Trump seit Antritt seiner zweiten Amtszeit Anleihen von Unternehmen, Bundesstaaten und Kommunen im Wert von über 100 Millionen Dollar gekauft hat.

Demnach tätigte der Präsident seit dem 21. Januar mehr als 600 Finanzgeschäfte unter anderem für Unternehmensanleihen der Banken Citigroup und Morgan Stanley sowie der Facebook-Mutter Meta und der Telekom-Tochter T-Mobile US. Sektoren also, die von Weichenstellungen seiner Regierung wie der Finanzmarkt-Deregulierung profitieren könnten.

Planwirtschaft made in the USA

Neben dem mutmaßlichen Insiderhandel steigt Trump in den USA auch ins volkswirtschaftliche Mikromanagement ein. Längst macht er nicht mehr nur Deals mit anderen Ländern, sondern auch direkt mit heimischen Unternehmen. Apple-Chef Tim Cook musste im Beisein des Präsidenten versprechen, bestimmte Investitionen in den USA zu tätigen und die Chiphersteller Nvidia und AMD bekommen vom Umsatz abhängige Exportzölle aufgebrummt.

Eine Planwirtschaft ohne Plan nennt das Handelsblatt Finanzreporter Frank Wiebe. Er weist darauf hin, dass auch die Geldpolitik durch das Weiße Haus mittlerweile politisiert werde. Dass Präsident Trump den Fed-Chef Jerome Powell gerne loswerden würde, ist kein Geheimnis.

US-Finanzminister Scott Bessent behauptete öffentlich, die Zinsen der Fed seien „nach allen Berechnungen zu hoch“ – ohne eine einzige Rechnung zu benennen und ohne dass sonst irgendjemand eine derartige Kalkulation ausfindig gemacht hätte.

Die Freiheitsstatue: Das „Streben nach Glück“ wird schwieriger. Foto: dpa

Mein Kollege kommentiert:

Die Beispiele zeigen, dass es mit dieser Freiheit vorbei ist, und zwar noch mehr, als die Schlagzeilen zur Zollpolitik vermuten lassen.

Destinationsabhängige Cash-flow-Steuer

Der US-Ökonom Glenn Hubbard fühlt sich in der neuen Handelswelt etwas verloren. Als konservativer Ökonom fremdelt er mit der neuen kapitalistischen Planwirtschaft von Donald Trump, hat aber auch wenig mit seinen links-liberalen Kritikern gemein. Also muss er sich irgendwie arrangieren. Im Handelsblatt-Interview sagt er:

Es gibt Möglichkeiten, die neue Handelswelt zu akzeptieren – nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber wir können jetzt, da sie da ist, etwas Besseres daraus machen.

„Etwas Besseres“ bedeutet für Hubbard, sich die gleichen Fragen wie der US-Präsident zu stellen, aber andere Antworten zu geben. Um die heimische Wirtschaft zu stärken, schlägt er statt Importzöllen die sogenannte „destinationsabhängige Cash-flow-Steuer“ vor. Ausgaben für den Kauf ausländischer Güter können damit nicht mehr von den Einnahmen abgezogen werden, während Einnahmen aus Exporten nicht mehr besteuert werden.

Glenn Hubbard gibt Ratschläge im Umgang mit US-Präsident Trump. Foto: Columbia Business School, Getty Images

Dies dürfte laut Hubbard denselben Effekt wie Importzölle haben – ohne deren negative Auswirkungen. Ob Donald Trump sich davon überzeugen lässt, ist fraglich. Schließlich hat er mehrfach betont, „Zölle“ sei eines seiner Lieblingswörter. „Destinationsabhängige Cash-flow-Steuer“ klingt dagegen nicht ganz so sexy.

PV-Branche kämpft mit Netzüberlastungen

Im baden-württembergischen Reutlingen sendet Netzbetreiber Fairnetz eine ungewöhnliche Nachricht: Lassen Sie sich gerne neue Photovoltaikanlagen auf das Dach setzen, aber speisen Sie um Himmels willen keinen Strom in die Netze ein. Mitte Juli teilte Fairnetz mit, dass es zwar weiterhin neue Solaranlagen anschließen will, diese aber nur Strom für den eigenen Haushalt liefern dürfen.

Der Grund für diesen ungewöhnlichen Schritt: Das Reutlinger Stromnetz ist in Teilen überlastet. Besonders absurd erscheint, dass Hausbesitzer in Baden-Württemberg seit 2022 bei Neubauten und größeren Dachsanierungen verpflichtet sind, PV-Anlagen zu installieren. Wie vielerorts in Deutschland ist das Stromnetz jedoch bislang nur auf einzelne große Kraftwerke ausgelegt – nicht auf eine Vielzahl kleiner Stromeinspeiser.

Dabei verlangsamt sich der Zubau von Solaranlagen in Deutschland bereits deutlich, wie exklusive Daten des Fraunhofer-ISE-Instituts zeigen. Demnach kam hierzulande zwischen 2020 und 2024 im Schnitt pro Kopf ein Solarmodul hinzu – das entspricht der Leistung von 0,5 Kilowatt. In anderen europäischen Ländern, wie der Schweiz, Griechenland und Ungarn, ging der Ausbau deutlich schneller. Doch das langsame Tempo ist auch einer gewissen Sättigung in Deutschland zuzuschreiben, wie das Beispiel aus Reutlingen zeigt.

Hohe Solarquoten stellen den Rest des Stromsystems vor Herausforderungen. Denn PV-Anlagen produzieren am meisten Strom, wenn die Sonne scheint. Das ist aber nicht unbedingt der Zeitpunkt, zu dem am meisten verbraucht wird. Andere Stromerzeuger wie klassische Kraftwerke können nicht immer schnell genug hoch- und herunterfahren, um die Schwankungen auszugleichen. Eine mögliche Lösung für das Problem: Die Solaranlagen könnten mit Batteriespeichern ausgerüstet werden, um die „Solar-Erzeugungsrampen“ auszugleichen.

Drohende Entlassungen bei Porsches Batterietochter

Diese Ausgabe ist wohl in der Geschichte des Morning Briefings einmalig Reutlingen-lastig. Denn wir bleiben in der neuntgrößten Stadt Baden-Württembergs, wo Porsche bei der Arbeitsagentur eine Massenentlassung angezeigt hat. Der Sportwagenbauer plant offenbar, einen Großteil der Belegschaft bei der Batterietochter Cellforce zu entlassen. Mit den wohl geplanten Einschnitten droht eines der prestigeträchtigsten Zukunftsprojekte des Unternehmens zu scheitern.

Noch vor wenigen Jahren hatte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume die Tochter als „Herzstück“ der Porsche-Elektrostrategie bezeichnet. Eigentlich sollte Cellforce Hochleistungsbatterien für E-Sportwagen herstellen. Doch trotz hoher Investitionen ist es Cellforce nicht gelungen, eine serienreife Zelle zu entwickeln. Das scheint sich jetzt zu rächen.

Münchens Kioske: keine Chips nach 20 Uhr

Zum Abschluss unternehmen wir doch noch einen Ortswechsel und reisen in die bayerische Landeshauptstadt. München hatte kurzzeitig erprobt, was es heißt, eine echte Großstadt zu sein. Eigentlich gilt in Bayern ein striktes Ladenschlussgesetz bis 20 Uhr, einige Kioske verkauften aber auch danach noch Snacks und Getränke. Doch München holte bald die eherne Regel des Ausschanks ein:

Wer Bier sät, wird Urin ernten.

Wegen Wildpinkelns mussten die Kioske erst wieder schließen, jetzt dürfen sie teilweise doch wieder öffnen, wie der Spiegel berichtet. Verboten bleibt allerdings der Verkauf von Chips – vielleicht weil das laute Rascheln und Knuspern die sensiblen Bayern nachts aus dem Schlaf reißt.

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Ich wünsche Ihnen einen geräuschlosen Tag.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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