Volvo-Chef Samuelsson: „Nicht alle westlichen Marken werden überleben“
München. Volvo-Chef Hakan Samuelsson ist im April überraschend an die Spitze des schwedischen Autobauers zurückgekehrt. Der 74-Jährige hatte die Marke schon von 2012 und 2021 geführt und erfolgreich an die Börse gebracht. Für Mehrheitseigner Geely soll er nach enttäuschenden Absatzzahlen, Softwareproblemen und Verzögerungen bei wichtigen Elektromodellen nun die Wende einleiten.
In einem Interview mit der Finanznachrichtenagentur Bloomberg erklärt er, warum er die Elektrostrategie des Konzerns zuletzt umgestellt hat. „Volvo wird stärker sein, wenn wir schnell elektrifizieren“, sagt er.
Allerdings brauche es auf dem Weg dorthin neue Plug-in-Hybride als Brücke, solange Ladeinfrastruktur und Nachfrage noch nicht ausreichen. Das Ziel, ab 2030 nur noch Elektroautos zu verkaufen, könne sich um einige Jahre verschieben.
Samuelsson setzt demnach auf einen klaren Fahrplan: Zunächst will er die Kosten senken, dann Vertrieb und Marketing stärken und anschließend die langfristige Strategie erneuern. Volvo müsse bei Technologien wie dem autonomen Fahren zurück an die Spitze.
Der jüngst verschobene Marktstart des Elektro-SUVs EX90 habe das Unternehmen Millionen gekostet. Wegen hoher Strafzölle auf importierte chinesische Elektroautos hatte Volvo zuletzt die Produktion des kompakten EX30 von China nach Belgien verlagert. „Die Verluste erklären den Absatzrückgang, aber wir haben einen soliden Plan, um wieder zu wachsen“, so Samuelsson.
Chinesische Konkurrenz wächst – Geely-Verbindung als Vorteil
Die wachsende Stärke chinesischer Anbieter wie BYD, Xiaomi oder Zeekr sieht Samuelsson nüchtern: „In China beherrschen sie schon mehr als die Hälfte des Marktes und drängen nun nach Europa.“ Das erhöhe den Druck auf westliche Hersteller. Gleichzeitig sei die Verbindung zu Geely für Volvo ein strategischer Vorteil. Eine engere Verflechtung etwa in Form eines Joint Ventures schließt er jedoch aus: In einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft sei Regionalisierung sinnvoller.
Besonders heikel ist die Lage in den USA. Dort droht Volvo wegen seines chinesischen Mehrheitseigentümers ein Verkaufsverbot. Samuelsson gibt sich gelassen: Volvo sei eine börsennotierte Gesellschaft mit strenger Corporate Governance, Daten würden nicht nach China weitergegeben. Zudem enthalte kein Volvo-Modell chinesische Komponenten. „Diese Fakten müssen wir den Behörden vermitteln – und ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt.“
Branchenprognose: Konsolidierung unvermeidbar
Langfristig sieht Samuelsson die Automobilindustrie unumkehrbar auf dem Weg in die Elektromobilität:
Neben ein bis zwei dominanten US- und europäischen Marken werde es jedoch auch zwei bis drei starke chinesische Konzerne geben, die global eine führende Rolle einnehmen. Für viele traditionelle Hersteller bedeute das eine harte Konsolidierungswelle. „Einige werden sich anpassen, andere werden verschwinden“, warnt der Volvo-Chef.
Samuelsson selbst versteht seine Rückkehr als Interimslösung. Sein Vertrag läuft über zwei Jahre, in dieser Zeit will er interne Nachfolger aufbauen. „Von außen jemanden zu holen, ist immer ein Risiko“, sagt er. Sein eigenes Führungsprinzip fasst er schlicht zusammen: „Wenn nichts anderes hilft, sag die Wahrheit.“