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RüstungsindustrieHensoldt erhöht die Investitionen – Großaufträge erwartet

Der Radarspezialist erwartet in den kommenden Monaten viele Bestellungen aus Deutschland. Dabei hofft der Konzern auch, dass die Bundeswehr ihre Zahlungsweise ändert.Markus Fasse 26.09.2025 - 10:02 Uhr Artikel anhören
Luftraumüberwachung von Hensoldt: Der Bedarf an der Nato-Ostflanke ist nach den jüngsten Vorfällen mit Drohnen hoch. Foto: Hensoldt

Berlin. Der Radar- und Sensorspezialist Hensoldt erwartet in den kommenden Monaten die ersten Großaufträge der Bundeswehr. Es gehe jetzt um Stückzahlen des „10- und 20-Fachen“ früherer Bestellungen, sagte Konzernchef Oliver Dörre am Donnerstagabend in Berlin. Hensoldt werde daher die Kapazitäten erweitern und bis 2027 eine Milliarde Euro investieren. Fast die Hälfte der Summe gehe in Forschung und Entwicklung.

Damit investiert Hensoldt etwas schneller als in den vergangenen Jahren. Bereits zwischen 2021 und 2024 hat der Konzern eine Milliarde in den Aufbau seiner Kapazitäten investiert. Derzeit wächst Hensoldt mit zehn Prozent pro Jahr, ab 2027 soll das jährliche Wachstum 15 Prozent betragen.

Hensoldt liefert Radargeräte, optische Sensoren, Elektronik und Software an die Hersteller von Panzern, Schiffen und Flugzeugen. Nachdem der Bundestag die Haushalte für die Jahre 2025 und 2026 verabschiedet hat, rechnet die Industrie mit Großbestellungen. So sollen mehrere Tausend Radpanzer vom Typ Boxer angeschafft werden, aber auch zusätzliche Aufklärungsfahrzeuge.

Industrie hofft auf Anzahlungen

Hensoldt hofft gemeinsam mit dem Rüstungskonzern General Dynamics auf den Auftrag für rund 250 neue gepanzerte Aufklärer, für die Hensoldt erstmals die komplette Software und Sensorik entwickelt. Hinzu kommen Radare für die Luftaufklärung und Flugabwehr, wie das gemeinsam mit dem Rüstungshersteller Diehl entwickelte Raketensystem Iris-T sowie der Flakpanzer Skyranger von Rheinmetall.

Auch das jetzt bei der Bundeswehr eingeführte Luftüberwachungssystem „Pegasus“ könnte zusätzliche Aufträge bekommen. „Sicherlich geht es auch um weitere Eurofighter“, sagte Dörre mit Blick auf das von Airbus Defence angebotene Kampfflugzeug. Luftaufklärung und Flugabwehr haben für das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato eine besonders hohe Priorität. In den vergangenen Tagen verletzten mutmaßlich russische Drohnen den Luftraum skandinavischer und baltischer Länder.

25,1
Prozent
der Firmenanteile von Hensoldt gehören dem deutschen Bund.

Hensoldt geht davon aus, dass die Bundeswehr anders als früher maximale Stückzahlen bei der Industrie abrufen wird. „Wir hoffen, dass wir auch Anzahlungen bekommen werden“, sagt Dörre mit Blick auf das Bestellverhalten des Bundes. Denn die Industrie müsse mit ihren Investitionen in Vorleistung gehen.

Das gilt besonders für die zahlreichen mittelständischen Zulieferer, die in den kommenden Monaten ihre Kapazitäten hochfahren müssen. Hensoldt selbst baut seine Werke und seine Logistik aus und hat an einigen Standorten Personal von Autozulieferern wie Bosch und Conti übernommen. Insgesamt sei Personal nicht der Flaschenhals, derzeit arbeiteten 9000 Menschen für Hensoldt.

Debatte über Luftkampfsystem FCAS

Auch mit Rohstoffen wie seltenen Erden sei man für einige Zeit versorgt. Für das für Radare wichtige Germanium, dessen Ausfuhr der Hauptproduzent China derzeit beschränkt, existiere ein jahrelanger Vorrat.

Der Austausch zwischen Hensoldt und der Bundesregierung ist eng, der Bund hält mit 25,1 Prozent eine Sperrminorität an dem Unternehmen. Hensoldt ist auch an der Entwicklung von Sensoren und Radaren für FCAS beteiligt, dem mit Frankreich und Spanien geplanten Luftkampfsystem der Zukunft. Doch insbesondere die beiden Flugzeugbauer Dassault und Airbus Defence können ihre Differenzen über die Arbeitsteilung des Kampfjets bislang nicht beilegen.

Es sei schade, wenn politischer Wille nicht zu industrieller Kooperation führe, sagte Dörre. Sollte das Projekt im schlimmsten Fall abgebrochen werden, sei das für Hensoldt aber nicht dramatisch.

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„Wir sind offen, jede Plattform mit unserer Sensorik zu bestücken“, sagte Dörre mit Blick auf Alternativen zu FCAS. Neben Dassault wollen auch BAE Systems und möglicherweise SAAB ein Kampfflugzeug der nächsten Generation in Europa bauen.

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