GSK: Britischer Pharmakonzern bekommt neuen Chef – Aktie steigt
London. Der britische Pharmakonzern GSK bekommt einen neuen Chef. Luke Miels wird am 1. Januar neuer Vorstandschef und löst damit Emma Walmsley ab. Das teilte das Unternehmen am Montag in London mit. Der 50-jährige Miels war 2017 vom Konkurrenten Astra Zeneca zu GSK gekommen und dort zuletzt als Chief Commercial Officer für den weltweiten Absatz von Medikamenten und Impfstoffen verantwortlich.
Der designierte GSK-Chef „verfügt über herausragende globale Erfahrung in der Entwicklung und Vermarktung von Biopharmazeutika sowie über ein tiefgreifendes Verständnis des Unternehmens, seiner Perspektiven und seiner Mitarbeiter“, sagte Jonathan Symonds, Chef des Konzernverwaltungsrats. Miels sei daher bestens geeignet, „die Ziele, die wir uns für GSK gesetzt haben, (...) zu übertreffen und neues Wachstum und neuen Wert für Patienten und Aktionäre zu generieren“.
Nach neun Jahren endet damit die Zeit von Walmsley. Sie sagte: „2026 ist für GSK ein entscheidendes Jahr, um den Kurs für das kommende Jahrzehnt festzulegen, und ich glaube, dass dies der richtige Zeitpunkt für eine neue Führung ist.“ Die Börse in London begrüßte den Führungswechsel im frühen Handel mit einem Kursanstieg für GSK von 3,5 Prozent.
Konkurrent wächst stärker – GSK will aufholen
Der Aktienkurs des Unternehmens ist unter der Führung von Walmsley, eine der wenigen Frauen an der Spitze eines britischen Großunternehmens, um insgesamt fast elf Prozent gefallen. Konkurrent Astra Zeneca, der am Montag eine zusätzliche Notierung seiner Aktie in New York ankündigte, verdoppelte dagegen seinen Marktwert im gleichen Zeitraum auf mehr als 170 Milliarden Pfund (etwa 147 Milliarden Euro) nahezu.
GSK ist heute etwa 62 Milliarden Pfund an der Börse wert und machte jüngst einen Jahresumsatz von etwa 31 Milliarden Pfund. Bis 2031 will das Unternehmen seine Erlöse auf 40 Milliarden Pfund steigern. Zudem will der Konzern in den kommenden fünf Jahren 30 Milliarden Dollar in den USA investieren. Hintergrund ist, dass US-Präsident Donald Trump den Pharmaunternehmen mit hohen Strafzöllen droht, sollten sie ihre Präsenz in den USA nicht verstärken.
Investoren zweifeln nach Meinung von Analysten jedoch an der Produktpipeline des Pharmakonzerns, der im Vergleich zur Konkurrenz noch keine starke Stellung in den stark wachsenden Märkten wie zum Beispiel für Heilmittel gegen Fettleibigkeit aufgebaut hat. GSK hat dagegen bislang unter anderem auf Impfstoffe und Aids-Medikamente gesetzt, deren Patente jedoch demnächst auslaufen.
Miels sei „gut positioniert, um GSK durch den Rest des Jahrzehnts zu führen“, schrieb Sean Conroy, Analyst bei der US-Private-Equity-Gruppe Shore Capital. Die GSK-Aktien würden im Vergleich zu den Papieren anderer Pharmakonzerne mit einem Kursabschlag gehandelt. „Das Unternehmen hat Schwierigkeiten, den Markt davon zu überzeugen, dass es trotz auslaufender Patente weiter wachsen kann.“ Miels arbeitet seit Längerem daran, die Produktpalette von GSK zu erweitern, und konzentriert sich dabei insbesondere auf Krebsheilmittel.