Grüne: Wie Cem Özdemir gegen die eigene Partei eine Wahl gewinnen will
Berlin. Gut 600 Kilometer von der Parteizentrale in Berlin entfernt sind die Schuldigen schnell ausgemacht. „Im Moment sind die Umfragen nicht gerade blendend“, stellt der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer fest. „Aber das ist nicht deine Schuld“, sagt Fischer an seinen Nebenmann gerichtet. „Das liegt an den Bundesgrünen.“
Sein Nebenmann: Cem Özdemir. Die beiden sitzen auf einer Holzbank auf dem Weingut Rux bei Stuttgart. Hier haben sie sich zusammengefunden, um eine neue Biografie über Özdemir vorzustellen, die an diesem Mittwoch erscheint. Allerdings steht vor Özdemir kein Wein-, sondern nur ein Wasserglas. Es ist nicht die Zeit für Weingenuss, Nüchternheit ist angesagt.
Der Ex-Bundeslandwirtschaftsminister, Ex-Grünen-Chef und Ex-Europaparlamentarier steht vor entscheidenden Wochen. Özdemir „wird sein Meisterstück abliefern müssen“, schreibt Fischer im Vorwort der Biografie. Am 8. März bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg soll es ihm gelingen, die Villa Reitzenstein in Stuttgart zu verteidigen und damit als Ministerpräsident im Ländle die Macht der Grünen zu sichern.