Banken: Commerzbank macht im Übernahmekampf mit Unicredit weniger Gewinn
Frankfurt. Die Commerzbank muss im Übernahmekampf mit Unicredit einen Dämpfer hinnehmen. Das Konzernergebnis sank im dritten Quartal um acht Prozent auf 591 Millionen Euro. Damit schnitt Deutschlands zweitgrößte Privatbank deutlich schlechter ab als erwartet. Analysten hatten im Schnitt mit 659 Millionen Euro gerechnet.
Hauptgrund für den Gewinnrückgang war eine höhere Steuerquote, die von 22 auf 36 Prozent anstieg. Aktionäre reagierten enttäuscht. Die Commerzbank-Aktie verlor zeitweise vier Prozent, zum Handelsende notierte sie noch zwei Prozent tiefer.
Das Institut habe „durchwachsene Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt – insbesondere vor dem Hintergrund der zuletzt beeindruckenden Erfolgsbilanz und der gestiegenen Erwartungen“, erklärten die Analysten der Deutschen Bank.
Vorstandschefin Bettina Orlopp widersprach jedoch dem Eindruck, dass der Commerzbank angesichts des anstrengenden Ringens mit der italienischen Großbank Unicredit die Puste ausgehe. „Wir schauen ein bisschen anders auf die Ergebnisse“, sagte sie.
Mit einem operativen Gewinn von 3,4 Milliarden Euro in den neun Monaten 2025 habe das Institut einen neuen Bestwert eingefahren, betonte Orlopp. Das dritte Quartal sei durch einen einmaligen Steuereffekt beeinflusst worden, aber sonst „sehr stark“ gewesen.
Ihre Aktionäre will die Vorstandschefin zudem mit hohen Ausschüttungen bei Laune halten. Schon im September hat das Institut damit begonnen, eigene Papiere im Wert von einer Milliarde Euro zurückzukaufen. Voraussichtlich im ersten Quartal 2026 will die Bank nun einen weiteren Rückkauf in Höhe von bis zu 600 Millionen Euro starten.
Aktienkurs schwächelt seit Jahreshoch im August
Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und kontrolliert inzwischen 29 Prozent der Anteile, wovon drei Prozent auf Finanzinstrumente entfallen. Unicredit-Chef Andrea Orcel würde die Commerzbank am liebsten komplett übernehmen. Orlopp, die Arbeitnehmervertreter und die Bundesregierung, die mit gut zwölf Prozent an der Bank beteiligt ist, lehnen dies jedoch ab.
Eine wesentliche Säule der Verteidigungsstrategie der Commerzbank ist es, den Aktienkurs hochzuhalten beziehungsweise zu steigern, damit sich eine Übernahme für Unicredit nicht rechnet. Orcel hat betont, dass er bei der aktuellen Bewertung kein Übernahmeangebot vorlegen will, weil das für seine eigenen Aktionäre nicht attraktiv wäre.
Die Commerzbank-Aktie hat seit Jahresbeginn 105 Prozent zugelegt, die von Unicredit nur 68 Prozent. Die Differenz ist wichtig, da das Mailänder Geldhaus eine Übernahme vermutlich zu einem großen Teil mit eigenen Aktien bezahlen würde.
Negativ für die Commerzbank ist, dass ihr Kurs in den vergangenen drei Monaten stärker nachgegeben hat als der von Unicredit. Seit ihrem Jahreshoch von 37,89 Euro am 21. August verlor die Commerzbank-Aktie 16 Prozent. Orlopp hält solche Kurskorrekturen für normal.
Wichtig sei, dass der Trend bei den Ergebnissen und bei den Zielpreisen der Analysten nach oben gehe, sagte sie. „Wenn man sich die Bewertungsverhältnisse zwischen der Unicredit und der Commerzbank anschaut, dann fühlen wir uns unverändert ausgesprochen wohl damit, wenn man das vergleicht mit der Situation im September 2024.“
Für Aufregung im Übernahmekampf hatte zuletzt das Bekanntwerden eines Geheimtreffens zwischen Orcel und Ex-Commerzbank-Chef Manfred Knof in dessen Haus am Starnberger See gesorgt. Es fand im September 2024 statt – wenige Tage nach dem Einstieg von Unicredit beim Frankfurter Geldhaus.
Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Commerzbank hätten von dem Treffen erst vor wenigen Wochen erfahren, betonte Orlopp, die Knof im Oktober 2024 als Vorstandschefin abgelöst hatte. Auf Nachfrage ließ sie durchblicken, dass sie Knofs Kommunikation zu dem Thema mehr als unglücklich findet. „Ich war ausgesprochen überrascht“, sagte die Managerin. „Ich belasse es einfach mal dabei.“
Fast acht Milliarden Euro an neuen Einlagen
Im operativen Geschäft baute die Commerzbank ihren Provisionsüberschuss im dritten Quartal um sieben Prozent aus. Dabei handelt es sich um Gebühreneinnahmen, die unabhängig von der Zinsentwicklung sind. Gründe dafür waren das gut laufende Wertpapier- und Konsortialkreditgeschäft sowie eine Preiserhöhung bei Girokonten.
Den Zinsüberschuss konnte das Institut trotz der deutlich gesunkenen Einlagezinsen der Europäischen Zentralbanken nahezu konstant halten. Dazu trug unter anderem das steigende Kreditvolumen bei Firmenkunden bei, das um 13 Prozent anzog.
Der Anstieg sei zu einem großen Teil auf internationales Geschäft zurückzuführen, sagte Finanzchef Carsten Schmitt. Aber auch in Deutschland zeichneten sich erste positive Effekte der Investitionspläne der Bundesregierung in den Bereichen Rüstung und Infrastruktur ab.
„Aktuell sehen wir hier insbesondere Wachstum im Bereich der Kommunaldarlehen“, sagte Schmitt. „Aber auch im klassischen Mittelstand erwarten wir jetzt insbesondere in das nächste Jahr rein eine Steigerung der Nachfrage.“
Investor Deka sieht die Commerzbank „auf Kurs“
Im dritten Quartal baute die Firmenkundensparte ihren Gewinn um 15 Prozent auf 530 Millionen Euro aus und übertraf damit die Analystenschätzungen. Das Privatkundensegment in Deutschland, das dank einer Zinsaktion der Onlinetochter Comdirect fast acht Milliarden an zusätzlichen Einlagen einsammelte, blieb mit 276 Millionen Euro dagegen hinter den Markterwartungen zurück.
Für das Gesamtjahr bekräftigte die Bank ihr Gewinnziel von 2,5 Milliarden Euro. Zwei andere Prognosen hob das Institut leicht an. Der Zinsüberschuss soll nun bei rund 8,2 Milliarden Euro liegen statt bei acht Milliarden Euro. Zudem erwartet das Institut im Gesamtjahr geringere Belastungen durch Kreditausfälle als bisher.
Investor Andreas Thomae vom Sparkassen-Fondsanbieter Deka findet das Zahlenwerk insgesamt überzeugend. „Die Commerzbank ist auf Kurs und hat ihre Prognose für 2025 noch einmal untermauert“, sagte er. „Das unterstreicht den Willen zur Umsetzung einer höheren Profitabilität mit einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent im Jahr 2028.“ Im dritten Quartal belief sich die Rendite gerade mal auf 7,8 Prozent.