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KI-BriefingDas KI-Briefing wird internationaler – mit Blick auf Forschung, Firmen, Folgen

Was bedeutet KI in Peking, San Francisco oder Berlin? Wir starten mit Googles Lernmodell und dem Microsoft-CEO, der über seinen Sohn spricht und darüber, was KI für ihn persönlich bedeutet.Stephan Scheuer 28.11.2025 - 16:15 Uhr Artikel anhören
Stephan Scheuer (v. l.), Lina Knees und Luisa Bomke: Die Gesichter des KI-Briefings. Foto: Michel Becker, Thorsten Firlus

Wenn Sie nur wenig Zeit haben, liebe Leserinnen und Leser,

dann nehmen Sie bitte mit, dass das KI-Briefing künftig etwas anders aussehen wird. Was sich genau ändert und woran wir arbeiten, stelle ich Ihnen hier genauer vor. Denn dazu gab es vergangene Woche viele Nachfragen und Anregungen.

Ein zentrales Element dieser Weiterentwicklung ist der verstärkte internationale Fokus. Ich habe als Journalist ein gewaltiges Privileg: Nach meinem Sinologiestudium durfte ich als einer meiner ersten Jobs als China-Korrespondent für fünf Jahre nach Peking gehen. Danach ging es zurück nach Deutschland in die Handelsblatt-Zentrale.

Ich dachte schon, nach Peking könnte kein neuer Höhepunkt als Reporter mehr kommen. Doch dann durfte ich auch noch als Silicon-Valley-Korrespondent aus San Francisco berichten. Nicht nur das: Ich war vor Ort, als OpenAI ChatGPT veröffentlichte und damit den jüngsten Hype um Künstliche Intelligenz anstieß.

Diesen globalen Blick auf die Zentren der Innovation in den USA und China, aber auch auf Europa werde ich künftig noch stärker in das Briefing einbringen. Forschung, Firmen, Folgen: Ich möchte globale Entwicklungen für Sie einordnen.

Luisa Bomke (l.) und Lina Knees: Die Team-Kolleginnen bauen ihre Schwerpunkte aus. Foto: Marc-Steffen Unger

Und wir wollen Trends so früh wie möglich aufgreifen. Lina Knees ist diejenige bei uns im Team, die sich tief in die aktuellen Forschungsdebatten einschaltet. Diese großartige Fähigkeit soll mehr Raum bekommen.

Deshalb hat sie eine feste Rubrik: „Linas Labor“. Darin nimmt sie Sie jede Woche mit und blickt auf Studien, Modelle und neue KI-Technologien. Sie erklärt neue Konzepte und Begriffe so, dass Sie sie kennen, bevor der nächste Hype beginnt. Diese Woche: Nested Learning.

Außerdem arbeitet Lina künftig enger mit dem Datenteam des Handelsblatts zusammen, um den Wandel durch KI und Innovationen noch stärker in Zahlen und Grafiken sichtbar zu machen.

Meine Kollegin Luisa Bomke wird sich noch stärker führenden Firmen in Europa widmen. Mistral, Black Forest Labs, Parloa, Aleph Alpha, DeepL – als KI-Reporterin berichtet sie über die spannendsten deutschen und europäischen KI-Start-ups. Und diesen Fokus wird sie künftig weiter ausbauen.

Dabei ist sie Journalistin im besten Sinne. Sie lässt sich nicht von Werbephrasen einlullen. Sie hinterfragt und erklärt, was wirklich hinter den Ankündigungen und Innovationen steckt und was diese für deutsche Unternehmen bedeuten.

Ich darf an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten. Aber verfolgen Sie kommende Woche unbedingt genau, was Luisa im Handelsblatt veröffentlicht. Eine wirklich spannende Geschichte ist in Vorbereitung, die wir natürlich auch im Briefing aufgreifen werden.

Und Larissa Holzki, die das Briefing erfunden und geprägt hat, bleibt uns mit einer festen Rubrik erhalten. Sie ist Host des Podcasts Handelsblatt-Disrupt und stellt jede Woche vor, mit welchem Gast sie gesprochen hat und warum diese Person und ihr Handeln das Label „disruptiv“ auch verdienen.

Satya Nadella (l.) im Gespräch mit Felix Holtermann: Diskussion in der Microsoft-Zentrale in Redmond. Foto: Microsoft

Diese Woche möchte ich Sie auf eine ganz besondere Geschichte verweisen. Mein Kollege Felix Holtermann war vor wenigen Tagen in der Microsoft-Zentrale in Redmond, um mit Konzernchef Satya Nadella ein Interview zu führen.

Felix ist gelungen, was nur ganz wenige Journalisten schaffen: Nadella zu persönlichen Aussagen zu bewegen. Ja, die beiden sprechen natürlich über eine mögliche KI-Blase. Sie sprechen aber auch über den Sohn von Nadella, Zain, der mit Zerebralparese geboren wurde.

Als Vater eines Sohnes mit einer Behinderung forcierte Nadella einen anderen Blick auf KI. Einen Blick, der ganzheitlicher auf die Technologie schaut. Und auch einen Blick, der im starken Kontrast zum Kurs des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump steht.

Verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck. Das gesamte Interview können Sie in Disrupt nachhören, in unserer Titelgeschichte nachlesen oder auch auf unserer Website anschauen.

Linas Labor

Linas Labor: KI-Reporterin Lina Knees stellt wöchentlich einen zentralen Begriff, eine wegweisende Studie oder ein neues KI-Werkzeug vor. Foto: Michel Becker

Nested Learning. Ein Forschungsteam bei Google sagt, es habe eines der größten Probleme heutiger KI-Modelle gelöst: ihre Vergesslichkeit. Kurz vor der NeurIPS-Konferenz, auf der führende Wissenschaftler neue KI-Forschung präsentieren, wird deshalb bereits das Papier von Google Research zu „Nested Learning“ diskutiert.

Was dahintersteckt:

Grob gesagt verarbeiten Sprachmodelle Wissen auf zwei Wegen. Beim Training eines neuen Modells entsteht das Langzeitgedächtnis. Alles, was ein Modell im Austausch mit Nutzern erfährt, fließt in eine Art Kurzzeitgedächtnis und verändert die Modellstruktur, also das Langzeitwissen, nicht.

KI-Modelle lernen nicht dazu und können ihr Wissen nicht erneuern. Versucht man, ihnen nach dem Training etwas beizubringen, löschen sie dabei Teile des bereits Gelernten. Experten nennen das „katastrophales Vergessen“.

Bei dem von Google Research vorgeschlagenen „Nested Learning“ lernt das Modell nicht nur in einer Phase als Ganzes, sondern kann sein Wissen konstant erweitern. Dabei hat das Modell schneller lernende Bereiche als sich ständig erneuerndes Kurzzeitgedächtnis und langsamer lernende Bereiche, die abstrakte Konzepte über einen längeren Zeitraum speichern. Konzeptionell soll es dem näherkommen, wie Menschen Fähigkeiten und Wissen speichern.

2017 legte das Forschungsteam Google Brain mit dem Forschungspapier „Attention is all you need“ die Basis für den heutigen KI-Boom. Manche nennen das neue Papier bereits seinen Nachfolger. Jakob Uszkoreit, Mitautor des Papiers von 2017, sagt allerdings dazu: „Das Problem, das Nested Learning zu lösen versucht, ist sicher eins der wichtigsten. Ob nun diese Methode allerdings einen Teil der Lösung darstellt, wird erst die Zeit zeigen.“

Was Sie sonst noch wissen sollten

Künstliche Intelligenz revolutioniert den Einzelhandel – das dürfte sich auch beim heutigen Black Friday zeigen. Foto: Getty Images, Picture Alliance [M]

1. Künstliche Intelligenz steuert am Black Friday erstmals Milliardenumsätze – und verändert den Onlinehandel grundlegend. Rund 22 Prozent aller Bestellungen weltweit gehen laut Salesforce schon auf KI-Empfehlungen zurück. In Deutschland experimentieren Händler wie Otto, Zalando oder Pandora mit eigenen Assistenten, während Plattformen wie ChatGPT den gesamten Kaufprozess übernehmen. Florian Kolf berichtet, wie Händler jetzt reagieren – und was sie riskieren, wenn sie es nicht tun.

2. Oura dominiert den Markt für smarte Ringe – und setzt jetzt voll auf KI. Über die App erhalten Nutzer personalisierte Gesundheitstipps, etwa zu Schlaf oder Stress – gegen Abo-Gebühr. Die Nachfrage ist hoch, besonders bei jungen Frauen. Doch neue Konkurrenz durch Samsung und Co. sowie Datenschutzbedenken erhöhen den Druck. Handelsblatt-Redakteurin Nadine Schimroszik hat mit Oura-Chef Tom Hale gesprochen – und berichtet, wie der Marktführer weiter wachsen will.

Innovationen: Deutschland ist nach neuer Analyse zu selten vorn dabei. Foto: BMW, Boehringer Ingelheim, Google [M]

3. Deutschlands Innovationskraft stockt – vor allem bei der Digitalisierung und Kommerzialisierung neuer Technologien. Während Unternehmen wie Boehringer Ingelheim mit Quantencomputern forschen und BMW bei Batterien auf neue Wege setzt, stagniert die Breite der Industrie. Laut einem neuen Innovationsranking landet Deutschland nur auf Rang zwölf – hinter Ländern wie Singapur und den USA. Meine Kollegen Thomas Jahn und Helena Smolak zeigen, wo es hakt – und welche Strategien wirklich zukunftsfähig sind.

4. Im KI-Rausch verschulden sich Tech-Konzerne in Rekordtempo. Amazon, Meta und Google haben binnen weniger Monate Anleihen im Wert von 81 Milliarden Dollar platziert – und das ist erst der Anfang. Um ihre milliardenschweren Rechenzentrumsprojekte zu finanzieren, greifen auch fragilere Anbieter zu riskanten Konstruktionen. Philipp Alvares de Souza Soares zeigt, warum selbst Analysten von „esoterischen“ Finanzmodellen sprechen – und welche Risiken der KI-Boom für den Finanzmarkt birgt.

5. Google rückt Nvidia im Geschäft mit KI-Chips auf die Pelle. Laut einem Medienbericht verhandelt Meta über einen Großauftrag für Googles spezialisierte TPUs – und könnte damit den bisherigen Branchenstandard von Nvidia verdrängen. Schon ein Deal mit Anthropic im Milliardenvolumen zeigt Googles neue Ambitionen. Ich habe aufgeschrieben, wie Google seine Chips, Cloud-Dienste und das KI-Modell Gemini strategisch verzahnt.

Grafik der Woche

Über 90 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen KI. Laut einer Forsa-Umfrage, die für den Tüv-Verband erhoben wurde, nutzen bereits knapp zwei Drittel der Deutschen KI. Es gibt allerdings große Unterschiede in der Nutzung zwischen den Altersgruppen. Von den 16- bis 29-Jährigen verwenden 91 Prozent KI, die Nutzung nimmt in den höheren Altersgruppen ab.

Auch die Art der Nutzung hat sich laut der Auswertung verändert: Mehr Menschen nutzen KI zur Informationssuche und zum Schreiben von Texten. Die Nutzung zur Unterhaltung scheint im Vergleich zum Vorjahr abzunehmen. Dabei sehen 80 Prozent der Befragten KI als Werkzeug ohne emotionale Bindung. Etwa sechs Prozent empfinden die Technologie als guten Freund.

Handelsblatt Disrupt

Larissa Holzki (l.), Felix Holtermann: Der Silicon-Valley-Korrespondent berichtet von seinem Interview mit dem Microsoft-Chef. Foto: Handelsblatt

Satya Nadella ist so eine Art Superstar unter den Konzernchefs. Der indischstämmige Manager steht nicht nur an der Spitze von Microsoft: Er hat selbst maßgeblich dazu beigetragen, dass der Windowskonzern heute noch in der Top-Liga der wertvollsten Konzerne mitspielt.

Denn als Nadella 2014 seinen Posten antrat, kämpfte Microsoft gegen den Abstieg. Die PC-Verkäufe fielen. Die Smartphone-Revolution hatte Microsoft verpasst. Dann kam Nadella. Er setzte auf Cloud, auf KI, auf OpenAI. Der Aktienkurs hat sich seitdem verachtzehnfacht.

Warum das wichtig ist? Während die Technologie-Riesen weiter Hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur investieren, mehren sich die Zweifel an Künstlicher Intelligenz im Allgemeinen und Nadellas Wette im Speziellen. Und an den Börsen macht sich die Nervosität schon bemerkbar. Aus gutem Grund: Sollte der Hype um KI wie eine Blase platzen, würde das Unternehmen auf der ganzen Welt mitreißen.

Warum hält Nadella an seinen Investitionen fest, wie blickt er auf die oft noch enttäuschenden Produktivitätseffekte von KI – und wie navigiert er seinen Konzern dabei durch eine Zeit, in der ein US-Präsident Donald Trump für zusätzliche Unsicherheit sorgt?

All das konnte Handelsblatt-Korrespondent Felix Holtermann ihn persönlich fragen. Das ganze Gespräch hören Sie in diesem Podcast. Außerdem spricht Handelsblatt-Technologiereporterin Larissa Holzki mit Felix Holtermann darüber, warum er mehr als drei Jahre auf dieses Gespräch warten musste, wie es bei Nadella war – und welches persönliche Schicksal die beiden verbindet.

Hören Sie unbedingt rein, und abonnieren Sie Handelsblatt Disrupt auf Spotify, Apple – oder der Podcast-Plattform Ihrer Wahl.

Was wir lesen

OpenAIs gefährliches Experiment mit der Empathie. Ein Update machte ChatGPT gefühlvoller – und führte dazu, dass sich Nutzer in den KI-Bot verliebten, ihm ihr Leben anvertrauten und im schlimmsten Fall starben. Die „New York Times“ hat mit Insidern gesprochen – und zeigt, wie es so weit kommen konnte. (New York Times)

Chipfieber in China – Firma Moore Threads zieht Investoren an. Der Börsengang des GPU-Start-ups Moore Threads war 4000-fach überzeichnet. Chinas KI-Offensive treibt heimische Chipentwickler nach vorn. Die „South China Morning Post“ berichtet, welche Rolle die Regierung dabei spielt. (South China Morning Post)

AI braucht bis 2030 zwei Billionen Dollar Umsatz, weltweit fehlen noch 800 Milliarden pro Jahr. Die Beratung Bain & Company warnt, dass die explodierende Nachfrage nach Rechenleistung die Netze überlastet. (Bain & Company)

Bei Amazon warnt die eigene Belegschaft vor den Folgen von KI. Mehr als 1000 Beschäftigte kritisieren intern, dass der Umgang mit KI bei Amazon die Demokratie und die Umwelt gefährdet. (Wired)

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Ilya Sutskever, ehemaliger OpenAI-Chefwissenschaftler, erklärt die Ära der Skalierung für beendet. Das Interview mit Dwarkesh Patel auf Youtube ist unbedingt sehenswert (Youtube)

Das war das KI-Briefing Nummer 117. Mitarbeit: Luisa Bomke, Lina Knees, Martina Held (Grafik). Wenn Sie auch nächste Woche wieder mitlesen wollen, abonnieren Sie das KI-Briefing am besten als Newsletter.

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