Kapitalmarkt: Die KI-Schuldenwelle – Kreditrisiko der Tech-Konzerne steigt
San Francisco, Tampa. Nun also auch Amazon. Der Handels- und Tech-Konzern bestätigte in dieser Woche, dass er sich frisches Geld am Anleihemarkt besorgen will – zunächst 15 Milliarden Dollar. Zwei Wochen zuvor hatte Matt Garman, Chef der mächtigen und kapitalintensiven Cloudsparte Amazon Web Services (AWS), hinsichtlich seiner Verschuldungspläne noch wortkarg gegeben. „Wir halten das vorerst geheim“, sagte er dem Handelsblatt.
Das Geschäft markiert eine Zäsur. Drei Jahre lang war das Unternehmen ohne neue Anleihen ausgekommen. Die Geschäfte liefen gut genug, um die Investitionen aus dem laufenden Geschäft zu bezahlen. Doch diese vergleichsweise sorglose Zeit scheint vorerst vorbei – nicht nur bei Amazon, dessen Schuldenstand im Oktober (inklusive Leasingverpflichtungen) bei gut 135 Milliarden Dollar lag.
Um die Rekordausgaben für Rechenzentren, Chips und Stromversorgung zu stemmen, bürden sich große wie kleine Tech-Konzerne seit dem Spätsommer in rasantem Tempo neue Schulden auf. Zuletzt liehen sich manche von ihnen zweistellige Milliardenbeträge innerhalb von wenigen Wochen.
An der Wall Street sorgt das bereits für Unruhe. Lange hatte man sich dort damit beruhigt, dass die Branche die Investitionen größtenteils aus eigener Kraft stemmte. Mittlerweile verschlingt das Wettrennen um die Führung bei der künstlichen Intelligenz (KI) derart viel Geld, dass auch die üppigsten Margen nicht mehr zur Finanzierung ausreichen.