Ukraine-Krieg: Die Lage im Donbass wird immer prekärer – ein Ortsbesuch
Donezk. Vor dem kleinen Aquarium im Zentrum von Kramatorsk hat sich eine Schlange gebildet. Kinder warten ungeduldig mit ihren Eltern vor der Eingangstür. Die exotischen Meeresbewohner, die es in den fünf Wassertanks des Aquariums „Erstaunliche Fische“ zu sehen gibt, kennen die meisten zwar schon. Viel zu unternehmen gibt es für Familien in der Industriestadt im Donbass schließlich nicht.
Doch heute ist ein besonderer Tag. Eine Organisation aus Kiew, die sich um Kinder in Frontnähe kümmert, ist zu Besuch und hat Tiere mitgebracht. Das Kaninchen, den Albino-Igel und die Eidechse dürfen die Kinder sogar berühren. „Iiih! Wie kalt und glitschig die ist!“, quietscht der achtjährige Damir vergnügt, als ihm die Echse auf die Hand gesetzt wird. Mit einem glücklichen Lächeln hält seine Mutter den Moment mit der Kamera fest.
Aber auch an einem solchen Tag findet der Krieg einen Weg, sich bemerkbar zu machen. Über Nacht sind im Aquarium Dutzende von Fischen verendet. Eine russische Gleitbombe hat das Kohlekraftwerk von Kramatorsk schwer beschädigt. Weite Teile der Stadt sind seit Stunden ohne Strom. Auch die Sauerstoffpumpen der Aquarien funktionieren nicht.