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Satoru IwataNintendo-Chef mit 55 Jahren an Krebs gestorben

Satoru Iwata leitete die Neuausrichtung des Videospielriesen ein, die Wii war sein größter Erfolg. Jetzt starb der Nintendo-Chef mit nur 55 Jahren. Sein Tod reißt eine Lücke. Wie geht es bei Nintendo weiter? 13.07.2015 - 10:04 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Nintendo-Chef ist am Wochenende einem Krebsleiden erlegen.

Foto: ap

Tokio. Der japanische Spiele-Spezialist Nintendo hat in schwieriger Umbruch-Zeit seinen Chef Satoru Iwata verloren. Iwata starb im Alter von 55 Jahren an Krebs. Er war bereits vor rund einem Jahr an dem Tumor im Gallengang operiert worden. Als Nachfolgelösung sollen zunächst die Top-Manager Shigeru Miyamoto und Genyo Takeda Nintendo weiterführen.

Iwata wurde 2002 der erste Nintendo-Präsident, der nicht zur Nintendo-Gründerfamilie Yamauchi gehörte. Sein größter Wurf war die 2006 gestartete Spielekonsole Wii. Sie lockte mit ihrer bewegungsempfindlichen Steuerung viele Gelegenheitsspieler an und verkaufte sich deutlich besser als die technisch überlegenen Konsolen Playstation von Sony und Xbox 360 von Microsoft. Der Absatz des Nachfolgemodells Wii U blieb bisher jedoch weit hinter den Erwartungen zurück - das brachte Nintendo Verluste ein.

Geschäftsmodelle der Spielebranche
Ein Entwickler arbeitet Monate oder Jahre an einem Spiel. Wenn es fertig ist, wird es zu einem festen Preis auf den Markt gebracht. Nach wie vor setzen viele Anbieter auf den klassischen Verkauf, ob Einzelkämpfer, die eine iPhone-App programmieren, oder große Studios mit Produktionen im Hollywood-Stil. Ob die Nutzer ins Geschäft gehen oder sich den Titel herunterladen, spielt dabei keine Rolle.
Jede Stunde oder jeder Monat kostet – nach diesem Prinzip rechnen die Anbieter von Abo-Spielen ab. Wenn sie einen treuen Stamm von Spielern an sich binden können, schaffen sie einen stetigen Umsatzstrom. Dafür müssen sie allerdings auch ständig etwas Neues bieten, sonst sind die zahlenden Kunden weg. „World of Warcraft“ ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.
Das Spiel an sich ist gratis, aber die Extras kosten. Die Anbieter von Free-to-play-Spielen verdienen ihr Geld mit virtuellen Zauberstäben, Raumschiffen oder Rüstungen. Obwohl nur ein Bruchteil der Nutzer zahlt, kann das lukrativ sein. Da die Einstiegshürde niedrig ist, gewinnen die Anbieter viele Gelegenheitsspieler. Vorreiter sind Unternehmen wie Zynga und Bigpoint, doch auch viele Branchen-Dinos setzen inzwischen auf dieses Modell.
Bandenwerbung im Fußballstadion, Aufkleber auf Rennwagen, gesponsorte Figuren: Computerspiele sind eine Plattform für Reklame. Der Anteil am Gesamtumsatz der Branche ist allerdings noch klein.
Wer keinen großen Geldgeber findet, fragt einfach viele Kleininvestoren. Beim Crowdfunding – der Schwarmfinanzierung – versorgen sich Unternehmen über Plattformen wie Kickstarter mit Kapital; Nutzer können kleine Beträge zur Verfügung stellen und bekommen im Gegenzug das fertige Produkt oder Extras.

Vor die größte Herausforderung stellte Nintendo jedoch die vom iPhone begonnene Ära moderner Touchscreen-Smartphones. Der Konzern hatte mit dem Gameboy noch in den 80er-Jahren die erste erfolgreiche mobile Spielekonsole herausgebracht, und Iwata konnte an die Erfolge zunächst mit dem klappbaren Modell DS mit zwei Bildschirmen anknüpfen.

Doch die Menschen verbringen inzwischen immer mehr Zeit mit kostenlosen oder sehr günstigen Games auf ihren Smartphones. Die Verkäufe des aktuellen Nintendo 3DS mit einem 3D-Display sind unter Druck.

Iwata, der lange darauf beharrte, dass Nintendo-Figuren wie „Super Mario“ nur auf hauseigenen Geräten auftauchen sollen, gab im Frühjahr schließlich den Widerstand auf und kündigte an, dass zusammen mit dem japanischen Konzern DeNA Spiele für Smartphones entwickelt werden sollen.

Iwata war ein passionierter Spiele-Programmierer, der hinter erfolgreichen Figuren wie „Kirby“ stand und als Manager in die Chefetage eines Milliardenunternehmens vorrückte. Das gab ihm zusätzlich Gewicht in der Branche und auch bei Entscheidungen innerhalb des Unternehmens. „Auf meiner Visitenkarte bin ich ein Konzernpräsident. In meinem Kopf bin ich ein Spiele-Entwickler. In meinem Herzen bin ich ein Gamer“, sagte Iwata bei einem Auftritt 2005.

In der aktuellen Doppelspitze bei Nintendo genießt der 62-jährige Miyamoto als Schöpfer von Spielen wie „Super Mario“, „Zelda“ oder „Donkey Kong“ ebenfalls den Status einer Legende. Der 66-jährige Takeda ist für die Hardware zuständig.

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Iwatas Plan für die Zukunft sah vor, Nintendo mit einem noch streng geheim gehaltenen Gerät ins Gesundheitsgeschäft zu bringen. Bisher wurde nur bekannt, dass das Projekt mit der Bezeichnung „Quality of Life“ kein Fitness-Tracker ist, wie ihn viele Unternehmen anbieten.

Nintendo war im abgelaufenen Geschäftsjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Zum Bilanzstichtag am 31. März war unterm Strich ein Gewinn von 41,8 Milliarden Yen (310 Mio Euro) angefallen. Im vergangenen Jahr hatte noch ein Verlust von 23,2 Milliarden Yen in den Büchern gestanden.

dpa
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